Schorndorf

Eltern ärgern sich über Platzvergabe

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Kinder Kindergarten Spielen Symbol Symbolbild
Symbolbild. © Pixabay/Design_Miss_C
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Fachbereichsleiter Markus Weiß (stehend) brauchte im Ortschaftsrat Schornbach viele Folien und Worte, um den Ortschaftsräten (am Tisch) und dem überwiegend aus Erzieherinnen und Kindergarteneltern bestehenden Publikum die städtische Kindergartenbedarfsplanung zu erklären.

Schorndorf. „Wir sollten uns“, hat SPD-Stadtrat Tim Schopf im Rahmen der Vorberatung der Kindergartenbedarfsplanung im Verwaltungs- und Sozialausschuss gesagt, „bei der Platzvergabe die Frage stellen, ob wir nicht das Thema Wohnort wieder stärker in den Fokus nehmen.“ Eine fast dreistündige Diskussion im Ortschaftsrat Schornbach, an der sich auch rund 25 Mütter und Väter engagiert beteiligt haben, gibt Schopf in vollem Umfang recht.

Weil nicht mehr alle Schornbacher Kinder, die gerne in einen der beiden Schornbacher Kindergärten „Helle Eiche“ und „Ellenberg“ gehen würden, dort auch einen Platz finden und deshalb auf andere Kindergärten in der Stadt verwiesen werden – im Einzelfall soll sogar schon einmal ein Platz im Schlichtener Kindergarten angeboten worden sein –, gehen die Eltern auf die Barrikaden. Und weil das so ist, wurde die Sitzung des Ortschaftsrats aus Platzgründen vorsorglich gleich mal ins Feuerwehrgerätehaus verlegt.

Und dort hatte der Leiter des Fachbereichs „Kindertagesstätten“, Markus Weiß, alles andere als einen leichten Stand, weil die Eltern partout nicht einsehen und akzeptieren wollten, dass es keine Möglichkeit geben soll, zumindest alle die Schornbacher Kinder im Ort mit Plätzen zu versorgen, deren Eltern nicht auf Betreuungsformen angewiesen sind, die es nun mal nicht in jedem Stadtteil gibt. Eingravierendes Argument für den Besuch eines Schornbacher Kindergartens ist für Eltern, Erzieherinnen und Schule gleichermaßen die enge Bildungspartnerschaft zwischen Schule und Kindergärten, die auch aus Sinn von Stadt- und Ortschaftsrat Hermann Beutel nur Sinn macht, wenn sie möglichst allen Kindern, die nachher auch die Sommerrainschule besuchen, zugute kommt.

Auch die zentrale Platzvergabe durch die Stadt sei an die Forderung gekoppelt, dass die örtliche Nähe zum Kindergarten vorrangig berücksichtigt werde, sagte Beutel, der aber auch deutlich machte, dass es aus seiner Sicht zum Anmeldeverfahren „Little Bird“ keine Alternative gibt.

„Hier geht es nicht um Recht, sondern um Kommunalpolitik“

Wenn es in einem Ort wie Schornbach 50 Kindergartenplätze und 51 Anmeldungen gebe, dann müsse halt ein Kind auswärts betreut werden, hatte Markus Weiß eingangs gesagt und Eltern und Ortschaftsräte vor allem damit erzürnt, dass das auch dann gelte, wenn ein paar der Schornbacher Kindergartenplätze durch Kinder aus der Kernstadt oder anderen Stadtteilen belegt seien. Alle Schorndorfer Kinder seien gleich zu behandeln, und es sei rechtlich nicht haltbar, auswärtige Kinder – erst recht nicht nachträglich – abzulehnen, um auch noch das letzte Schornbacher Kind unterzubringen.

Anders, so Weiß, könnte auch das Wunsch- und Wahlrecht, das es auch Schornbacher Eltern ermögliche, ihre Kinder in anderen Schorndorfer Kindergärten unterzubringen, gar nicht funktionieren. „Die Gemarkung Schorndorf ist mir egal, ich bin Schornbächer, und die Rechtsgrundlage ist mir auch egal, hier geht es um Kommunalpolitik“, empörte sich ein Vater. Eine Aussage, die Ortsvorsteher Markus Hoppe später insofern relativierte, als er an die Adresse von Markus Weiß feststellte, niemand verlange von ihm, das Recht zu umgehen, sondern nur, dass bei der Stadt überlegt werde, wie mit dem Recht sinnvoll umgegangen werde.

„Versuchen wir wirklich alles, um die dörflichen Strukturen zu erhalten?“, fragte Hoppe und gab zu bedenken, dass in einem Stadtteil wie Schornbach nicht so zentralistisch gedacht werde wie in der Stadt. Und was statistisch und mathematisch optimiert erscheine, stelle sich in der Realität oft viel komplexer dar.

„Alles war gut, bis die Stadt die zentrale Vergabe übernommen hat“

Ganz grundsätzlich haben die Schornbacher Eltern den Eindruck, dass alles viel schlechter geworden ist, seit die Stadt die Platzvergabe auch für die Kindergärten kirchlicher und freier Kindergartenträger übernommen hat. Was, wie mehrere Mütter und Väter an Einzelbeispielen zu belegen versuchten, zum einen an der fehlenden Flexibilität von „Little Bird“ und zum anderen an der mangelnden Kommunikation zwischen zentraler Vergabestelle und den Einrichtungen vor Ort liege.

„Alles war gut, bis die Stadt die zentrale Vergabe übernommen hat“, sagte beispielsweise Ortschaftsrat Uwe Krauß, der die Leitung des Kindergartens „Helle Eiche“ ausdrücklich dafür lobte, dass sie sich flexibel gezeigt und der Stadt den Vorschlag gemacht hat die seitherigen U 3- und Ü 3-Gruppen in altersgemischte Gruppen umgewandelt werden. Was bedeutet, dass für jeden nicht belegten U 3-Platz zwei Ü 3-Plätze frei werden.

Wobei Markus Weiß aber unmissverständlich deutlich machte, dass im Zweifel und bei entsprechender Nachfrage die Belegung der Plätze mit unter Dreijährigen Vorrang hat, weil, wiederum auf die ganze Stadt bezogen, ein erheblicher Mangel an U 3-Plätzen herrsche, während es bei über Dreijährigen diese Defizite nur punktuell wie zum Beispiel jetzt in Schornbach gebe. Und wenn das so sei, dann werde in aller Regel darauf geachtet, dass die Kinder zumindest wohnortnah – was im Schornbacher Fall Buhlbronn oder Nordstadt heißen würde – untergebracht werden. „Die fußläufige Direkt-vor-der-Tür-Versorgung wird es künftig nicht mehr für alles und in jedem Fall geben“, sagte der Fachbereichsleiter.

„Sie haben Ihr Kind zu bringen und wieder abzuholen“

Apropos fußläufig: Für Uwe Krauß ist der Kindergartenbesuch im eigenen Wohnort auch deshalb eine gute Sache, weil die Kinder alleine in den Kindergarten gehen können und weil das eine gute Übung für den späteren Weg zur Schule ist.

Umso erstaunter war Uwe Krauß – und nicht nur er, sondern ganz offensichtlich auch die im Feuerwehrgerätehaus anwesenden Erzieherinnen – als er von Markus Weiß zu hören bekam, dass es aus versicherungstechnischen Gründen eigentlich gar nicht mehr zulässig ist, dass Kinder allein in den Kindergarten und wieder heimgehen. „Sie haben Ihr Kind zu bringen und wieder abzuholen“, erläuterte Weiß die Rechtslage – und verkniff sich den Hinweis, dass dieses Bringen und Holen ja nicht zwingend mit dem Auto erfolgen muss.

Ein Punktesystem soll künftig die Platzvergabe erleichtern

Mit Interesse zur Kenntnis genommen wurde von den Bürgern und den Ortschaftsräten, die nach dreistündiger Diskussion die Vorlage zur Kinderbedarfsplanung im Übrigen anstandslos durchgewunken haben, die Information von Markus Weiß, dass die Vergabe von Kindergartenplätzen zukünftig an ein Punktesystem gekoppelt werden soll. Grundvoraussetzungen für eine Aufnahme in einer Schorndorfer Einrichtung sollen sein, dass die Anmeldung über Little Bird erfolgt (ist) und dass es sich um Schorndorfer Kinder handelt, weil die Vorrang haben sollen.

Weitere Kriterien sollen unter anderem sein: der Familienstand, wobei es da vor allem um Alleinerziehende geht, die bei der Platzvergabe ebenfalls bevorzugt werden sollen, der Umfang der Berufstätigkeit und Geschwisterkinder, die ebenfalls einen Kindergarten besuchen. Dazu könnten Sonderfaktoren wie ein Pflegefall in der Familie und die Arbeitsaufnahme aufgrund einer veränderten Familiensituation kommen.

Genaueres vermochte der Fachbereichsleiter auch auf Nachfrage noch nicht zu sagen, weil dieses Punktesystem noch mit den anderen Trägern abgestimmt werden müsse. Erst dann könne abschließend der Gemeinderat darüber befinden.


Beschlussempfehlung für den Gemeinderat

Bei der Stadt soll eine zweite Fachberatungsstelle mit einem Umfang von 50 Prozent eingerichtet werden.

Eine U-3-Gruppe im Kindergarten „Geißhecken“ in Oberberken soll wegen des Defizits an Ü-3-Plätzen zum 1. Mai 2019 in eine altersgemischte Gruppe umgewandelt werden.

Das Betreuungsangebot aller Gruppen im Kindergarten „Am Wasserturm“ in Oberberken soll zum 1. September 2019 auf 35 Wochenstunden erhöht werden.

Der Pauluskindergarten wird eine Ü-3-Gruppe in zwei Schritten in eine U-3-Gruppe umwandeln. Zunächst wird die Gruppe zum 1. September dieses Jahres in eine altersgemischte Gruppe umgewandelt, ein Jahr später folgt dann die Umwandlung in eine U-3-Gruppe.

Die U-3- und Ü-3-Gruppen im Kindergarten „Helle Eiche“ in Schornbach werden zum 1. September 2019 in zwei altersgemischte Gruppen umgewandelt.
In der Kindertagesstätte „Arche“ in Miedelsbach wird das Betreuungsangebot im U-3-Bereich zum 1. September 2019 auf 38 Wochenstunden erweitert.

Die Gruppe im Kindergarten „Hammerschlag“ wird zum kommenden Kindergartenjahr in eine altersgemischte Gruppe umgewandelt – mit dem Vorteil, dass es dann ein Betreuungsangebot bis zum Schuleintritt gibt.

Im Kinderhaus „Am Schloss“ werden vom 1. September an die Randzeiten um zwei Stunden erhöht und somit wird eine Betreuungszeit von 50 Stunden für alle Gruppen angeboten.
Im Bewegungskindergarten „Purzelbaum“ im Sportpark Rems, der jetzt erst zum 1. September 2019 eröffnet werden soll, werden im Kindergartenjahr 2019/20 zusätzliche 50-Stunden-Betreuungsplätze angeboten, um entsprechend betreuten Kindern den Übergang vom Kinderhaus „Sonnenbogen“ zu erleichtern. Im darauffolgenden Kindergartenjahr soll dann generell eine maximale Betreuungszeit von 40 Stunden gelten.

Bei den Schurwaldwichteln in Schlichten soll vom 1. September 2019 an ein wöchentlicher Bewegungstag eingeführt werden.