Schorndorf

Eine ganz neue Erfahrung: Heiligabend zu zweit

Heiligabend mit uns
Auch Dorothea Dietewich und ihre Tochter Janelle, sonst immer bei „Heiligabend mit uns“, sind dieses Mal daheim. © ALEXANDRA PALMIZI

Heiligabend allein daheim oder mit Verwandten, die einem nichts sagen – 20 Jahre lang gab es in Schorndorf von evangelischer Gesamtkirchengemeinde und Kreisdiakonieverband ein Alternativprogramm. Und in diesem Corona-Jahr sollte der „Heiligabend mit uns“ zumindest als To-go-Variante stattfinden. Dass angesichts steigender Infektionszahlen nicht mal vor dem Martin-Luther-Haus Geschenktüten verteilt werden können, trifft auch Dorothea Dietewich und ihre Tochter Janelle.

Die Sozialpädagogin arbeitet seit fast 30 Jahren in der Schorndorfer Suchtberatungsstelle, ehrenamtlich ist sie beim „Heiligabend mit uns“ dabei, seitdem Magdalene Fuhr mit dieser Idee an die Öffentlichkeit ging. Die 14-jährige Janelle kennt Heiligabend gar nicht anders, als mit bis zu 150 Menschen bei Kaffee und Kuchen Weihnachtslieder zu singen, mit zufälligen Nebensitzern am Tisch gemeinsam zu spielen und zu basteln, sich zum Abendessen Saitenwürstle mit Kartoffelsalat schmecken zu lassen, dem Posaunenchor zu lauschen, sich von einem kleinen Anspiel unterhalten und sich um halb zehn bescheren zu lassen.

Keine Chance: „Wir wollten nicht zum Hotspot werden“

Das alles ausfallen zu lassen, diese Entscheidung ist Dorothea Dietewich, die den „Heiligabend mit uns“ gemeinsam mit Gudrun Henecke und einem 30-köpfigen Team organisiert, alles andere als leichtgefallen. Doch selbst die Vorstellung, wenigstens zwischen 19 und 20 Uhr Geschenktüten auszugeben, war ihnen irgendwann zu riskant: „Wir wollten nicht zum Hotspot werden“, erklärt Dorothea Dietewich die schwere Entscheidung – „doch es gab keine Chance.“ Wirklich berührt ist sie darum von Rückmeldungen treuer Heiligabend-Gäste: „Natürlich finden wir’s schade, aber wir verstehen’s.“

Was Schönes kochen und mit Verwandten skypen

Die Erfahrung, Heiligabend für sich zu feiern, ist auch für Dorothea Dietewich und ihre 14-jährige Tochter neu. Die beiden haben den 24. Dezember immer im Martin-Luther-Haus verbracht – und müssen sich für dieses Jahr was anderes einfallen lassen: Auf jeden Fall werden sie, so ist der Plan, sich was Schönes kochen. Würstle mit Kartoffelsalat wird’s nicht geben, auch wenn ihnen das traditionelle Heiligabendessen immer gut geschmeckt hat. Sie wollen sich ausgiebig Zeit für die Bescherung nehmen. Gegen 19 Uhr wird mit der Oma, der Tante in Bochum und der Verwandtschaft in Norwegen geskypt. Außerdem stehen Spiele und ein schöner Film auf dem Programm.

Sich einen Plan für diesen Heiligabend zu machen, das kann Dorothea Dietewich nur empfehlen. Wer ganz allein ist, könnte zum Beispiel am Nachmittag auch einen Spaziergang unternehmen, um unterwegs anderen Menschen zu begegnen. Sich selbst was Gutes kochen, ein bisschen fernsehen, mit Freunden telefonieren – auch das kann dem Abend, den man schon seit Jahren in Gesellschaft verbracht hat, Struktur geben. Wer über die langen Feiertage sehr in Not ist, kann natürlich auch die Telefonseelsorge anrufen. „Wichtig ist“, sagt Dorothea Dietewich, „dass man sich was Gutes tut und für sich sorgt.“

Hoffentlich im kommenden Jahr wieder im Martin-Luther-Haus

Auch sie hofft, dass im kommenden Jahr „Heiligabend mit uns“ wieder möglich ist, dass Alleinstehende jeden Alters, Obdachlose, bedürftige Familien, vielleicht auch Menschen mit Hunden, die sonst eigentlich nichts miteinander zu tun haben, an liebevoll gedeckten Tischen zusammensitzen können. „Das ist immer sehr schön“, findet Dorothea Dietewich und vermisst schon jetzt die friedliche Atmosphäre im Martin-Luther-Haus.

Heiligabend allein daheim oder mit Verwandten, die einem nichts sagen – 20 Jahre lang gab es in Schorndorf von evangelischer Gesamtkirchengemeinde und Kreisdiakonieverband ein Alternativprogramm. Und in diesem Corona-Jahr sollte der „Heiligabend mit uns“ zumindest als To-go-Variante stattfinden. Dass angesichts steigender Infektionszahlen nicht mal vor dem Martin-Luther-Haus Geschenktüten verteilt werden können, trifft auch Dorothea Dietewich und ihre Tochter Janelle.

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