Schorndorf

Ende der Luca-App: Was das für Restaurantbesucher in Schorndorf bedeutet

Luca App
Nach dem Aus der Luca-App bleiben noch zwei Softwares übrig - oder gibt es in Zukunft wieder Papierberge? © Alexandra Palmizi

Papierlos Kontakte nachverfolgen: Lange Zeit war die Luca-App das Maß aller Dinge. Ob in der Gastronomie oder bei Veranstaltungen - fast alle nutzen die Software, an der unter anderem der bekannte Rapper Smudo („Fanta 4“) beteiligt ist. Auch die Wirte aus Schorndorf nutzen die Luca-App. Doch damit ist nun Schluss. Das Land Baden-Württemberg will in Zukunft nicht mehr auf die Software zur Kontaktnachverfolgung zurückgreifen. „Wir werden aus der Luca-App aussteigen“, teilte Gesundheitsminister Manne Lucha vergangene Woche mit. Der Vertrag laufe Ende März dieses Jahres aus und werde nicht verlängert.

App in der Kritik: Datenlücken und geringe Nutzung durch die Ämter

Zuletzt sahen sich die App und Entwickler „culture4life“ starker Kritik ausgesetzt. Vor allem das Konzept der zentralen Datenspeicherung wurde kritisiert. So hatte etwa die Polizei in Mainz bei Ermittlungen auf Daten aus der App zurückgegriffen, obwohl es dafür keine Rechtsgrundlage gab. Doch nicht nur das: Auch der Nutzen der App wurde infrage gestellt. So bemängelte etwa der Chaos-Computer-Club, dass „so gut wie kein Gesundheitsamt in Deutschland die Luca-App nutzt“. Bundesländer wie Schleswig-Holstein kündigten deshalb bereits Mitte Januar den Vertrag mit dem Software-Betreiber, Baden-Württemberg zieht nun nach.

Wie wenig die App in den Ämtern genutzt wird, bestätigt auf Nachfrage auch das Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises. „Die Luca-App hat schon länger an Bedeutung verloren“, sagt Pressesprecherin Martina Keck. Hintergrund: ein Strategie-Wechsel bei der Kontaktnachverfolgung im November vergangenen Jahres. Seitdem werden Infizierte und ihre Kontaktpersonen nicht mehr routinemäßig vom Gesundheitsamt informiert. „Nur noch bei größeren Ausbrüchen bei vulnerablen Gruppen nutzen wir die Kontaktnachverfolgung“, erklärt Keck. Wie oft kam dabei die Luca-App zum Einsatz? „Nur viermal wurden Kontakte über diese App nachverfolgt.“ Für Ämter ist das Ende der Luca-App also kein großes Problem.

Doch was sagen die Schorndorfer Gastronomen? Das Ende der Software bedeutet schließlich nicht gleich das Ende der Kontaktnachverfolgung. In Zukunft muss dies eben ohne die App gelingen. „Ja, wir nutzen die Luca-App“, sagt Bianca Burkhardt vom Restaurant „Pfauen“. Die Nutzung sei durch die schlechte Verbindung in den Räumlichkeiten aber immer sehr schwierig gewesen. „Dadurch braucht es meistens länger, bis sich die Gäste registrieren. Das ist zeitaufwendig und nervig. Wir hatten mal einen eigenen QR-Code mit eigener Website, über die man sich anmelden konnte - das haben wir aber wieder verworfen.“

Es braucht eine Alternative - kommt die Corona-Warn-App ins Spiel?

Da manche Gäste kein Smartphone besitzen, mussten die Kontaktdaten über die ausliegenden Zettel aufgenommen werden. „Bei uns kommt eh fast nie ein Gast, der nicht reserviert hat. Wir haben die Kontaktdaten also sowieso“, erklärt Burkhardt. Obwohl die Luca-App noch eine Übergangszeit bis Ende März hat, wolle man diese nur noch ein bis zwei Wochen nutzen. „Danach halten wir die Kontaktdaten erst mal schriftlich fest, bis es eine neue Lösung gibt.“ Das könne auch die Corona-Warn-App sein, so Bianca Burkhardt.

Auch das Gasthaus „Zum Lamm“ in Schornbach ist vom Aus der Software betroffen. „Bisher nutzen wir die Luca-App. Da die Kontaktverfolgung aber immer noch Pflicht ist, brauchen wir Alternativen“, sagt Inhaber Peter Wahl. „Nur auf Papier wäre das sehr aufwendig.“ Solange es noch die Übergangsfrist gebe, „kann man sich bei uns natürlich auch noch über die Luca-App einloggen. Viele Gäste nutzen diese automatisch und haben das Handy schon griffbereit.“ Sein Gasthaus wolle in Zukunft die Corona-Warn-App nutzen. Über die anstehende Umstellung macht er sich keine Sorgen. „Die Medien werden sicher ausführlich darüber berichten, dass ab sofort die Warn-App genutzt werden soll. Ich sehe da kein Problem.“ Auch Zettel würden nach wie vor im Gasthaus bereitliegen.

Geht es nach dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, könnte das lästige Software- und Papierchaos direkt beendet werden. „Dehoga fordert das Ende der Kontaktnachverfolgung“, sagt Pressesprecher Daniel Ohl. „Wenn die Daten gar nicht mehr sinnvoll zur Pandemiebekämpfung eingesetzt werden, ist das ein Unding, dass Wirte das weiter erfassen müssen.“ Der hohe Aufwand sei angesichts des geringen Nutzens nicht vertretbar.

Landesregierung: Restaurants müssen weiterhin die Kontaktdaten erfassen

Das wird in absehbarer Zeit aber nicht passieren. Egal ob Luca-App, Corona-Warn-App oder auf Papier: Die Kontaktnachverfolgung wird vorerst bleiben. Das Land Baden-Württemberg verkündete am vergangenen Donnerstag die neue Corona-Verordnung, die seit 28. Januar gilt. Demnach greift aktuell die Warnstufe I, gleichbedeutend mit leichten Lockerungen. Unabhängig davon müssen Restaurants aber weiterhin die Kontaktdaten ihrer Gäste erfassen - ohne Ausnahmen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für die Gastronomie: Ab sofort gilt nur noch 2G statt 2G-plus. Der aktuelle Schnelltest der Gäste muss nicht mehr kontrolliert werden. Und: Die Sperrstunde von 22.30 bis 6 Uhr fällt weg. Doch wie lange das so bleibt, kann niemand vorhersagen.

Papierlos Kontakte nachverfolgen: Lange Zeit war die Luca-App das Maß aller Dinge. Ob in der Gastronomie oder bei Veranstaltungen - fast alle nutzen die Software, an der unter anderem der bekannte Rapper Smudo („Fanta 4“) beteiligt ist. Auch die Wirte aus Schorndorf nutzen die Luca-App. Doch damit ist nun Schluss. Das Land Baden-Württemberg will in Zukunft nicht mehr auf die Software zur Kontaktnachverfolgung zurückgreifen. „Wir werden aus der Luca-App aussteigen“, teilte Gesundheitsminister

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