Schorndorf

Erfahrungsaustausch für Väter: Schorndorfer Vätergruppe startet am 20. April

Schorndorfer Vätergruppe
Ralf Brügel will mit Leonhard Fromm am 20. April mit der Schorndorfer Vätergruppe starten. © Gabriel Habermann

„Du glaubst nicht, was gerade bei mir los ist“, so ähnlich fing das Gespräch von Dr. Ralf Brügel mit Gestalttherapeut Leonhard Fromm an. Beide tauschten sich über die Ereignisse aus, die der Kinderarzt in den vergangenen Wochen und Monaten in seiner Praxis erlebt hat und mit denen sich der Gestalttherapeut in seinen Männergruppen auseinandersetzen musste. Es ist beispielsweise von Autoaggression die Rede, von der Ohnmacht eines Vaters, der seiner Tochter nicht helfen kann, von Überforderung in der Familie oder im Job.

Grund genug für die beiden Männer, in Schorndorf ein neues Angebot ins Leben zu rufen, um beratend und helfend zur Seite stehen zu können: Am Mittwoch, 20. April, von 19 bis 21 Uhr bietet das Duo in den Praxisräumen des Kinderarztes (Schillerstraße 63) einen Gesprächskreis zum Erfahrungsaustausch an – „die Schorndorfer Vätergruppe“.

In seiner Praxis erlebe er nahezu täglich, wie Väter oder auch Mütter mit Themen überfordert seien, mit denen sie in der Kindererziehung konfrontiert sind, sagt Brügel. Das reiche vom schreienden oder verschlossenen Kind über Essstörungen und Panikattacken bis zum weiblichen Teenager, der sich ritze.

Pandemie ist wie ein Brennglas und hat alles verschärft

Ganz ähnliche Erfahrungen macht auch Leonhard Fromm, der in Einzeltreffen und in Gruppen mit Männern arbeitet. Der Gestalttherapeut erzählt: „Kürzlich brach ein Mann in Tränen aus, weil seine 15-jährige Tochter einen Suizidversuch unternommen hatte. Er fühlte sich komplett hilflos, schuldig und überfordert.“ Es sind Schicksale, derer sich Ralf Brügel und Leonhard Fromm annehmen wollen.

Brügel fügt hinzu, dass er sich neben seiner Tätigkeit als Kinderarzt gerne auch der Erziehungsberatung widme. „Ich habe drei Kinder, Leonhard zwei – wir werden auch über unsere eigenen Erfahrungen reden“, so der Mediziner. Bei Themen wie „was haben wir von unseren Vätern mitbekommen? Was hätten wir gebraucht und was geben wir unseren Kindern weiter?“ könnten sie sich einbringen. Ist solch ein Gesprächsangebot dringender denn je? „Ja“, sagen die beiden unisono. „Die Pandemie ist wie ein Brennglas und hat alles verschärft“, ergänzt Fromm.

Home-Scooling, Lockdowns und immer wieder Quarantäne hätten bei vielen Kinder und Jugendlichen zu Vereinsamung geführt, Konflikte in der Familie kamen dazu und vielen Jugendlichen raubten Umweltzerstörung und nun der aktuelle Krieg in Europa jegliche Hoffnung. All das führe zu einer massiven Belastung.

15 Jahre sei er nun in der Praxis tätig, sagt Brügel. Krankheiten wie Magersucht, psychische Störungen wie Ritzen oder Ähnliches – all diese Auffälligkeiten hätten sich vervielfacht. Oft wüssten gerade Väter nicht, wie sie mit solchen Situationen ihrer Kinder umgehen sollen und fühlen sich ohnmächtig, rat- und hilflos, so die Beobachtungen von Ralf Brügel und Leonhard Fromm. Eine „Müttergruppe“ sei sicherlich auch sinnvoll und denkbar, aber „da wir zwei Männer sind, haben wir uns entschlossen, diese Väter- beziehungsweise Männergruppe anzubieten“.

Ob sich Männer für die Gruppe anmelden und wenn, wie viele, müsse man abwarten. „Eine Hemmschwelle ist ganz normal“, ermutigt Brügel, der selbst vor etwa anderthalb Jahren eine Gesprächsrunde bei Leonhard Fromm besucht hatte und sich fragte, was das „für ein Vogel ist und was da so erzählt wird“. Zweifel habe er auch gehabt. Aber je mehr er sich darauf eingelassen habe, umso mehr Spaß habe es sogar gemacht.

Zweifel und Sorgen sind willkommen

Wie solche ein Treffen ablaufen wird? Brügel und Fromm wollen den Vätern einen geschützten Raum bieten, in dem ihre Zweifel und Sorgen willkommen sind, sie Unterstützung und Tipps bekommen im Umgang mit ihren Kindern und der Rollenklärung mit ihren Partnerinnen in der Erziehung. Drei Dinge wende Leonhard Fromm meistens an: Er lobe die Männer für ihren Mut, er erkläre die Regeln, denn alles ist freiwillig, und alles ist vertraulich. „Wer einfach nur schweigend dasitzen und nur zuhören möchte, kann das tun. Wer von sich erzählen will oder Fragen stellen möchte, darf auch das tun. Alles, was gesprochen wird, wird nicht nach außen getragen, sondern bleibt im geschützten Raum.“

Ganz sicher werde nicht auf jede Frage eine Antwort gefunden, und sicher verlässt man den Gesprächskreis nicht immer mit einer passenden Lösung für sein Problem – aber Gespräche können helfen, sich auszutauschen, selbst zu reflektieren und zu erkennen, dass man nicht alleine ist, sondern es andere gibt, die ähnliche Sorgen oder Probleme haben. Fromm: „Vielfach wirkt es schon entlastend, wenn man die Erfahrung macht, dass man nicht der Einzige ist, dem nicht alles gelingt.“

„Du glaubst nicht, was gerade bei mir los ist“, so ähnlich fing das Gespräch von Dr. Ralf Brügel mit Gestalttherapeut Leonhard Fromm an. Beide tauschten sich über die Ereignisse aus, die der Kinderarzt in den vergangenen Wochen und Monaten in seiner Praxis erlebt hat und mit denen sich der Gestalttherapeut in seinen Männergruppen auseinandersetzen musste. Es ist beispielsweise von Autoaggression die Rede, von der Ohnmacht eines Vaters, der seiner Tochter nicht helfen kann, von Überforderung

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