Schorndorf

Führerschein-Ausbildung wird teurer: Was Schorndorfer Fahrlehrer dazu sagen

Führerschein
Manche Fahrschulen haben die Preise für die Fahrstunden erhöhen müssen. © Büttner

Schnell gestiegene Spritpreise treffen Fahrlehrer hart. Die Mehrkosten bekommen dann auch Fahrschüler meist zu spüren – wenn auch mit etwas Verzögerung. „Der Weg zum Führerschein wird vielerorts noch mal teurer“: Diese Schlagzeile war kürzlich aus den Medien zu vernehmen. Zwei bis fünf Euro mache das pro Fahrstunde aus – je nach Fahrzeug, heißt es vom Vorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg, Jochen Klima. Was sagen die Schorndorfer Fahrlehrer dazu? Wir haben uns umgehört.

Der Führerschein als solches werde natürlich nicht teurer – „aber die Ausbildung, weil alles teurer wird“, sagt Thomas Schaal von der Schorndorfer Fahrschule Banane. Willkürlich könne man freilich nicht erhöhen. Aber als Dienstleister, was auch die Fahrschule sei, werden die Preise sicher angepasst.

Um eine weitere Erhöhung komme man in absehbarer Zeit nicht herum

„Wir haben die Preise für die Fahrstunde der Klasse B wegen der zurzeit exorbitant gestiegenen Kraftstoffpreise um drei Euro angehoben“, sagt Wolfram Trissler von der gleichnamigen Fahrschule. Man werde in absehbarer Zeit um eine weitere Erhöhung nicht herumkommen. „Die Kosten für einen Führerschein der Klasse B haben sich um 300 bis 400 Euro verteuert – im Vergleich zu vor einem Jahr.“ Man werde sich parallel zur Inflationsrate mit der Preisentwicklung bewegen. Wahrscheinlich sogar über der Inflationsrate, da „bei uns die Energiekosten einen großen Anteil ausmachen“.

Marcus Fritz, Inhaber der Fahrschule Bischof in Welzheim und Vorsitzender des Kreisvereins Rems-Murr-Kreis im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg sowie Mitglied im Fahrlehrerprüfungsausschuss Baden-Württemberg, führt weiter aus: „Wie überall geht natürlich die steigende Inflation auch nicht an den Fahrschulen vorbei. Ich denke, für jeden ist nachvollziehbar, dass diese Kosten an den Endverbraucher übertragen werden müssen. Die derzeitigen Energiekosten sind für jede Branche ein Thema und deshalb würde ich nicht sagen, dass der Führerschein teurer wird, sondern einfach an die Zeit angepasst. Um wie viel dies ist, lässt sich schwer sagen, da der Endpreis maßgeblich vom Lernfortschritt und der Motivation der Fahrschüler abhängig ist.“ An Anmeldungen der angehenden Fahrschüler mangle es gerade nicht, sagen die Fahrlehrer. Eine gute Fahrschule habe immer zu tun, meint Thomas Schaal lachend. In der Pandemie habe man mit sehr vielen Dingen zu kämpfen gehabt: Der normale Fahrschulablauf wurde überschattet von Überprüfung und Überwachung der Impf-, Genesenen- oder der Getestet-Zertifikate und Nachweise. Das Überprüfen habe Zeit gekostet, und vieles sei nicht nachvollziehbar gewesen. Anmeldungen gebe es zuhauf, allerdings auch Wartezeiten, bis man den Führerschein in Händen hält.

Am „Ausbildungsstau“ knapsen noch manche Fahrschulen

Die Anmeldungszahlen bei der Fahrschule Trissler liegt derzeit auf „Vor-Corona-Niveau“. Allerdings sei die Zahl der für Fahrstunden verfügbaren Schüler oft zu gering. Gründe hierfür seien, dass sich die Fahrschüler sehr früh in der Fahrschule anmelden, da sie lange Bearbeitungszeiten seitens des Landratsamtes (zurzeit etwa drei Monate, oft auch länger) befürchten. Hinzu kommen coronabedingte Krankheits- und Quarantäne-Ausfälle. Und für Fahrschüler hat laut Trissler der Erhalt des Führerscheins nicht mehr unbedingte Priorität. Dass die Bearbeitungszeit beim Landratsamt zu wünschen übriglässt, bemängelt auch Thomas Schaal. Vieles habe sich durch die Pandemie in die Länge gezogen, da die Mitarbeiter des Landratsamts für andere Aufgaben abgezogen wurden. Mittlerweile habe sich die Situation etwas entspannt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun, was sie können, lobt Schaal.

„Es gab nach den Lockdowns natürlich einen Ausbildungsstau, an dem manche Fahrschulen eventuell noch knapsen“, so Marcus Fritz. Dies liege häufig aber auch daran, dass es grundsätzlich einen Fachkräftemangel in Fahrschulen gebe. „Von meiner Fahrschule kann ich nur sagen, wir sind personell gut aufgestellt und durch eine gute Planung auch fähig, den derzeitigen Ansturm sehr gut zu meistern.“ Das deutlich größere Problem sei derzeit die sehr lange Zeit, die die Führerscheinstelle zur Zulassung eines Führerscheinantrages benötigt. Das grenze schon extrem an Geschäftsschädigung, so Fritz.

Umstieg auf Elektroautos – ja oder nein?

Ein großes Thema für die Fahrlehrer ist der Umgang mit den stetig steigenden Spritpreisen. Ist der Umstieg auf Elektroautos eine Alternative? Thomas Schaal winkt ab: „Ich kann aus Erfahrung sprechen. Ich hatte einen E-Golf der ersten Generation. Nach drei Jahren Laufzeit habe ich ihn verkauft – und ich werde mir auch in den kommenden Jahren keinen mehr anschaffen.“ Was hat der Fahrlehrer erlebt, dass für ihn ein Elektrofahrzeug nicht mehr infrage kommt? Die Reichweite sei mangelhaft, in Schorndorf und Umgebung sei keine Ladeinfrastruktur vorhanden. Schaal: „Ich komme da nicht mal bis Heilbronn.“ Jetzt, nach fünf Jahren, habe es „Schorndorf endlich mal geschafft, eine Ladestation am Bahnhof einzurichten“. Und außerdem: Nicht nur die Spritpreise seien gestiegen, auch die Kosten für E-Autos explodieren.

Laut Marcus Fritz ist Elektromobilität sicherlich ein Baustein für das, was möglich ist. „Allerdings steigen die Energiekosten auch da deutlich an“, unterstreicht Fritz die Aussage von Thomas Schaal. „Wir selbst haben seit kurzem eine große Fotovoltaikanlage auf dem Dach unserer Firmenzentrale, um den Strom für unsere künftigen E-Autos zu gewinnen. Die Umstellung komplett auf E-Mobilität wird aber eher nicht passieren, sondern ein Teil des ganzen Mosaiks sein“, erklärt Marcus Fritz. Auch der Einsatz von Fahrsimulatoren sei eine Möglichkeit, um in der Ausbildung „Kraftstoff“ zu sparen.

Wolfram Trissler bietet in seiner Fahrschule schon seit längerem die Ausbildung auf einem Hybrid-Fahrzeug an. Kostentechnisch werde sich das im Vergleich zum Verbrenner nicht viel unterscheiden. Denn: Ende des Jahres fällt die Förderung für E-Fahrzeuge weg und der Strompreis wird sich auch dementsprechend erhöhen. „Somit steht zu befürchten, dass sich auf der E-Schiene keine Kostenentspannung abzeichnet.“ Generell beschäftigt den Schorndorfer Fahrlehrer die „Verbrenner-Problematik“: „Ich fahre und schule gerne mit Elektromotor. Selbst unter der Annahme, dass der Ausstieg aus dem Verbrenner nicht mehr lange dauert, manche sprechen ja von 2030. Aber was bieten wir dann dem Schüler an, der das Schalten lernen will, weil er noch einen Verbrenner hat?“

Schnell gestiegene Spritpreise treffen Fahrlehrer hart. Die Mehrkosten bekommen dann auch Fahrschüler meist zu spüren – wenn auch mit etwas Verzögerung. „Der Weg zum Führerschein wird vielerorts noch mal teurer“: Diese Schlagzeile war kürzlich aus den Medien zu vernehmen. Zwei bis fünf Euro mache das pro Fahrstunde aus – je nach Fahrzeug, heißt es vom Vorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg, Jochen Klima. Was sagen die Schorndorfer Fahrlehrer dazu? Wir haben uns

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