Schorndorf

Ein neuer Schorndorfer Eigenbetrieb soll sich um die Innenstadt kümmern

Einzelhandel
Mehr als Versorgungsstandort: Die Innenstadt ist für OB Klopfer „multifunktionaler Freizeit- und Erlebnisort“, ja sogar Schorndorfer Markenkern.   Foto: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Spätestens mit der Corona-Krise und der zeitweisen Schließung der Geschäfte dürfte allen klar geworden sein, wie wichtig der Einzelhandel für die Innenstadt ist. Im Gemeinderat jedenfalls scheint diese Botschaft angekommen zu sein: Für FDP/FW-Rat Gerald Junginger war die Gründung des Eigenbetriebs „Tourismus und Citymanagement Schorndorf“ sogar der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung. Und Oberbürgermeister Matthias Klopfer will die historische Innenstadt als Markenkern stärken: Für ihn ist sie mehr als ein reiner Versorgungsstandort, sie ist „multifunktionaler Freizeit- und Erlebnisort“. Und um den soll sich künftig nicht mehr nur ein Citymarketingverein kümmern, sondern von 1. Januar 2021 an ein neuer Eigenbetrieb mit den beiden Betriebsleitern Ulrike Schwebel und Lars Scheel.

Der Zeitpunkt ist günstig gewählt: Ende Juni 2021 endet die Vereinsmitgliedschaft der Stadt bei Schorndorf-Centro, an der Vereinsspitze steht ein Wechsel bevor: Geschäftsführer Ulrich Fink geht in Ruhestand, Vorsitzender Gerhard Nickel stellt sich nicht mehr zur Wahl. Es wird sich zeigen, ob der vor 17 Jahren gegründete Verein weiterhin mit eigenen Aktivitäten Akzente setzen wird. Ein Centro-Vertreter – oder der einer Nachfolgeorganisation – soll aber künftig in beratender Funktion an allen öffentlichen Sitzungen des Eigenbetriebs-Ausschusses teilnehmen können.

Schnittstellen zum Gemeinderat und zu den Innenstadtakteuren

Um die Einbindung aller Akteure – der Einzelhändler und der Gewerbetreibenden, aber auch des Gemeinderats – ging es, als vor der Sommerpause die formelle Beschlussfassung über die Gründung des Eigenbetriebs auf Antrag der CDU-Fraktion auf die Oktober-Sitzung verschoben wurde. Und so werden die Innenstadtakteure künftig im Betriebsausschuss, in Arbeitsgruppen, im einmal jährlich stattfindenden Innenstadtforum und im Citymanagementbeirat vertreten sein. Eine Schnittstelle zur Kommunalpolitik wird es über den sogenannten Fraktionsdialog geben, der zweimal jährlich stattfindet und ähnlich wie der Ältestenrat des Gemeinderats zusammengesetzt sein soll. Anlass für GLS-Rat Werner Neher, sich in der Gemeinderatssitzung zu beklagen: Weil die „Grüne Liste Schorndorf“ keinen Fraktionsstatus hat, war sie, wie auch Einzelstadträtin Andrea Sieber, zunächst gar nicht vertreten. Auf Vermittlung von OB Klopfer sollen jetzt auch die Splittergruppen beim Fraktionsdialog dabei sein.

Bürgermeister Thorsten Englert sieht den Gemeinderat sowieso in einer zentralen Rolle und die Betriebsleiter als „verlängerten Arm der Stadt“, um Alltagssorgen aufzugreifen. Und so sieht Betriebsleiter Lars Scheel das Citymanagement ganz generell als Kommunikationsprozess, in den der neue Eigenbetrieb im kommenden Jahr nicht mit einer großen Agenda eintreten will. Gemeinsam mit den Innenstadtakteuren, versprach Scheel, sollen Themen entwickelt werden.

Diskussion über afghanische Läden

Und erste Eindrücke gab es schon aus den Reihen des Gemeinderats: So äußerte sich CDU-Stadtrat Thorsten Leiter besorgt über den afghanischen Laden, der neben dem Geschäft an der Gottlieb-Daimler-Straße ein zweites an der Neuen Straße eröffnen wird: „Das ist eine Entwicklung, die nicht alle wollen.“ Auch seine Fraktionskollegin Julia Schilling, die im Sommer in direkter Nachbarschaft ihre Kunst-Galerie eröffnet hat, ist nicht glücklich, fürchtet einen Brennpunkt – den es laut Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerich aber hier gar nicht gibt – und wünscht sich von der Stadt, dass sie Hauseigentümer unterstützt, die nicht auf den schnellen Profit aus sind. OB Klopfer, der kein Problem mit arabischen Läden hat, dem die schwierige Situation in der Neuen Straße aber bewusst ist, sieht die Stadt vielmehr in einer vermittelnden Rolle, auch was die Sanierung von Gebäuden angeht. Auch für Lars Scheel geht es eher ums Initiieren, Impulse setzen und Unterstützen – „wir können keine Marktmechanismen außer Kraft setzen“.

Weniger Probleme sieht offenbar die SPD-Fraktion. Für Fraktionsvorsitzenden Tim Schopf gehören auch arabische Läden zur Innenstadt. Sabine Reichle äußerte sich erschrocken über die Afghan-Market-Diskussion und empfahl, sich mit Lebensmittelhändler Abramzik mal darüber zu unterhalten, wie es ihm in den 1950er Jahren in Schorndorf ergangen ist – „das waren ähnliche Diskussionen wie heute“, weiß Reichle. Citymarketing hält auch Grünen-Stadtrat Andreas Schneider für eine „enorm wichtige Aufgabe“, schicke Gebäudefassaden für Hauseigentümer aber auch eine Frage des Geldbeutels; bezogen auf den afghanischen Markt konstatierte Schneider: „Es ist mir egal, wo jemand herkommt, wichtig ist, dass man sich an Regeln hält“ – und sich gegenseitig kennenlernt.

Spätestens mit der Corona-Krise und der zeitweisen Schließung der Geschäfte dürfte allen klar geworden sein, wie wichtig der Einzelhandel für die Innenstadt ist. Im Gemeinderat jedenfalls scheint diese Botschaft angekommen zu sein: Für FDP/FW-Rat Gerald Junginger war die Gründung des Eigenbetriebs „Tourismus und Citymanagement Schorndorf“ sogar der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung. Und Oberbürgermeister Matthias Klopfer will die historische Innenstadt als Markenkern

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