Schorndorf

"Endlich wieder ein Konzert": So hat das Große Blasorchester Schorndorf begeistert

Blasorchester
Das Große Blasorchester Schorndorf in großer Spiellaune mit seinem Dirigenten Mathias Mundl. © Benjamin Büttner

Das mussten Musiker und Publikum allzu lange missen: einen Live-Auftritt des Großen Blasorchesters Schorndorf (GBO). Nun aber war es endlich so weit, nachdem das Konzert zwei Jahre lang immer wieder verschoben werden musste.

Das Programm war damit immerhin sehr gut geprobt; und so konnte das Orchester unter der konzentriert-souveränen Leitung von Mathias Mundl auch mit fein herausgearbeiteten Nuancen brillieren. Der Dirigent brauchte das nur mehr leicht anzutippen.

Brexit? Nicht für das GBO Schorndorf: Musik kennt keine Grenzen!

Und trotz der Maskenpflicht im Publikum: Die sichtlich angestaute Spielfreude der Bläserkapelle übertrug sich dennoch im begeisternden Funkenschlag auch auf die Hörer. Unter Einhaltung aller Pandemieregeln war die Stadtkirche gut besucht. Und wer trotzdem aus Vorsicht lieber zu Hause bleiben wollte, der konnte das gestreamte Konzert auch aus der Ferne hören und sehen.

Ein schön durchdachtes Programm aus sieben Stücken, knapp über eine Stunde, das die Hörer vor allem in britische Gefilde mit auf die musikalische Reise nahm. Brexit? Nicht für das GBO Schorndorf. Musik kennt keine Grenzen!

Erfreulich viele junge Gesichter

Kurz und kräftig das „Little Opening“ des deutschen Komponisten Thiemo Kraas. Mit hymnischem Schwung und vollem Sound, dabei hochdifferenziert das Blasorchester, in dem erfreulich viele junge Gesichter zu entdecken waren.

Dann aber mit der „English Folk Song Suite“ von Ralph Vaughan Williams in die Region Somerset mit verführerischer Landschaftsstimmung. Das beginnt mit einem Marsch, der hier aber eher an einen Tanz auf einem bäuerlichen Fest erinnert und so gar nicht zum Marschieren einlädt. Die Musik eher getragen von sanfter Zärtlichkeit als von kriegerischer Martialität.

Mit „By Loch and Mountain“, also „An See und Berg“, entführte das Orchester, geleitet von einem Tenor-Horn-Solo von Christian Schmid, sehr sanft vom Orchester umschmeichelt, in die nebelverhangenen schottischen Highlands. Ein sehr, sehr schönes, ton-gemaltes Landschaftsbild, in dem aber auch ein rauer, druckvoll wilder Song seinen brausenden Platz fand.

Das Orchester bravourös zwischen sattem Sound und tastendem Tänzeln

Von Schottland nach Irland ist’s für Whisky-Kenner nur ein Sprung - oder ein Gläschen weiter. Und so wurde besonders mit dem mit flinker Leichtfüßigkeit gespielten „Lord Tullamore“ jegliches Grenzgehabe geradezu lässig ausgehebelt, schon eingangs mit luftigen Paukenschlägen von Oliver Väth. Bewundernswert wiederum das Klangspektrum der gesamten Kapelle, die hier bravourös zwischen sattem Sound und tastendem Tänzeln zu wechseln wusste.

Durchaus dramatisch dann die „Canticles“ von James Curnow, die sich Gesängen der biblischen Tradition widmen und dabei am Ende mit drängender, sozusagen mitreißend-prophetischer Wucht aufbäumen. Wie eine Mahnung: endlich aufzuwachen!

Am Ende zwischen Kitsch und Rock: Triumph und Tusch auf „J.C. Superstar“

Dass der US-Amerikaner Rossano Galante viele Filmmusiken komponiert, hört man auch seinem vom GBO gespielten „Cry of the last Unicorn“ an. Die Jagd auf das letzte Einhorn als großer Fantasy-Zauber für große Hollywood-Kino-Kapellen. Und hey, das Blasorchester Schorndorf kann das allemal und bezaubert mit diesem musikalischen Klangmärchen bis hin zum bitter-elegischen Trauerausklang: Das Einhorn - es ist erlegt.

Mit hymnischer Lust und höllischem Drive 

Sagen wir es offen: Die 70er Jahre waren ein wenig orientierungslos, und dazu gehörte dann auch so ein leicht durchgeknalltes Erfolgsmusical wie „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber. Und da kannst du nicht weghören, zu eingänglich sind die Melodien zwischen Kitsch und Rock, die irgendwie jeder kennt und die das Blasorchester zum Ende seines Konzerts mit hymnischer Lust und höllischem Drive, ein bisschen augenzwinkernd, zu zelebrieren wusste: Triumph und Tusch auf Jesus als Hippie und Superstar.

"Wir hatten ein Ziel: endlich wieder ein Konzert"

„Das hat uns einen Schub gegeben“, sagte tags darauf ein glücklicher Harald Väth, der Präsident des Musikvereins Stadtkapelle Schorndorf. „Wir hatten ein Ziel: endlich wieder ein Konzert“, sagte er, und das hat nun endlich stattgefunden. Rückblickend ist er froh, dass „bei uns niemand auf der Strecke geblieben ist“. Das heißt, alle Musikerinnen und Musiker sind noch dabei, vom Jüngsten bis zum Ältesten.

Nun freut sich Harald Väth auf das nächste Konzert am Heiligen Abend um 17 Uhr auf dem Schorndorfer Marktplatz. Nach einer kleinen Andacht wird das Blasorchester zu traditionellen Weihnachtsliedern begleiten. Für ihn ist das eine persönliche Herzensangelegenheit.

Das mussten Musiker und Publikum allzu lange missen: einen Live-Auftritt des Großen Blasorchesters Schorndorf (GBO). Nun aber war es endlich so weit, nachdem das Konzert zwei Jahre lang immer wieder verschoben werden musste.

{element}

Das Programm war damit immerhin sehr gut geprobt; und so konnte das Orchester unter der konzentriert-souveränen Leitung von Mathias Mundl auch mit fein herausgearbeiteten Nuancen brillieren. Der Dirigent brauchte das nur mehr leicht

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper