Schorndorf

Erdmann geht weg, H&M kommt

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Veränderungsdruck in der Weststadt: In der unteren Gottlieb-Daimler-Straße wird einerseits ein Nachmieter für die derzeit noch vom Schuhaus Peyerl und andererseits nach einer Wohnbau- und Parkraumlösung für die Gebäude 39 und 41 (ehemals Spielwaren Schnabel) gesucht. © Büttner / ZVW
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Schorndorfer Innenstadt. © Grafik: ZVW

Schorndorf. „Von der Quantität her hatten wir schon mehr“, sagt Gabriele Koch, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, mit Blick darauf, was sich in der Stadt gerade so tut an Eigentümer- und Pächterwechseln sowie an Nutzungsänderungen. Was sich aus Gabriele Kochs Sicht geändert hat, ist die Geschwindigkeit des Kommens und Gehens. Was, wenn man’s positiv sehen will, aber auch bedeutet, dass sich Leerstände relativ schnell wieder füllen.

Machen wir also einen virtuellen Innenstadtrundgang mit der Fachbereichsleiterin und beginnen wir im unteren Abschnitt der Daimlerstraße, wo sich gleich nebeneinander zwei Problematiken auftun. Da ist zum einen der Gebäudekomplex Daimlerstraße 39 und 41 (ehemals Spielwaren Schnabel), wo ein Bauträger Interesse hat, ein Wohnbauprojekt zu realisieren, was sich aber wegen der Stellplatzfrage schwierig gestaltet. Und da ist zum andern das Ensemble Daimlerstraße 35 und 37, in dem Schuh Peyerl zum Jahresende nach 25 Jahren aufhört, so dass 160 Quadratmeter Laden-Fläche zur Neuvermietung stehen. „Da würde man sich vielleicht leichter tun, wenn schon klar wäre, was mit dem Güterbahnhof passiert“, sagt Gabriele Koch, die mit Blick auf die Weststadt hofft, dass in beiden Fällen gute Lösungen gefunden werden. Was in der Daimler-Straße noch passiert: Im Erdgeschossbereich des von der Familie Reiff sanierten ehemaligen Strähle-Hauses wird als Ableger des Restaurants „Domenico“ (Künkelinstraße 6) ein Bistro ohne Abendbetrieb eröffnet, in der Daimlerstraße 14 (ehemals Brennenstuhl) werden in Zukunft italienische Feinkost plus Tagesessen angeboten, und auf dem Absprung ist die nur noch sporadisch geöffnete Bäckereifiliale Mildenberger, ohne dass es da schon einen Nachmieter gibt.

Das Gebäude Neue Straße 5 wird aufwendig saniert

Werfen wir gemeinsam einen Blick in die Neue Straße. Dort hat im ehemaligen Friseurgeschäft Höfer (Neue Straße 6) ein Barbershop eröffnet. „Das ist anscheinend ein Trend“, meint Gabriele Koch mit Blick darauf, dass es auch in der Schlichtener Straße schon einen gibt. Das gegenüberliegende Gebäude Neue Straße 5, in dem es seit dem Ende der Metzgerei Blum mehrere sehr kurzzeitige Versuche gegeben hat, etwas Neues zu etablieren – zuletzt scheiterte der Versuch mit einer Boutique -, wird jetzt erst einmal saniert. Der Technische Ausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung einer Modernisierungsvereinbarung zugestimmt, in der, ausgehend von anerkennungsfähigen Sanierungskosten von 539 000 Euro, dem Eigentümer ein Zuschuss aus dem Weststadt-Sanierungstopf in Höhe von rund 121 000 Euro in Aussicht gestellt wird. Nach der überfälligen Sanierung des Gebäudes können eine Ladeneinheit mit 125 Quadratmetern, zwei Vierzimmer-Wohnungen mit 83 und 85 Quadratmetern und eine Zweizimmer-Wohnung mit circa 40 Quadratmetern vermietet werden. In der Neue Straße 12 (ehemals Bäckerei Wagner) wird eine Wellness-Oase in Form einer Salzgrotte eingerichtet, als Leerstände auf ihrer Liste hat Gabriele Koch derzeit den derzeit die Neue Straße 13 und – kleiner Abstecher – die Kirchgasse 22. Im Daimler-Carré hat sich insofern etwas getan, als die Wohninvest GmbH das Gebäude an der Stadtmauer gekauft hat. Verkäufer der Immobilie war die Futura Vermögensverwaltung in Leipzig. Der Gebäudekomplex hat eine Fläche von circa 3800 Quadratmetern und verfügt über 85 Tiefgaragen-Stellplätze. Mieter der Immobilie sind mehrere Einzelhändler, das Hotel „An der Stadtmauer“ sowie 30 Wohnungsmieter.

Noch eine Optiker-Filiale – „weil wir die ja so dringend brauchen“

Blicken wir gen Osten und da zunächst in die Johann-Philipp-Palm-Straße, wo sich in den Räumen des seitherigen Modegeschäfts Taifun eine Filiale von Apollo Optik ansiedelt, was der Fachbereichsleiterin den ironischen Kommentar entlockt, „dass wir das ja so dringend brauchen“. Und vorläufig leer steht in der Palm-Straße 45 der kleine Laden neben der Post, was für Gabriele Koch nicht so erstaunlich ist, weil es sich dabei um eine schon so weit außerhalb des Zentrums liegende Lage handelt, dass sie für Filialisten schon wieder uninteressant ist. Stärker schmerzt’s die Fachbereichsleiterin, dass die Ladenfläche Oberer Marktplatz 9 (ehemals Campino) seit langem leersteht. Wie sie sich überhaupt die Belebung des Oberen Marktplatzes etwa durch ein kleines Café wünschen würde. Interessantes tut sich zwischen diesen beiden Leerständen, weil es mittlerweile ein offenes Geheimnis ist, dass zum kommenden Frühjahr die Familie Erdmann (Parfümerie-Drogerie-Fotohaus) ihr Geschäft aufgibt und die Räume im Erdgeschoss komplett neu vermietet werden. Im Gebäude verbleiben soll Peter Erdmann zufolge lediglich das von seiner Tochter Petra Erdmann-Thon geführte Kosmetikinstitut als Dienstleistung, während sich Juniorchef Andreas Erdmann in den Postarkaden in einer kleineren Ladeneinheit ganz aufs Fotogeschäft konzentrieren will. Für die 1-A-Lage des Hauses Erdmann erhofft sich Gabriele Koch in der Nachfolge „etwas, was zum Bummeln passt, also etwas mit Mode oder aus dem Segment Einrichten/Geschenke.

Die lang ersehnte H&M-Filiale kommt

Gespannt warten viele Schorndorfer seit mittlerweile fast drei Jahren auf eine Erfolgsmeldung bezüglich einer Nachfolgeregelung für das ehemalige Modehaus Veil in der Schulstraße. Jetzt ist der Knoten sowohl was die Nachbarschaft als auch den Denkmalschutz angeht durchschlagen: die Planung steht und ist genehmigt, die Einspruchsfrist ist abgelaufen, der künftige Nutzer steht fest. Was bedeutet, dass der denkmalgeschützte Gebäudeteil Schulstraße 24 stehenbleibt, während der Gebäudeteil Schulstraße 26 noch in diesem Jahr und möglichst vor Beginn des innerstädtischen Weihnachtsgeschäftes abgebrochen werden soll, und dass Schorndorf in absehbarer Zeit auf rund 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche seine lang ersehnte H&M-Filiale bekommt (ausführlicher Bericht folgt). Dabei hat das Investoren-Ehepaar Stephan und Christine Göttker bereits die nächste Herausforderung vor Augen: Die prominente und für die Stadtentwicklung interessante Ecke Marktplatz/Neue Straße mit dem Gebäude, in dem derzeit noch die Deutsche Bank residiert – die aber ihren Abschied aus Schorndorf bereits angekündigt hat. Und dann sind da ja auch noch die Postarkaden in der Karlstraße, wo bezüglich der Ladenflächen im Erdgeschoss bislang nur amtlich ist, dass noch in diesem Jahr ein Biomarkt eröffnet. Die Vermarktung der kleineren Ladeneinheiten durch die Städtische Wohnbaugesellschaft läuft noch.

Werfen wir noch einen kurzen Blick hinüber zum Breuninger-Areal, wo vor kurzem der Investorenwettbewerb gelaufen ist. Sechs Entwürfe haben’s in die engere Wahl geschafft und werden dem Gemeinderat demnächst in nichtöffentlicher Sitzung präsentiert. Zwischen zwei oder drei Konzepten, vermutet Gabriele Koch, wird dann öffentlich die endgültige Entscheidung fallen. Wobei klar ist, dass der Schwerpunkt auf Wohnen liegen wird. Der Einzelhandelsanteil dürfte sich demnach auf einen großen Lebensmittelmarkt beschränken.

Veränderungen auch in der Gastronomie

Außer dem Bistro, dass im Sanierungsobjekt an der Ecke Schlichtener Straße/Gottlieb-Daimler-Straße eingerichtet wird, laufen derzeit gastronomisch einige weitere Veränderungen.

Das bislang im ehemaligen „Elefanten“ betriebene Asia-Restaurant ist ins seitherige „La Scala“ am Unteren Marktplatz gewechselt. Was aber nicht das Ende der asiatischen Küche im früheren „Elefanten“ bedeutet. Dort laufen nämlich schon die Umbauten für ein neues thailändisches Restaurant. Und asiatisch bleibt’s auch im seitherigen Thai-Garden am Marktplatz 7, den alten Schorndorfern auch noch als Ratsstüble bekannt. Dort hat sich jetzt ein Vietnamese, der 20 Jahre lang als Koch bei der Firma Damm in Haubersbronn gearbeitet hat, den Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Er wirbt unter anderem mit einer „Running Sushi“-Theke um Gäste.

Bleibt das Problem mit der „Becka-Kurze“ in der Hetzelgasse, in der zuletzt der ehemalige „Pfauen“-Koch und Timo Bar-Betreiber (in der Hirschgasse) Timo Stephan nach einem im Mai mangels Masse abgewiesenen Insolvenzantrag ein kurzes, offiziell am 30. September endendes Gastspiel gegeben hat, nachdem er bei der Stadt zuvor mit seinem Vorhaben, in der Neuen Straße 5 neu anzufangen – was dort eine Nutzungsänderung erforderlich gemacht hätte –, abgeblitzt ist. Zuletzt ist Stephan, der auch noch einen Standplatz auf dem Wochenmarkt hat, mehrmals mit seinem Imbisswagen auf dem Güterbahnhofs-Areal gesichtet worden, mittlerweile soll er wieder als Koch in der Gastronomie beschäftigt sein. Gabriele Koch bedauert sehr, dass die Zukunft der ehemaligen Becka-Kurze so ungewiss ist, weil viele Besucher in der Stadt nach einer urig-schwäbischen Gaststätte fragten.