Schorndorf

Erneut Demo in Schorndorf: Corona sei eine Lüge und sie wähnen sich in einer Diktatur

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Stephan Bergmann (rechts) – allzeit online auf Sendung – mit seiner Indianertrommel. © Ralph Steinemann Pressefoto

„Ich glaube nicht an diesen Virus, den gab’s nie!“ So verkündete am derzeit zur Corona-Speakers'-Corner mutierten Schorndorfer Oberen Marktplatz Stephan Bergmann. Mit seinen langen Haaren und dem Bart, ums Haupt ein Stirnband zwischen Hippie- und Dornenkrone, dazu barfüßig, erinnerte er ein bisschen an einen Klischee-Jesus. Und ein Heilsversprechen hatte der auf seiner Homepage eine esoterische Muttertrommel-Therapie anbietende junge Mann denn auch parat.

„Ich habe eine Botschaft: Geht in euer Herz!“ Denn von dort komme die Kraft – und zwar zum Widerstand gegen das „Notstandsregime“ und die gegenwärtige „Gesundheitsdiktatur“ angesichts der Corona-Krise, wie es in der bei der Kundgebung verteilten Ausgabe der dubiosen Berliner Wochenzeitung „Demokratischer Widerstand“ drastisch beschworen wurde.

100 Demonstrationsteilnehmer und fast ebenso viele Polizeikräfte

Knapp 100 Teilnehmer und ebenso viele Polizeikräfte gaben am Donnerstagabend die Kulisse zu einer Kundgebung unter dem Titel: „Wir für das Grundgesetz“. Anders als vor knapp drei Wochen, als bei einer ähnlichen Demo Antifa und Corona-Protestler aneinandergerieten, blieb es diesmal friedlich. Protestiert wurde gegen die angesichts der Corona-Krise verhängten und von immer mehr Mitbürgern als unverhältnismäßig empfundenen Einschränkungen, welche die im Grundgesetz verbürgten Rechte wie Freizügigkeit der Bewegung, widerrechtlich, so die Demonstranten, außer Kraft setzten.

Völlig unnötigerweise, ist sich Bergmann sicher, denn „in meinem Weltbild kommen die Viren nicht vor“. Und noch eins drauf: „Ein Virologe weiß fast gar nichts, der tut nur so.“ Und so hob er denn am Ende seines fast einstündigen, schamanistisch anmutenden Erweckungsrufes an zu singen: „Ich bin schön – ich bin heil – ich bin wild – ich bin frei. In mir brennt das Feuer der Liebe.“ Dazu schlug er im hypnotischen Takt seine kleine Indianertrommel. Und ungläubig rieb man sich die Augen. Wo genau sind wir hier gerade?

Sah man sich indes die Teilnehmer der Veranstaltung an, hätte man mindestens die Hälfte früher ohne Bedenken dem links-alternativen, öko-hedonistischen, überdurchschnittlich gebildeten Milieu zugerechnet. Was aber treibt die auf diese Demo?

"Das ist kein Grund, die Demokratie abzuschaffen"

Bergmanns Vorredner, der Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz, konnte unter großem Beifall sagen: „Von Anfang an gab es eine Angst- und Panik-Propaganda. Aber wenn nur 0,25 Prozent der Bevölkerung infiziert sind, dann ist das keine Pandemie, sondern maximal ‘ne schwere Grippe! Das ist kein Grund, die Demokratie abzuschaffen.“


„Das Land“, so Haintz weiter“, „wird vorsätzlich an die Wand gefahren. Das muss ein Ende haben.“ Denn „die ganzen Toten, die es zum Glück nicht gibt, sieht man auch nicht“. Es sind diese kruden Wechselbäder zwischen wahr, halbwahr und eher halluziniert, die bei diesen Aussagen so abstoßen, oder eben faszinieren. „Was wir als Deutsche“, mit unserer Wirtschaftskraft, „aushalten, halten andere Länder nicht aus. Das interessiert die Politik einen Dreck. Und das ist ein Skandal.“

Wer aber so was sagt, so der Rechtsanwalt, „wird von Presse und Staat zur Sau gemacht“. Dabei war es höchst interessant, zu hören, wie sehr die Redner die (anwesende) Polizei (besonders nach den Ereignissen in Stuttgart) in eine schmeichelnd würgende Umarmung nahmen. „Die Polizei ist Teil unserer Bewegung, deshalb müssen wir uns mit der Polizei solidarisieren.“

Durch die Blume wird mit offenem Widerstand gedroht

Das beunruhigende Signal ist: Sollten die Einschränkungen anhalten, wird, zwar nicht wörtlich, aber durch die Blume mit offenem Widerstand gedroht, bei dem man die Polizei dann gern auf seiner Seite hätte. Es wird gezündelt. „Covid?“, fragte Haintz rhetorisch, „ist das eine tödliche Seuche oder eine politische Lüge, die uns als Wahrheit verkauft wird?“

Der Feind ist ausgemacht. „Wir sind an einem Punkt, wo die Welt an einer Wende steht. Es gibt eine Elite aus Macht, Geld und Medien, gegen die gehen wir auf die Straße.“ Gegen einen Impfzwang – den es beim Thema Corona faktisch nicht gibt. Gegen die chinesische Unterwanderung der Politik. „Es muss in Deutschland wieder erlaubt sein, seine Meinung zu vertreten, ohne Repressalien.“

Fazit nach zwei Stunden von Bürgermeister Hemmerich: „Alles ordnungsgemäß abgelaufen.“ Aber wer wollte sich damit beruhigen? Am 1. August soll zu der Sache eine Demo mit 500 000 angemeldeten Teilnehmern in Berlin stattfinden, verkündeten die Veranstalter der Schorndorfer Demo. Ein Sammelbecken von selbst ernannten „Querdenkern“ und „Demokratischem Widerstand“ mit „Handlungsspielraum der Rechten“, wie ein Flugblatt des „Offenen Antifaschistischen Treffens Rems-Murr“ warnt. Es rumort.

„Ich glaube nicht an diesen Virus, den gab’s nie!“ So verkündete am derzeit zur Corona-Speakers'-Corner mutierten Schorndorfer Oberen Marktplatz Stephan Bergmann. Mit seinen langen Haaren und dem Bart, ums Haupt ein Stirnband zwischen Hippie- und Dornenkrone, dazu barfüßig, erinnerte er ein bisschen an einen Klischee-Jesus. Und ein Heilsversprechen hatte der auf seiner Homepage eine esoterische Muttertrommel-Therapie anbietende junge Mann denn auch parat.

„Ich habe eine Botschaft:

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