Schorndorf

Ende der Corona-Isolationspflicht: Was Schorndorfer Ärzte dazu sagen

Quarantäne
Die Aufhebung der Absonderungspflicht aus infektiologischer Sicht finden viele vertretbar. © Gabriel Habermann

Zum Stand der Isolationspflicht: Wer einen positiven Corona-Test hat, muss seit Mittwoch in vier Bundesländern nicht mehr fünf Tage zu Hause bleiben, sondern kann das Haus verlassen und auch zur Arbeit oder zur Schule gehen. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein haben sich darauf verständigt, die bisherige Maßnahme für Infizierte abzuschaffen.

Die Argumente dafür erstrecken sich über Aussagen wie „viele Menschen sind geimpft oder hatten Corona, die Basisimmunität in der Bevölkerung sei hoch, die aktuelle Omikron-Variante verursache in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe“, oder „die aktuellen eher kurzen Wellen im Sommer und in diesem Herbst weisen auf den Übergang in eine endemische Phase hin“, oder „die meisten EU-Staaten verzichten mittlerweile auf Isolationspflichten für Corona-Infizierte“.

Anstelle der generellen Isolationspflicht für positiv getestete Personen soll gelten: Außerhalb ihrer Wohnung muss eine Maske getragen werden – außer im Freien, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Außerdem dürfen positiv Getestete medizinische und pflegerische Einrichtungen nicht betreten – weder als Besucher noch als Personal.

Kritik des Gesundheitsministers

Die meisten Virologen und die Bundesärztekammer halten ein Ende der Isolationspflicht ebenso für vertretbar, während Gesundheitsminister Karl Lauterbach das Vorhaben als Fehler kritisiert. Der Arbeitsplatz müsse sicher bleiben. Es müsse zudem verhindert werden, dass Menschen infiziert zur Arbeit gedrängt werden. Und: Es drohe ein „Flickenteppich“ mit verschiedenen Isolationsregeln in den Bundesländern.

Doch was halten die niedergelassenen Ärzte in Schorndorf von dieser aufgehobenen Maßnahme? Was sagen Klinikärzte? Wie stehen Heilpraktiker dazu?

Auf Eigenverantwortung der Bürger setzen

Eine ganz klare Meinung dazu äußert der Schorndorfer Orthopäde Dr. Matthias Müller-Eißfeldt: „Ein Ende der Isolationspflicht im Falle einer Corona-Infektion macht meines Erachtens Sinn, da wir aktuell eine unbekannte, aber sehr hoch eingeschätzte Zahl an asymptomatischen Infektionen bei Personen, welche sich frei in der Öffentlichkeit bewegen, sehen.“

Daher sei es sowohl für die Einzelperson, welche von einer Infektion betroffen ist als insbesondere auch für die Industrie und Arbeitgeber nicht nachvollziehbar und sinnhaft, auf eine permanente Anzahl an positiv getesteten, nahezu asymptomatische Personen zu verzichten. „Insbesondere in unserem Bereich des Gesundheitswesens stehen wir immer wieder kurz vor dem Zusammenbruch, da eine erhebliche Anzahl Mitarbeiter zwar keinerlei Symptome aufweist, aber aufgrund der Isolationspflicht bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses zu Hause verbleiben müssen“, so der Arzt.

Aktuell sei man bei den vorliegenden Virusvarianten nach Einschätzung von Müller-Eißfeldt in der Situation, dass man es „von öffentlicher Hand verantworten kann, auf die Eigenverantwortung der Bürger zu setzen und im Falle einer vorliegenden Infektion den Schutz der Umgebung durch das Tragen einer FFP2-Maske zu gewährleisten“. Wenn die Isolationspflicht fällt, wer testet sich dann noch? „Schnelltests machen meines Erachtens nur noch dann Sinn, falls Symptome, die auf eine Corona-Infektion hinweisen, vorliegen. Regelmäßige Schnelltest erscheinen in der aktuellen Situation nicht mehr sinnvoll zu sein“, so Dr. Matthias Müller-Eißfeldt.

Schnelltests bleiben sinnvoll, sagt hingegen Dr. Angela Rothermel, Leitende Oberärztin der Notaufnahme der Rems-Murr-Klinik Schorndorf. Tests bei Symptomen oder bei Ereignissen, bei denen viele Menschen oder Risikogruppen zusammentreffen, würden den allgemeinen Infektionsdruck reduzieren. „Ein Schnelltest vor der Weihnachtsfeier bei der Arbeit oder im Familienkreis vermindert die Ansteckungsgefahr, da ein positiver Überraschungstest die Möglichkeit eröffnet, sich abzusondern und nicht an der Feier teilzunehmen. Hier kommt dann wieder das Thema Eigenverantwortung ins Spiel.“ Macht das Ende der Isolationspflicht Sinn? „Es gibt Erfahrungen aus den Nachbarländern, die bereits die Absonderungspflichten ausgesetzt haben. Hier scheint es zu keinem besorgniserregenden Anstieg der Infektionszahlen gekommen zu sein“, heißt es aus dem Schorndorfer Krankenhaus. Dort sei die Anzahl der positiv getesteten Patienten in der Interdisziplinären Notaufnahme zurückgegangen. Die meisten der positiv getesteten Patienten seien nicht symptomatisch für Covid. Schwere Verläufe gebe es, sind jedoch mittlerweile selten.

Genügend Impfmöglichkeiten, ausreichend Schutzmaterialien

Dr. Angela Rothermel: „Die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen ist grundsätzlich wichtig. Bei der aktuellen Infektionslage und der derzeitigen Variante ist es durchaus eine Option, die Eigenverantwortung stärker in den Fokus zu rücken. Die Oberärztin hat in den vergangenen zwei Jahren viele Corona-Schicksale erlebt. Die jetzige Situation sei anders als zu Pandemie-Beginn: Derzeit handle es sich um eine ungefährlichere Variante als zu Beginn der Pandemie. Es gibt genügend Impfmöglichkeiten und durchgemachte Infektionen und für Risikopatienten stehen Behandlungsoptionen zur Verfügung. Außerdem stehen nach wie vor Testmöglichkeiten (Antigen-Schnelltest, PCR-Test) zur Verfügung und flächendeckend gibt es keinen Mangel an Schutzmaterialien. „Sollte sich an der allgemeinen Infektionslage etwas ändern und der Infektionsdruck in der Bevölkerung zum Beispiel durch eine neue Virusvariante steigen, müssen natürlich wieder entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.“

Mit der Entscheidung zufrieden zeigt sich der Schorndorfer Kinderarzt Dr. Ralf Brügel: „Wie immer die Regelungen nun auch sind: Ich plädiere für die Rückkehr zu mehr Eigenverantwortung. Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben, wer sich gut fühlt, geht zur Arbeit. Meiner Wahrnehmung nach ist es ohnehin schon gelebte Praxis – bei uns werden jedenfalls kaum noch PCR-Tests nachgefragt.“

Räume weiter lüften

Heilpraktikerin Martina Aichholz, die ihre Praxis am Schorndorfer Marktplatz betreibt, sieht ein erhöhtes Risiko, sich selbst anzustecken, sollten Patienten mit einer Corona-Infektion in die Praxis kommen.

„Ich würde ja unter Umständen länger ausfallen, wenn ich mich anstecken sollte. Das würde für meine Patienten, die in fortlaufenden Therapien sind, bedeuten, dass ich sie nicht mehr behandeln kann.“ Um das Ansteckungsrisiko für ihre Patienten so gering wie möglich zu halten, wird Martina Aichholz wieder darauf bedacht sein, dass sich nicht mehr als eine Person im Wartezimmer aufhalten darf und sie ausreichend Zeit zwischen den Behandlungen einplanen muss, um die Räume zu lüften.

„Das verlängert allerdings die Wartezeiten für Termine und meinen Arbeitstag.“ Auf der anderen Seite weiß die Heilpraktikerin auch, dass dieser Schritt im Umgang mit Corona irgendwann fällig ist: „Ich vertraue darauf, dass die Leute mit Symptomen sich testen und nach wie vor vorsichtig sind und dann doch zu Hause bleiben.“

Zum Stand der Isolationspflicht: Wer einen positiven Corona-Test hat, muss seit Mittwoch in vier Bundesländern nicht mehr fünf Tage zu Hause bleiben, sondern kann das Haus verlassen und auch zur Arbeit oder zur Schule gehen. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein haben sich darauf verständigt, die bisherige Maßnahme für Infizierte abzuschaffen.

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Die Argumente dafür erstrecken sich über Aussagen wie „viele Menschen sind geimpft oder hatten Corona, die

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