Schorndorf

Eine Ampel fürs Bärengässle

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Schorndorf. Weil das Bärengässle so eng ist, dass zwei sich entgegenkommende Passanten nicht aneinander vorbeikommen, hat die Stadt sich entschlossen, eine Fußgängerampel zu installieren. Für die elektronische Steuerung soll nun getestet werden, wie lang die „Durchgangszeit“ ist. Deshalb ist die Bevölkerung aufgerufen, sich am Samstag, 1. April, um 11 Uhr zu einem Test einzufinden. Es sollten unterschiedlich schnell gehende Personen kommen.

In einer Sondersitzung hat der Gemeinderat am Donnerstagabend diese Maßnahme abgesegnet. Vor allem auch im Hinblick auf die Interkommunale Gartenschau im Jahr 2019, bei der ein erhöhtes Personenaufkommen in der Stadt erwartet wird, soll dieser neuralgische Punkt entschärft werden. Immer wieder kam es dort zu Konfliktsituationen. Oberbürgermeister Matthias Klopfer betont, dass diese Maßnahme nicht zuletzt auch der Weststadt zugutekommt: „Ich kann mir vorstellen, dass es für Touristen nicht nur die Passage erleichtert, sondern dass das Bärengässle regelrecht zu einem Anziehungspunkt wird.“

Stadtwerke wollen Licht-Installation

Aus diesem Grund hat man sich überlegt, den hinteren Teil optisch zusätzlich aufzuwerten. Eberhard Abele hat bereits einige Vorschläge eingereicht, wie die seitherige Hinterhof-Atmosphäre dort durch Skulpturen aufgewertet werden kann. Ihm schwebt eine mobile, möglichst bunte Installation im Stil des Tinguely-Brunnen am Pariser Centre Pompidou vor, die Heiterkeit ausstrahlt und Schorndorf als Skulpturen-Stadt im Bewusstsein der Gäste weiter etablieren könnte. Auch die Stadtwerke haben angekündigt, sich mit einer Licht-Installation in diesem Bereich zu engagieren. Andreas Seufer erklärte, er wolle eine entsprechende Illumination von den Stadtwerken sponsern, damit die Gasse auch abends nutzbar werde.

Freilich sind nicht alle von dieser Idee angetan. So bemerkte etwa CDU-Gemeinderätin Iris Greiner: „Wie sieht dieses Sponsern aus? Die Rechnung zahlen am Ende doch die Kunden der Stadtwerke mit ihrer Stromrechnung!“ Erstaunlich zahm gab sich hingegen Gemeinderat Andreas Schneider (Grüne): „Mir wäre es ja lieber gewesen, wenn die Stadt stattdessen einen großen Baum auf dem Unteren Marktplatz pflanzen würde. Aber eine Ampel ist ja wenigstens auch ab und zu grün.“ Matthias Klopfer freute sich, dass schlussendlich das gesamte Gremium hinter der Fußgängerampel stand: „Wir positionieren uns damit wieder einmal als Heimat guter Ideen.“ Zwar stamme diese Ampel-Lösung aus Prag (siehe Infokasten), jedoch müsse man ja in Schorndorf nicht jedes Rad neu erfinden. Allerdings soll hier, ganz im Sinne des Erfinders Gottlieb Daimler, die Steuerung der Anlage nach einem zukunftsweisenden, neuesten Standard erfolgen, und zwar mit Sensoren.

Bürgerschaft ist aufgerufen zum Testlauf am Samstag

Zu diesem Behufe möchte das Rathaus die Bürgerschaft einbinden. Sie ist aufgerufen, sich heute um 11 Uhr für einen Testlauf am Unteren Marktplatz zwischen Eisdiele und Döner-Imbiss einzufinden. Wichtig sei, so das Stadtoberhaupt, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger beteiligten. Es gehe nicht nur darum, festzustellen, wie lange einzelne Personen für den Durchgang brauchen, sondern auch, in welcher Höhe die Sensoren angebracht werden, damit kleine Leute nicht benachteiligt werden. Klopfer zeigte sich überzeugt, dass sich die Investition auch über die Gartenschau hinaus rechne, nicht zuletzt auch wegen der gestiegenen Zahl an Flüchtlingen in der Stadt, die sich auf diese Weise, auch schon bevor sie sich die nötigen Sprachkenntnisse angeeignet haben, einvernehmlich mit der hiesigen Bevölkerung arrangieren können.

Heidi Rapp (SPD) schlug vor, dass das Ampelmännchen, wie in Berlin schon üblich, durch eine weibliche Figur ersetzt wird. Die einstige Vorsitzende des Frauenforums sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Aufwertung der Frau. Matthias Klopfer, der bei seinem Amtsbeginn versprochen hatte, Frauenpolitik zur Chefsache zu machen, griff diesen Vorschlag begeistert auf und sagte, er werde sich persönlich dafür einsetzen und notfalls die Zusatzkosten aus seinem eigenen Etat bestreiten.

Vorbild für die Schorndorfer Aktion ist das Goldene Gässchen in Prag. Es gehört dort zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Europa. Diese Gasse ist ebenfalls sehr eng. Schon seit Jahren gibt es deshalb dort Ampeln, die den Fußgängerverkehr regeln. Wer durchgehen möchte, drückt auf einen Knopf, so dass am anderen Ende die Ampel auf Rot springt