Schorndorf

Ex-Unternehmensberater erzählt in Schorndorf von einer Asienreise zu sich selbst

jauernig
Einer der magischen Momente auf Christof Jauernigs Reise: Ein Mönch, der stundenlang im strömenden Regen in Myanmar meditiert. Foto: Jauernig © Christof Jauernig

Christof Jauernig war Analyst bei einer Unternehmensberatung in Frankfurt. Doch irgendwann kam ihm der Sinn an seiner Arbeit abhanden, die zahlenlastige Arbeit wurde ihm zu viel und so schmiss er seinen Job hin, ging auf Südostasienreise, um zu sich selbst zu finden, und tourt jetzt mit seiner Mutmachergeschichte durch Deutschland. Auf Einladung der Volkshochschule kommt er am Montag, 31. Januar, in die Barbara-Künkelin-Halle.

Endlich, könnte man sagen: Im November 2020 hatte er schon einmal einen Termin in Schorndorf, dann sollte es wegen der Corona-Pandemie April 2021 werden. Doch jetzt scheint es tatsächlich zu klappen, dass Christof Jauernig seine Geschichte erzählen kann, von einem, der es nicht nur schaffte, aus dem Hamsterrad auszusteigen, sondern auf einer Südostasienreise auch zu sich selbst zu finden.

Viele Jahre mit unbefristetem Vertrag und respektablem Gehalt

Was tun, wenn der Job, mit dem man gutes Geld verdient, keinen Sinn mehr macht und erst recht keine Freude? Wer hat sich nicht schon überlegt, auszubrechen? Wäre da nicht diese große Unsicherheit, wie es jenseits des gekündigten Arbeitsvertrags weitergeht. Christof Jauernig stand genau an diesem Punkt. Viele Jahre hat der heute 48-Jährige als Betriebswirt bei einer Unternehmensberatung für Banken gearbeitet, hatte einen angesehenen Job mit unbefristetem Vertrag und respektablem Gehalt, bis ihm schleichend die innere Verbindung zu seinem kopflastigen Job und dem rauen, gewinnorientierten Arbeitsumfeld abhandenkam.

Zu seinen Haupttätigkeiten gehörte das Erarbeiten von Analysen und Studien zu Themen der Bankenbranche. Zunehmend jedoch fühlte er sich unwohl in der von Umsatzzielen dominierten Arbeitsatmosphäre und entfremdet von der kriselnden Bankenwelt, die er untersuchte. Aber er blieb. Wie viele, aufgrund der scheinbar unausweichlichen Notwendigkeit, für Karriere und gutes Einkommen die Zähne zusammenzubeißen. Den Mut, sich von seinem Beruf zu verabschieden, fasste er erst, als seine inneren Widerstände übergroß geworden waren.

Doch dann kündigte er seinen Job und reiste, ohne Plan für danach, ein halbes Jahr lang mit dem Rucksack durch Südostasien – von Thailand über Kambodscha, Vietnam, Laos, Myanmar, Malaysia, Singapur bis nach Bali. Seit Oktober 2021 ist er, nach längerer Lockdown-Pause, wieder unterwegs, um von seinem Ausstieg zu erzählen und davon, wie er auf seiner Reise die Freude am Leben wiederfand.

Magisches Erlebnis: Entschleunigung und Wiederentdeckung der Natur

Einen Trip durch Indonesien im Sinn, den er als 22-Jähriger gemeinsam mit einem Freund unternommen hatte, und mit einem warmen Gefühl im Bauch brach er bald nach seiner Kündigung auf eine sechsmonatige Rucksack-Reise durch Südostasien auf. Mehr als 4000 Kilometer legte er auf einem Motorroller zurück, die meiste Zeit aber war er in Überlandbussen unterwegs. Kalender und Uhr spielten in seinem Leben plötzlich keine Rolle mehr. Rückblickend beschreibt er diese Zeit als ein magisches Erlebnis, bei dem Entschleunigung und die Wiederentdeckung der Schönheit der Natur, für die er jetzt wieder Augen und Zeit hatte, eine große Rolle spielten. „Es ging mir darum, mich wirklich im Hier und Jetzt zu verwurzeln und die Fixierung auf die unsichere Zukunft loszulassen.“

Das ist ihm offenbar gelungen: Nicht ein einziges Mal, erzählt Jauernig, habe er seine Kündigung bisher bereut – auch wenn er heute mit deutlich weniger Geld auskommen muss. Die Augenblicke seiner Reise hielt der Frankfurter fotografisch fest und teilte die Bilder zusammen mit notierten Reiseimpressionen mit seinen Freunden auf Facebook.

Weil ihn viel positive Resonanz erreichte, beschloss er, nach seiner Heimkehr daraus eine Ausstellung zu machen. Die Vernissage mit projizierten Fotografien und von eigenen Klavierimprovisationen unterlegten rezitierten Texten wurde ein Erfolg. „Als ich in den Augen mancher Gäste Tränen sah, dämmerte mir, dass ich eine Sehnsucht berührt hatte, die anscheinend nicht wenige Menschen in sich tragen. Und dass ich damit jetzt nicht einfach wieder aufhören kann.“ So wurde aus dem Abend der Auftakt einer ungeplanten Lesereise.

Mit dem Teilen seiner Geschichte möchte Christof Jauernig, von dem im Februar 2021 auch ein Buch über Glücksmomente erschienen ist, Menschen Mut machen, auch solchen, die sich auf ihrem beruflichen oder sonstigen Lebensweg in einer Sackgasse oder Umbruchsituation befinden. „Ich erkläre dabei Jobausstieg und Asienreise nicht zum Allerheilmittel für jeden, sondern möchte vermitteln, wie wichtig es ist, die eigenen inneren Wünsche und Wahrheiten wahr- und ernst zu nehmen.“ Und er möchte zeigen, „dass das Betreten von unbekanntem, vermeintlich unsicherem Terrain in der eigenen Biografie nicht in Absturz und Depression münden muss“.

Dass der 48-Jährige damit einen Nerv der Zeit zu treffen scheint, wird auch an der breiten Palette von Einrichtungen deutlich, die ihn einladen. Dazu gehören psychosomatische Fachkliniken und Erwachsenenbildungsstätten, Verbände, konfessionelle Einrichtungen, Kleinkunstbühnen, Banken – und die Volkshochschule Schorndorf. Mittlerweile hat er seine Mutmachergeschichte schon an 137 Orten erzählt.

Info

„Gedanken verloren. Unthinking“ ist der Titel der Aufbruchsgeschichte, die Christof Jauernig in Worten, Fotografien und Pianoklängen am kommenden Montag, 31. Januar, von 19.30 Uhr an im Reinhold-Maier-Saal der Barbara-Künkelin-Halle erzählt. Der Eintritt kostet 14 Euro im Vorverkauf und 16 Euro an der Abendkasse. Anmeldung unter www.vhs-schorndorf.de oder Tel. 07181-2007-0. Bei der Veranstaltung gelten die aktuellen Corona-Regeln.

Christof Jauernig war Analyst bei einer Unternehmensberatung in Frankfurt. Doch irgendwann kam ihm der Sinn an seiner Arbeit abhanden, die zahlenlastige Arbeit wurde ihm zu viel und so schmiss er seinen Job hin, ging auf Südostasienreise, um zu sich selbst zu finden, und tourt jetzt mit seiner Mutmachergeschichte durch Deutschland. Auf Einladung der Volkshochschule kommt er am Montag, 31. Januar, in die Barbara-Künkelin-Halle.

Endlich, könnte man sagen: Im November 2020 hatte er schon

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