Schorndorf

Erinnerungen an die Schorndorfer Waffelfabrik: Südland-Kekse fürs ganze Land

Südland Gewerbepark
Im Hammerschlag erinnert heute noch der Südland-Gewerbepark an die Schorndorfer Gebäckfabrik. © Gabriel Habermann

Aus der vor hundert Jahren von den Brüdern Mössle gegründeten „Conditorenwarenfabrik“ wurde in den 1920er Jahren die „Waffelfabrik Schorndorf“, dann die „Schwäbisch Keks- und Waffelindustrie Gebrüder Mössle“ und schließlich die deutschlandweit bekannte „Südland Gebäckfabrik“: Die Firmengeschichte, die 1921 in der Göppinger Straße begann, endete 1985 im Hammerschlag.

Dazwischen, das hat der für Schorndorfer Stadtgeschichte interessierte Erhard Schaukal herausgefunden, ist aus dem kleinen Betrieb eine deutschlandweit agierende Firma geworden, die sich sogar mal weigerte, zum Billigpreis für Dickmann Schokoküsse herzustellen.

Doch von Anfang an: Im Schorndorfer Café Kemmler hatte Gottlob Mössle eine Konditorenlehre gemacht und später auch den Meister draufgesetzt. Als er mit seinem Bruder Jakob eine „Conditorenwarenfabrik“ gründen wollte, kam das Startkapital von dessen Schwiegervater, der eine Gärtnerei in Reutlingen besaß. Der erste Firmensitz war in den Räumen von Getränke Faber in der Göppinger Straße. Doch bald wurde es dort zu klein und die Conditorenwarenfabrik zog in die Grabenstraße 44 in größere Räume.

1924 vermietete der Kohlenhändler Carl Maier den Brüdern die ehemalige Molkerei mit 120 Quadratmetern. Damals stellten zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schokolade und feine Waffeln her. Bald wurde es aber auch in diesen Räumen zu eng und die Brüder Mössle reichten Ende 1924 einen Antrag für einen Anbau ein.

In der Zwischenzeit hatten sich die Brüder auch ein neues Firmenlogo zugelegt: ein großes M (für Mössle) als Gebirgskamm. Die hergestellten Waren wurden in Kartons verpackt und vor allem an die damals verbreiteten Tante-Emma-Läden und an Bäckereien verkauft. Durch die stetig steigende Nachfrage an „Südland“-Produkten war man erneut an die Produktionsgrenzen gekommen. 1928 wurden die Brüder fündig: Der Stuttgarter Privatier Johann Friedrich Walch vermietete ihnen den östlichen Teil einer Fabrikanlage beim Hammerschlag, wo noch heute der Südland-Gewerbepark an das Unternehmen erinnert.

Durch die Automatisierung des Produktionsverfahrens und Anschaffung von modernen Maschinen konnten nach und nach weitere Produkte angeboten werden, etwa „Möschowa“- oder „Perle-Waffeln“, Waffelbruch oder Eiswaffeln. Mittlerweile exportierte die Schorndorfer „Conditorenwarenfabrik“ sogar an die angrenzenden europäischen Länder.

Umstellung auf Fließbandarbeit und ein eigenes Gaswerk

1929 war der in „Waffelfabrik Schorndorf J. & G. Mössle“ umbenannte Betrieb der größte der Branche in Württemberg. Der Warenumsatz hatte sich in den vergangenen Jahren fast verfünffacht auf 433 000 Reichsmark, nicht zuletzt durch die Umstellung auf Fließbandarbeit. Die Belegschaft war auf 65 Arbeiterinnen und Arbeiter angewachsen. Durch stetige Erweiterungen hatte man jetzt 600 Quadratmeter zur Verfügung. Neu und fortschrittlich war ein betriebseigenes Gaswerk, das aus Kohle Flüssiggas zum Beheizen der Backöfen erzeugte. Von Vorteil war auch der eigene Gleisanschluss auf dem Firmengelände: Dadurch konnte die Ware direkt in der Firma verladen werden, außerdem hatte sich das Unternehmen einen großen eigenen Fuhrpark mit Kraftwagen zugelegt. Damit konnten Kunden in ganz Deutschland beliefert werden.

Aber die Wirtschaftskrise ab 1930 machte auch der Waffelfabrik zu schaffen. Man stellte die Produktion auf einfache und preisgünstige Konsumwaffeln um. 1932 wurde die Herstellung von Keksen und Lebkuchen auf moderne Öfen sowie eine Stahlbandanlage verlagert. Zu Weihnachten 1932 wurde die neue Anlage in Betrieb genommen, sie war die erste vollautomatische Anlage in ganz Deutschland.

Jakob und Gottlob Mössle nahmen 1933 ihren älteren Bruder Fritz als Leiter des Außendienstes und gleichberechtigten Gesellschafter mit in die Firma auf. Die Firma wurde noch einmal umbenannt in: „Schwäbische Keks- und Waffelindustrie Gebrüder Mössle“. 1936 eröffneten die Schorndorfer in verschiedenen Großstädten eigene Ladengeschäfte. In der Fabrik waren nun an die 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt und der Umsatz war auf 670 000 Reichsmark angewachsen. In der Zwischenzeit hatte man sich auch mit „Südland“ einen neuen Markennamen zugelegt.

Im Zweiten Weltkrieg konnten die Schorndorfer durch die Umstellung auf Zwieback für die Soldaten an der Front weiter produzieren. Nach dem Krieg wurde die Firma unter dem Namen „Südland Gebäckfabrik GmbH“ neu ins Handelsregister eingetragen. Jakob Mössle war aus der Firma ausgeschieden. Er starb 1955 und Gottlob Mössles Sohn Alfred stieg in die Firma ein. Das Produktionsprogramm umfasste Kekse, Biskuit und Waffeln. 1951 erhielt die „Südland Gebäckfabrik“ auf der Konditoreifachausstellung in Stuttgart für ihre Erzeugnisse eine Goldmedaille.

Als die Firma Dickmann 1975 einen Betrieb zur Herstellung ihrer Schokoküsse suchte, wurde sie sich mit den Schorndorfern handelseinig. Die Gebrüder Mössle richteten extra eine Halle ein und produzierten bis 1985 Schokoküsse. Als Dickmann den Preis drücken wollte, machten die Schorndorfer nicht mit und stellten mit dem ganzen Betrieb die Produktion ein.

1981 war der Mitbegründer Gottlob Mössle im Alter von 87 Jahren gestorben. Da Alfred Mössle nichts mehr in die Firma investiert hatte, waren die Maschinen veraltet, eine kostendeckende Produktion war nicht mehr möglich. Und so schloss die „Südland Gebäckfabrik“, die sich aus kleinsten Anfängen zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelt hatte, nach 64 Jahren für immer ihre Pforten.

Aus der vor hundert Jahren von den Brüdern Mössle gegründeten „Conditorenwarenfabrik“ wurde in den 1920er Jahren die „Waffelfabrik Schorndorf“, dann die „Schwäbisch Keks- und Waffelindustrie Gebrüder Mössle“ und schließlich die deutschlandweit bekannte „Südland Gebäckfabrik“: Die Firmengeschichte, die 1921 in der Göppinger Straße begann, endete 1985 im Hammerschlag.

Dazwischen, das hat der für Schorndorfer Stadtgeschichte interessierte Erhard Schaukal herausgefunden, ist aus dem

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