Schorndorf

Ekstase in der Schorndorfer Manufaktur: Endlich wieder Konzerte

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Symbolbild. © ZVW/Gaby Schneider

Ganz langsam, schüchtern zunächst, kehrt das kulturelle Leben zurück. Symbolträchtig ist in diesem Zusammenhang eine aktuelle Meldung aus der Schorndorfer Manufaktur: Am 20. Juni gibt es dort wieder ein Konzert. Die Manu ist ein legendenumwobener Leuchtturm des regionalen Klang-Geschehens, insofern macht es ganz grundsätzlich Mut, wenn auch hier wieder was passiert. „Juhu, wir sind zurück!“, heißt es im aktuellen Newsletter aus dem Manu-Büro entsprechend enthemmt. „Selten waren wir so euphorisiert! Luftsprünge, Purzelbäume, Ekstase-Emojis!“

Das Sommerprogramm läuft an – „mit aller gebotenen Vorsicht und weiterhin ohne Stehkonzerte. Es gibt Musik, Stühle, schöne Atmosphäre im Manufaktur-Garten unter den Kastanien“ und Auftritte von „Künstler*innen aus der Region (kein Eintritt!)“.

So trotzt die Manufaktur dem Coronavirus

Kurze Nachfrage bei Robin Hacker vom Manufaktur-Büro: Wie genau sieht das Corona-Konzept aus? „Der ganze Hof wird bei uns jetzt bespielt“, also nicht nur, wie sonst, der schnuckelige Biergarten, der sich zwischen Manu-Fassade und Parkplatz schmiegt. „Die Autos werden verbannt“, auch die weitläufige Asphaltfläche ist dadurch nutzbar – „99 Leute“ lassen sich da locker sitzend und abstandswahrend unterbringen. Bei schlechtem Wetter geht es in den Saal, allerdings finden dort unter Maßgabe der aktuellen Regeln deutlich weniger Leute Platz.

Besucher bekommen vom Manu-Personal einen passenden Tisch zugewiesen. 1,50 Meter Mindestabstand sollen, „wo immer möglich“ eingehalten, Körperkontakt und Händeschütteln vermieden werden. Auf dem Gelände steht Desinfektionsmittel bereit. Wer umherschlendert, Getränke oder Essen holt, auf die Toilette muss, trägt Mundschutz, am Tisch darf man frei atmen. Ferner: „Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, eure Kontaktdaten am Eingang aufzunehmen.“ Und so weiter – man kennt das mittlerweile. Nicht oft genug würdigen kann man aber eine der schönsten, kulturell edelsten Wortschöpfungen, die uns das Coronavirus geschenkt hat: Zu achten sei auf die „Nies- und Husten-Etikette“.

Robin Hacker fast zusammen: „Wir sind echt froh, dass wir langsam wieder in den Alltag zurückkommen“. Eine heikle Frage allerdings hätten wir noch ...

Wie gereizt macht Corona? Oder; Das Programm der nächsten Wochen

Herr Hacker, die Stimmung Ihres Manubüro-Kollegen Werner Hassler ist normalerweise radikal abhängig vom aktuellen Konzert – ist es voll, findet er die ganze Welt „großartig“; kommt kein Mensch, brütet er gefährlich düster vor sich hin. Als aber gar nichts mehr ging, muss der kalte Entzug den Mann doch so dauergereizt gemacht haben, dass man ihn nur mit der Stecknadel stupsen musste, um ihn bis nach Waiblingen ins Kulturhaus Schwanen fliegen zu lassen, oder?

Die Antwort ist eine kulturelle Sensation: „Nö“, sagt Hacker bärenruhig, „eigentlich nicht.“ In diese Sinne: Die Kultur erhebt ihr glorioses Haupt – wir freuen uns auf ...

  • Luis Zirkelbach und Captain Kobro: Zirkelbach versprühte 14 Jahre lang mit der Reggae- und Ska-Kapelle Merry Judge karibische Lebensfreude und kämpferischen Optimismus, seit der Auflösung der Band sucht er nach neuen Gestaden. Zusammen mit dem Schorndorf Newcomer Captain Kobro arbeitet er seit geraumer Zeit an verschiedenen Projekten. Straßenmusik hilft ihnen finanziell durch die aktuelle Krise, bietet aber auch Erfahrungen und Inspirationsstoff. Beide suchen die Balance zwischen Improvisation und Planung. Sie untermalen ihre Lieder mit Gitarren, Bass, Loops, Keyboard, Fußschlagzeug und anderen verrückten Komponenten, die sich finden lassen. Samstag, 20. Juni, 20.30 Uhr.
Luis Zirkelbach
Achtung, dieses Bild soll so künstlerisch grobkörnig sein: Luis Zirkelbach und Captain Kobro spielen am 20. Juni in der Manufaktur. © Luis Zirkelbach
  • Milo Tadic: Der Manufaktur-Vorsitzende legt Americana- und Folk-Platten auf. Freitag, 26. Juni, 20.30 Uhr.
  • Die Gruppe Laer: Matthias Forschner, Frederic Weber und Magnus Sauer arbeiten live mit elektronischen Klangerzeugern und Instrumenten. Am Anfang steht immer ein weißes Blatt, das sich im Laufe der Performance zu einem Musikstück entwickelt. Programmierte Beats und Patterns treffen auf Elemente des Jazz, entspannte Grooves auf treibende House-Rhythmen – mit Saxofon, Moog-Synthesizer, Drum-Maschine und Piano.
  • Danach ist bis Ende Juli jeden Samstag eine weitere Veranstaltung mit Live- oder Konservenmusik.