Schorndorf

Für zwei Wochen in Schorndorf: Romeo Weiß und seine mobile Scherenschleiferei

Scherenschleiferei
Romeo Weiß in seiner mobilen Scherenschleiferei: Ein umgebauter Mercedes-Vito. © Benjamin Büttner

„Der Beruf wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt Romeo Weiß. Der 49-Jährige aus Neustadt an der Weinstraße betreibt eine mobile Scherenschleiferei und gehört damit einer aussterbenden Berufsgruppe an. „Mit 15 Jahren habe ich in dem Job angefangen. Seit 35 Jahren reise ich durch ganz Deutschland und biete unseren Service an.“ Rund 40 000 Kilometer legt der Rheinland-Pfälzer im Jahr zurück. Wir haben mit ihm über die Faszination seines Berufs gesprochen.

Mit einem umgebauten Mercedes-Vito reist Weiß durch die Republik

Egal ob Messer, Scheren, Heckenscheren, Rasenmäher oder Brotmaschinen-Scheiben: Romeo Weiß ist eine Allzweck-Waffe. Der 49-Jährige macht alles scharf und ist sich für keine Schleifarbeit zu schade. Der Mann aus Rheinland-Pfalz hat jedoch keinen festen Firmensitz. Gemeinsam mit seinen Söhnen Maurice (24) und Cordano (21) reist er durch die Republik. In einem umgebauten Mercedes-Kleinbus bietet Weiß seine Arbeit an: „Ich habe meinen Vito komplett zu einem Maschinenwagen umgebaut.“ Dort befinden sich die Schleifmaschinen, ein Stromgenerator und alle Werkzeuge. Nur noch der Fahrer und ein Beifahrer haben in dem Wagen Platz.

„Wir üben den Beruf bereits in der siebten Generation aus“, sagt Weiß sichtlich stolz. „Seit 1846 ist unsere Familie im mobilen Schleifgeschäft tätig.“ Dass er dafür jedes Jahr Tausende Kilometer auf sich nimmt? Kein Problem. „Die weiteste Strecke, die ich je zurückgelegt habe, war bis nach Italien. Wir waren mit der Familie in der Gegend rund um Venedig und haben Urlaub gemacht. Nebenher habe ich aber auch gearbeitet“, erklärt der 49-Jährige.

Weiß und seine beiden Söhne sind das gesamte Jahr unterwegs, Pausen kennen die Schaffer nicht. „Wir sind von Januar bis Dezember mit unserer mobilen Scherenschleiferei unterwegs. Manchmal kommen wir am Wochenende nach Hause, aber das klappt nicht immer.“ Von Montag bis Samstag schuftet der Mann, den Sonntag nimmt er sich in der Regel frei. Doch wo übernachtet Romeo Weiß, wenn er in ganz Deutschland unterwegs ist? „Oft haben wir einen Camping-Anhänger. Den stellen wir auf einem Campingplatz ab und schlafen dann da“, erklärt er. Ab und zu gönne er sich aber auch etwas mehr Luxus. „Manchmal nehmen wir uns auch eine Ferienwohnung.“

Romeo Weiß hat sich ganz bewusst für dieses Leben entschieden. „Ich will nicht an einem Platz bleiben, das könnte ich nicht“, erklärt der Scherenschleifer. „Ich will rumreisen und immer neue Orte und Menschen kennenlernen. Egal ob am Bodensee, in Hamburg oder im tiefen Bayern: Ich habe überall meine Kundschaft.“ Manche Kunden stammen noch von seinem Vater, den großen Kundenstamm hat aber er sich aufgebaut. „Wir machen gute Arbeit. Die Leute warten in ganz Deutschland auf uns und freuen sich, wenn wir in ihrer Stadt sind.“

Nach Schorndorf kommt Romeo Weiß seit inzwischen sechs Jahren. Ein- bis zweimal im Jahr macht er in der Daimlerstadt Halt. „Ich mag die Schorndorfer, weil sie sehr freundlich sind.“ Für rund zwei Wochen steht die mobile Scherenschleiferei auf dem Parkplatz am Hallenbad und wartet auf neue und alte Kunden. „Egal was die Schorndorfer brauchen, wir können alles schleifen“, sagt Weiß.

Weiß will das Familienunternehmen an seinen Sohn weitergeben

Egal welcher Auftrag, der 49-Jährige heißt jeden Kunden willkommen - und bietet faire Preise an. „Das Schleifen eines Messers kostet in der Regel zwischen drei und fünf Euro. Pauschale Preise können wir aber nicht machen, weil das vom Aufwand der Arbeit abhängt.“ Im Optimalfall sollte der Kunde vorher telefonisch einen Termin ausmachen, damit sich keine Staus bilden.

Durch einen seiner Söhne konnte Romeo Weiß sein Angebot sogar noch erweitern: „Maurice ist gelernter Goldschmied. Egal ob Ringe, Ketten oder Armreife: Er kann alles reparieren“, sagt der Vater. Die Kunden können ihren Schmuck vorbeibringen und richten lassen. Auch alten oder kaputten Schmuck, den die Leute nicht mehr brauchen, nimmt Maurice Weiß gegen ein kleines Entgelt entgegen. „Da sich mein Sohn selbstständig machen will, schmiedet er daraus seinen eigenen Schmuck.“

Obwohl sich der älteste Sohn sein eigenes Unternehmen aufbauen will, sieht der Vater den Familienbetrieb nicht in Gefahr. „Mein Sohn Cordano will das Geschäft mal übernehmen.“ Und auch die nächste Generation steht schon bereit: „Der kleine Sohn meiner Tochter sagt auch schon, dass er mal als Scherenschleifer arbeiten will.“ Es steht also schon fest, dass es die Scherenschleiferei Weiß auch in der achten Generation geben wird.

„Der Beruf wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt Romeo Weiß. Der 49-Jährige aus Neustadt an der Weinstraße betreibt eine mobile Scherenschleiferei und gehört damit einer aussterbenden Berufsgruppe an. „Mit 15 Jahren habe ich in dem Job angefangen. Seit 35 Jahren reise ich durch ganz Deutschland und biete unseren Service an.“ Rund 40 000 Kilometer legt der Rheinland-Pfälzer im Jahr zurück. Wir haben mit ihm über die Faszination seines Berufs gesprochen.

Mit einem umgebauten

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