Schorndorf

Endlich mal wieder durch die Kneipen ziehen

Kneipe offen
Gastgeber Marius Jentschke am Samstagabend im stilvoll zusammengewürfelten Wohnzimmer-Interieur des „Éclat“. © Gabriel Habermann

„Hoch die Tassen!“ Ein Kalt- oder Heißgetränk konnte man sich in den vergangenen Monaten, als alle Bars, Kneipen und Trinkstuben zwangsgeschlossen wurden, zwar auch zu Hause und in Quarantäne einschenken. Aber das ersetzte natürlich nicht das Vergnügen einer verabredeten oder zufälligen Begegnung mit Freunden und Bekannten im Lieblingslokal.

Gemeinsamer Austausch, Tratsch und Diskussion in der Öffentlichkeit. Leicht angeturnt durch ein paar geistige Getränke. Das hat vielen doch sehr gefehlt. Aber nun ist es – wenn auch mit ein paar Einschränkungen – endlich wieder möglich.

Und vielfältig und lebendig ist sie inzwischen allemal, die Schorndorfer Kneipenszene. Da ist etwa der „Engel“, so etwas wie die plebejisch-reelle Rockerkneipe noch mit dem Retro-Flair eines alten Wirtschäftles. „Am Dienstag haben wir wieder aufgemacht“, berichten Astrid Auwärter und Hans Winkler, die beiden langjährigen Pächter.

Sound vom Zischen des Zapfhahns, von Geschnatter und Gläserklirren

Die urige Kneipe ist an diesem Samstagabend gut besucht. Und da ist er wieder zu hören, dieser lang entbehrte flirrende Sound aus Geschnatter, Gesprächen, Gläserklirren, aufblitzendem Lachen und dem beruhigenden Zischen des Zapfhahns über dezenter Hintergrundmusik. Das alles ist im eigenen Wohnzimmer natürlich so nicht zu haben. Und die Gäste, sie genießen es sichtlich.



Dennoch, so ganz locker und erleichtert fühlen sich Auwärter und Winkler gegenwärtig noch nicht. „Wir haben Angst, sind unsicher, was wir dürfen und was nicht“, beklagen sie die, wie sie finden, „nicht konkreten“ Vorgaben. Beide geben zu, dass sie nicht damit gerechnet hätten, dass die Kneipen „vor September oder Oktober“ wieder geöffnet werden könnten.

„Es ist für uns Neuland“, sagen sie. Zweieinhalb Monate war der „Engel“ geschlossen, der in dieser Zeit Förderungen von Stadt und Staat bekommen hat. „Den Juni hätten wir nicht mehr stemmen können“, sagt Astrid Auwärter und gibt zu: „Wir sind sehr angespannt.“ Und Hans Winkler fügt hinzu: „Wir haben großen Respekt vor einer zweiten Corona-Welle.“ Indes: Ein erstes Live-Konzert ist besorgt zuversichtlich wieder für Ende Oktober geplant. „Ob’s stattfindet, wissen wir nicht.“

„Die Gäste sind lockerer, entspannter, nicht so gestresst“

Seit schon zwei Wochen hat das elegant heimelige Restaurant „Éclat“ in der Konstanzer-Hof-Gasse wieder geöffnet. Schon die gebrochen ironische Einrichtung spricht hier alle Sinne an - und so ist es auch dort, nach einem „wechselhaften“ Neubeginn, wie der junge Patron Marius Jentschke erzählt, kuschlig gut besucht. „Es macht wieder Spaß, die Stammgäste zu treffen“, freut er sich. „Die Leute“, hat er beobachtet, „sind lockerer, entspannter. Sie genießen es sehr, sind nicht so gestresst“. Und tatsächlich will einem bei einem Blick in die seltsam sanft strahlenden Gesichter des Publikums im „Éclat“ scheinen, als ob vielen durch die erzwungene Abstinenz ganz neu zu Bewusstsein gekommen ist, was so ein gemeinsamer Kneipenabend einem doch in geselliger Runde als Lebensgenuss bedeuten kann!

Erst Fußball schauen und dann sitzen bleiben

Sozusagen mit robuster Unbehaustheit im Banne des gegenüberliegenden Bahnhofs glänzt das „Oscar’s“. Dort war’s schon so voll, dass man uns gar nicht mehr reinlassen wollte. Tresenvorstand Dennis Wahl hatte indes ein Einsehen und erklärte, dass viele seiner Gäste früh zum Bundesligaschauen kommen und „danach bleiben sie halt auch sitzen“. Irgendwie muss der neuerliche Bayern-Vorsprung ja ins alkoholische Abklingbecken getaucht werden. Das versteht man schon.

Seit Montag ist auch das „Oscar’s“ wieder offen. „Wir hoffen, dass wir es packen; wenn keine zweite Corona-Welle kommt“, hofft Dennis Wahl und setzt dabei auf sein treues Publikum: „Wir haben viele neue Gäste und zahlreiche Stammgäste, die uns unterstützen.“

Die Tische in der Manu-Kneipe stehen weit auseinander

Weiter geht’s zum „Café de Ville“. Aber Fehlanzeige. Jalousien sind runter. Ein Zettel informiert: „Wegen Regen geschlossen.“ Also zu unserer letzten Station, der Manu-Kneipe, die schon seit drei Wochen wieder geöffnet hat. Dort stehen wenige Tische weit auseinander. Fünf Gäste verteilen sich im weiten Raum. Claudia Breitenbucher macht an diesem Abend Theke und auch sie hat erlebt, „dass die Gäste froh sind, dass sie wieder kommen können“.

Wir füllen die vorgeschriebenen Zettel mit unseren Daten aus. Fotograf Habermann mit Bier, der Schreiber einen Whisky-Soda in der Hand. Vom Tisch zweier schachspielender älterer Herren beugt sich dann einer rüber und fragt nach der Kamera unseres Fotografen. Sofort entspinnt sich ein intensives Gespräch über Auflösungen, Pixel und allerlei technisches Zeugs. Aber genau dazu sind Kneipen ja da!

Der Berichterstatter derweil flüchtete kurz vor Mitternacht und murmelte leise beim Hinausgehen: „Hoch die Tassen!“ Gibt es was Schöneres als den allergewöhnlichsten Alltag - in der Kneipe Ihrer Wahl?

„Hoch die Tassen!“ Ein Kalt- oder Heißgetränk konnte man sich in den vergangenen Monaten, als alle Bars, Kneipen und Trinkstuben zwangsgeschlossen wurden, zwar auch zu Hause und in Quarantäne einschenken. Aber das ersetzte natürlich nicht das Vergnügen einer verabredeten oder zufälligen Begegnung mit Freunden und Bekannten im Lieblingslokal.

Gemeinsamer Austausch, Tratsch und Diskussion in der Öffentlichkeit. Leicht angeturnt durch ein paar geistige Getränke. Das hat vielen doch sehr

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