Schorndorf

Erste Online-Podiumsdiskussion der Initiative „Klimaentscheid Schorndorf“: „Es gibt keine linke oder rechte Klimawende!“

Klimaentscheid
Teilnahme an einer Podiumsdiskussion in Corona-Zeiten. Dörte Schnitzer, Aktivistin vom „Klimaentscheid Schorndorf“, verfolgt in ihrer Wohnung die Online-Übertragung auf dem Laptop. © Benjamin Büttner

Das Format Online-Podiumsdiskussion ist gewöhnungsbedürftig. Der Bildschirm ist in Fensterchen aufgeteilt, die mal auf- und wieder zugehen, je nachdem, welcher der zugeschalteten Teilnehmerinnen oder Teilnehmer gerade das Wort hat. Das erinnert an die Türchen eines Weihnachtskalenders.

Dazu kommen die eigenen Gesetze dieser Kommunikationsform, die auch Einfluss auf den Inhalt haben. Die Spontanität einer Live-Diskussion ist hier außer Kraft gesetzt. Und doch kann es die neue Bürgerinitiative „Klimaentscheid Schorndorf“ als großen Erfolg verbuchen, dass mit diesem Auftakt einer Reihe zum Thema „Schorndorf wird bis 2035 klimaneutral“ ein Gespräch in Gang gebracht wurde. Vor allem mit Vertretern der Verwaltung, nämlich OB Matthias Klopfer und dem Interimsgeschäftsführer der Stadtwerke, Bodo Skaletz, die sich der Einladung aufs Podium nicht verweigert hatten.

Impulse müssen von Spitze kommen

Insgesamt 52 Teilnehmer waren online zur von Dr. Peter Moser (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) moderierten Podiumsdiskussion zugeschaltet. Aus der weitesten Distanz war das Bertram Fleck, ehemaliger Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, ein mitreißender, ein vor enthusiastischem Engagement sprühender Kämpfer für eine nachhaltige Klimapolitik. Ein CDU-Mann zudem, der die Abwendung der drohenden Klimakatastrophe als Aufgabe jenseits aller Parteigrenzen versteht: „Es gibt keine linke oder rechte Klimawende!“

Was es zuallererst brauche, sei auch kommunal ein Klimaschutzkonzept. Flecks Plädoyer: „Wir als Gemeinde und Kreise müssen vorangehen.“ Ganz wichtig sei dabei die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger. Aber „wenn von der Spitze die Impulse nicht kommen, passiert im Gemeinderat und sonst nicht viel“. In diese Lücke, dieses eher tatenarme Innovations-Vakuum, treten dann, wie man in Schorndorf und inzwischen in vielen anderen Kommunen sehen kann, selbstbewusste und fordernde Bürgerinitiativen wie die des „Klimaentscheids Schorndorf“ ein. Im Gegensatz zum Brennen für die Sache bei Bertram Fleck wirkten die ersten Äußerungen von OB Klopfer an diesem Abend dann seltsam verhalten. Er stellte „großes Potenzial bei der Fotovoltaik“ fest und „dass wir Nachholbedarf haben“. In seiner Haushaltsrede nächste Woche werde er sich auch zum Klimaschutz äußern. „Klar ist, dass wir uns mit dem Gemeinderat auf den Weg machen.“

Sachlich, aber auch nicht gerade begeisternd, verwies Bodo Skaletz unter anderem auf Projekte der Stadtwerke wie „Nahwärmeinseln auf Grundlage erneuerbarer Energien“ und „drei angestoßene Quartiersprojekte“ mit digital gesteuerten Wärmespeichern hin. „Es ist nicht so, dass wir gar nichts gemacht haben“, erklärte der OB.

Für die Gruppe „Klimaentscheid Schorndorf“ sprachen Wilhelm Pesch und Dejan Stojicevic und verwiesen auf den von ihnen erstellten Klimastadtplan, „dessen Umsetzung“, wie sie sagen, „eine Klimaneutralität in Schorndorf bis 2035 möglich macht“ und dringlich. Wilhem Pesch: „Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend und fordern sofortiges Handeln.“

Nachdem ein UN-Bericht diese Woche die Klimaschutzanstrengungen nach dem Pariser Abkommen vor fünf Jahren (Ziel: Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen) als bei weitem nicht ausreichend erklärte und einen klimafreundlichen Neustart der Wirtschaft nach der Corona-Krise forderte, sollte eigentlich bei allen politischen Akteuren Feuer unterm Dach sein.

Und ja, da wird Druck aufgebaut. „Alle Gemeinderatsbeschlüsse müssen klimaneutral sein“, forderte Pesch: „Da kann man sofort damit anfangen!“ Außerdem mahnte er eine „Vorbildfunktion der Stadt“ an, „Klima-Leuchtturmprojekte“ zu initiieren.

Ja, meinte denn auch ein nachdenklicher OB: „Wir brauchen ein neues Denken in der Kommunalpolitik.“ Und ja, sagte Bodo Skaletz: „Wir Stadtwerke müssen die Energiewende vorantreiben.“

Wie aber umgehen mit den Forderungen der Bürger bei diesem alle angehenden Thema? „Für eine umfassende Bürgerbeteiligung sehe ich keine Mehrheit im Gemeinderat“, sagte der OB. „Ich wäre offen.“

Interessant, dass die zersplitterten Grünen und das „bürgerliche“ Lager des Gemeinderats dieser Diskussion fernblieben. Am Ende war es SPD-Stadträtin Sabine Reichle, die ein Weihnachtsfensterchen öffnete und erklärte: „Diese Veranstaltung hat gezeigt, warum wir die Bürgerinnen und Bürger brauchen. Es wäre schade, wenn wir das nicht nutzen.“ - „War sehr erfrischend, diese beiden Stunden“, meinte am Ende denn auch Matthias Klopfer.

Das Format Online-Podiumsdiskussion ist gewöhnungsbedürftig. Der Bildschirm ist in Fensterchen aufgeteilt, die mal auf- und wieder zugehen, je nachdem, welcher der zugeschalteten Teilnehmerinnen oder Teilnehmer gerade das Wort hat. Das erinnert an die Türchen eines Weihnachtskalenders.

Dazu kommen die eigenen Gesetze dieser Kommunikationsform, die auch Einfluss auf den Inhalt haben. Die Spontanität einer Live-Diskussion ist hier außer Kraft gesetzt. Und doch kann es die neue

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