Schorndorf

Fäkalien vor der Flüchtlingsunterkunft

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Aus dem grünen Rohr ergossen sich die Fäkalien auf den Vorplatz der Flüchtlingsunterkunft in der Alfred-Klingele-Straße 39 in Remshalden. © Privat

Remshalden. Ute Horn und ihr Mann Rudi Pfaller sind immer noch hell entsetzt. Sie wurden zufällig Zeugen, wie sich aus einem oberirdisch verlegten grünen Rohr in der Flüchtlingsunterkunft Alfred-Klingele-Straße 39 Fäkalien über den Gehweg ergossen. Auch ein Tampon war dabei. Ursache ist offenbar unsachgemäße Handhabung.

Sandra Weiss von der Pressestelle des Landratsamts bestätigt, dass es „einen Vorfall“ in der Unterkunft in der Alfred-Klingele-Straße 39 in Remshalden gegeben hat. „Konkret“ sei dabei Abwasser durch ein Rohr, das aus der Hauswand ragt, auf den Vorplatz gespült worden. Hintergrund sei ein technischer Vorgang, der zum Schutz automatisch eingeleitet wird. Weiss erklärt ihn so: „Es besteht eine Rückstauklappe vom Straßenkanal zum Gebäude, damit bei Hochwasser kein Wasser vom Kanal in das Gebäude eindringen kann. Diese technisch vorgesehene Rückstausicherung in Form einer Klappe war jedoch im Falle von Remshalden durch unsachgemäße Toilettennutzung verstopft. Diese Verstopfung hat dazu geführt, dass sich die Notentwässerung des Rohrsystems aktiviert hat. Konkret bedeutet das, dass sich eine Pumpe einschaltet, die das Abwasser mittels eines Rohrs nach draußen auf den Vorplatz führt. Bevor diese Pumpe jedoch zugeschaltet wird, füllt sich zunächst ein Schacht, in dem etwa 3500 Liter Abwasser zwischengelagert werden können und der sich bei Absenkung des Pegels im Straßenkanal selbstständig entleert. Erst bei Überfüllung des Schachtes wird das Abwasser nach außen abgepumpt. Dieser Fall ist in Remshalden eingetreten: Aufgrund der Überfüllung des Schachtes hat sich die Pumpe beziehungsweise die Notentwässerung eingeschaltet. Diese sorgt dafür, dass sich die Grundleitung nicht komplett mit Abwasser füllen kann und dieses somit nicht in das Gebäude und insbesondere in die Zimmer gelangen kann.“

Es sei bereits vorsorglich eine Teilreinigung der Rohre durchgeführt worden. Aufgrund des Starkregens am Tag des Vorfalls habe sich jedoch die bereits erwähnte Rückstausicherung aktiviert und das Wasser sei auf den Vorplatz geleitet worden. Ein Rohrreinigungsservice sei am Morgen darauf vor Ort gewesen und habe die Verstopfung behoben beziehungsweise eine Reinigung der Rohre vorgenommen. Ebenfalls seien Vertreter des Landkreises, der Kreisbaugesellschaft und der Gemeinde vor Ort gewesen, um den verschmutzen Bereich zu reinigen.

Komplizierte Antwort auf eine konkrete Frage

Auf die konkrete Frage, warum ein solches Rohr aus der Hauswand herausragt, sagt Sandra Weiss: Eine solche Vorrichtung sei in der Straße an einigen Häusern zu finden. Hintergrund sei, dass es sich bei der Alfred-Klingele-Straße um ein von Hochwasser gefährdetes Gebiet handle. Wenn es Hochwasser gebe, sei der Straßenkanal voll und das Abwasser könne demnach nicht über den Straßenkanal abgepumpt werden. Um die Häuser vor dem Eindringen des aufsteigenden Abwassers zu schützen, sei die Notentwässerung über das Rohr an vielen Häusern, die in der Alfred-Klingele-Straße stehen, zu finden. Die Konstruktion solcher Einrichtungen sei gebäudeabhängig, sagt die Pressesprecherin. An neueren Gebäuden könne die Konstruktion der Notentwässerung abweichen.

Im Übrigen widerspricht Sandra Weiss Rudi Pfaller, der den „starken Verdacht“ hat, dass die tiefliegenden Toiletten im Untergeschoss nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und eine Grube von Zeit zu Zeit automatisch ausgepumpt wird.

Was das oberirdisch verlegte Rohr betrifft, ist Rudi Pfaller nach wie vor der Meinung: „Man hätte es anders verlegen können.“ Denn „es kann doch nicht sein, dass ein Sicherheitssystem die Sicherheit (Gesundheit) von Menschen gefährdet! Wir sind in Deutschland, nicht in Afghanistan!“