Schorndorf

Erinnerung an das Leid der Zwangsarbeiter im Rüstungswerk bei Schorndorfs Partnerstadt Kahla

REIMAHG  bei Kahla
Zwangsarbeiter, die unter Aufsicht an der Bahnverbindung zum Walpersberg arbeiten. Für das Rüstungswerk „REIMAHG“ haben die Nazis ein ehemaliges Stollensystem erweitert und ausgebaut, um den ersten Düsenjäger in Massenproduktion herzustellen. © privat

Damit das vor 76 Jahren, am 13. April 1945, befreite Zwangsarbeiterlager am Walpersberg bei Kahla und das tausendfache, menschliche Leid nicht in Vergessenheit geraten, gibt es in Schorndorfs thüringischer Partnerstadt nicht nur den Förderverein „Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg“ und eine Ausstellung im Kahlaer Stadtmuseum, sondern mittlerweile auch eine Internetseite, die an die Opfer des ehemaligen NS-Rüstungswerkes REIMAHG erinnert. Unter https://remember-online.org/ sind jetzt auch der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Thomas Röder, als Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, mit Beiträgen vertreten – um „in Zeiten, in denen Fremdenhass und Antisemitismus in Deutschland wieder aufflammen“, in Erinnerung zu rufen, „was diese Ideologien anrichten“.

In diesem Zusammenhang erinnert Klopfer auch an die 700 Zwangsarbeiter während der NS-Zeit in Schorndorf  und an die Grabstätten osteuropäischer Zwangsarbeiter, die im Herbst 2020 auf dem Alten Friedhof erneuert wurden. 

Forschung zum Rüstungswerk seit fast 30 Jahren

Mit der Forschung zum ehemaligen Rüstungswerk „REIMAHG“ bei Kahla beschäftigt sich Patrick Brion schon seit dem Jahr 1993. Er hat den Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg mitgegründet – und kann Schorndorfern, die noch wenig von dem Zwangsarbeiterlager am Walpersberg wissen, die leidvolle Geschichte nahebringen: Im April 1944 veranlasste Gauleiter Fritz Sauckel, unterstützt von Hermann Göring, den Bau des unterirdischen Rüstungsbetriebes „REIMAHG“ bei Kahla. Ziel war die Massenproduktion des ersten Düsenjägers, der Messerschmitt Me-262. Ein bereits vorhandenes Stollensystem im Walpersberg wurde dafür erweitert und ausgebaut.

Zum Bau des Werkes wurden mehr als 12.000 Zwangsarbeiter nach Kahla deportiert. Die ersten kamen aus Italien, später wurden auch Zwangsarbeiter aus Polen, Belgien, Holland, Russland, der Ukraine, Slowakei, Lettland und Litauen zur Arbeit gezwungen. Zu Baubeginn, hat Brion herausgefunden, waren die Menschen in provisorischen Lagern untergebracht, die bis Kriegsende nicht fertiggestellt wurden. Dazu kam die Hitlerjugend: Hunderte arbeiteten Seite an Seite mit den Zwangsarbeitern für den Endsieg. Mehr als 200 Firmen waren in den Bau involviert.

Der Umfang des Bauvorhabens war immens: Personelle Logistik, Verpflegung, Baukoordinierung, Stollenausbau, die Lager, Bahnverbindungen, Bau der Montagebunker und eines Flugzeugaufzuges zur Startbahn auf dem Bergrücken des Walpersbergs sollten die reibungslose Produktion der Me-262 garantieren. Der erste Düsenjäger startete am 21. Februar 1945. Mitte April wurde das Werk von den Alliierten besetzt. Im Juli 1945 übernahm die Rote Armee die Anlage und begann die systematische Demontage. Fast 1500 Menschen waren dort durch harte Arbeit und mangelnde medizinische Versorgung gestorben.

Gedenkfeiern traditionell nach dem 8. Mai

Um der Opfer zu gedenken, kommen jedes Jahr Überlebende, ihre Familien, Verwandte und Freunde nach Kahla. Ihre Zahl, berichtet Dieter Stops, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins in Kahla, wird altersbedingt stets weniger. Um das Gedenken weiterzutragen, nehmen Lagerfundstücke, ihre museale Dokumentation und Präsentation einen unverzichtbaren Platz ein. Traditionell finden am Wochenende nach dem 8. Mai Gedenkfeiern rund um den Walpersberg statt. Wegen der Corona-Pandemie konnte diese Erinnerungstradition 2020 und auch in diesem Jahr nicht fortgeführt werden. Stattdessen wurden auf der Webseite „Walpersberg Memorial“ Beiträge aus vielen europäischen Ländern gesammelt.

Aus den Begegnungen entsteht eine neue Städtepartnerschaft

Aus den Begegnungen mit den Angehörigen der Verstorbenen haben sich tiefergehende Kontakte ergeben, aus denen jetzt sogar eine neue Städtepartnerschaft mit Castelnovo ne Monti in der Regione Emilia-Romagna in den Apenninen entsteht: Aus diesem Ort wurden viele Zwangsarbeiter zum Ende des Zweiten Weltkrieges in das unterirdische Rüstungswerk, das zuvor von Peenemünde nach Thüringen verlegt wurde, zwangsdeportiert. Viele starben an den Entbehrungen und der schweren Arbeit im Berg.

Info

Weitere Informationen zum ehemaligen Zwangsarbeiterlager am Walpersberg bei Kahla gibt es im Internet unter: www.walpersberg.de.

Damit das vor 76 Jahren, am 13. April 1945, befreite Zwangsarbeiterlager am Walpersberg bei Kahla und das tausendfache, menschliche Leid nicht in Vergessenheit geraten, gibt es in Schorndorfs thüringischer Partnerstadt nicht nur den Förderverein „Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg“ und eine Ausstellung im Kahlaer Stadtmuseum, sondern mittlerweile auch eine Internetseite, die an die Opfer des ehemaligen NS-Rüstungswerkes REIMAHG erinnert. Unter https://remember-online.org/ sind jetzt auch der

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