Schorndorf

Fürs Wohlbefinden: Ausgebremster Café-Betreiber Georg Vlassidis hilft auf dem Wochenmarkt

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Weil sein Café in der Höllgasse geschlossen ist und nur der Eisverkauf läuft, hilft Georg Vlassidis ehrenamtlich auf dem Wochenmarkt aus. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wenn an den ersten Sonnentagen des Jahres die Kundschaft vor seinem Eiscafé in der Höllgasse Schlange steht, dann ist das für Georg Vlassidis wie ein kleines Trostpflaster: Ihn freut’s, dass die Leute an ihn denken. Tatsächlich fehlt dem 39-Jährigen aber die Perspektive: Wann er das „Santa Lucia“ wieder öffnen kann und das Tagescafé „Emma’s“, das er ein paar Häuser weiter zusammen mit Mete Balci betreibt, ist völlig unklar. „Über uns“, stellt Vlassidis traurig fest, „wird nicht gesprochen.“ Möglichkeiten hat er so gut wie keine: Seiner Idee, in der Vorweihnachtszeit Glühwein zum Mitnehmen und gegrillte Würstchen aus seinem Eiscafé heraus zu verkaufen, hat die Corona-Verordnung Mitte Dezember den Garaus gemacht – und ihn zum Nichtstun verdonnert.

Ehrenamtlicher Einsatz, weil der Austausch mit anderen fehlt

Für einen wie Vlassidis, der es als Gastronom gewohnt ist, an sieben Tagen die Woche von morgens bis abends zu arbeiten, eine fast unerträgliche Situation: „Man fühlt sich leer“, sagt der Café-Betreiber. Weil ihm vor allem der Austausch mit anderen Menschen fehlt und er mit der vielen freien Zeit langsam nichts mehr anzufangen weiß, hilft er seit einigen Wochen an Samstagvormittagen am Wochenmarktstand der Familie Tsompanidou oder an Konstantin Karolidis’ Blumenstand aus. Dieser ehrenamtliche Einsatz, die Begegnungen und der Small Talk mit den Kunden, das tut ihm und seiner Psyche gut. In der Nacht vor seinem ersten Einsatz auf dem Wochenmarkt, erzählt der 39-Jährige, sei er so nervös gewesen, dass er viermal aufgewacht sei. Und da er sich offenbar nicht schlecht angestellt hat und die Waren, obwohl er’s gerne tun würde, nicht lauthals bei der Kundschaft anpreist, ist er seither willkommen, beim Verkauf von Obst, Gemüse und Blumen mitzuhelfen. Auch sein Geschäftspartner Mete Balci, seit fast einem Jahr zur Untätigkeit gezwungen, ist schon mit dem Standbetreiber zum Großmarkt nach Stuttgart gefahren.

Wie lange die beiden Cafés noch geschlossen bleiben, es ist nicht absehbar – und wie lange sie das finanziell durchhalten können, auch nicht. Überbrückungshilfe kam bei ihnen, wenn auch mit Verspätung, an. Doch als saisonaler Betrieb, sagt Vlassidis, seien die Fixkosten immer höher als die Hilfen. Die drei Vollzeit- und die beiden Teilzeitkräfte sind in Kurzarbeit. Doch sobald das Wetter gut genug für den Eisverkauf ist, lässt Vlassidis sie arbeiten und versucht, sie zu beschäftigen. „Ich kann“, sagt der Café-Betreiber „nicht nur egoistisch an mich denken.“ Denn sobald er wieder öffnen darf, braucht er Mitarbeiter, auf die er sich verlassen kann.

Dankbar ist Vlassidis nicht zuletzt auch über die Solidarität der Kunden, die beim ersten Lockdown sogar seinen Lieferservice genutzt haben. Doch eines ist für ihn völlig klar: „Wir brauchen den Sommer, um den nächsten Winter überleben zu können.“

Wenn alles vorbei ist: Ein großes Höllgassen-Fest

Mit Wehmut denkt er an die Vor-Corona-Zeiten, als in der Höllgasse das Leben pulsierte – „im Bermuda-Dreieck zwischen Santa Lucia, Eclat und Pfauen“, wie es Vlassidis formuliert. Er hofft, dass sie irgendwann an diese guten alten Zeiten anknüpfen können. Dann, träumt Vlassidis, soll's ein großes Höllgassen-Fest geben.

Wenn an den ersten Sonnentagen des Jahres die Kundschaft vor seinem Eiscafé in der Höllgasse Schlange steht, dann ist das für Georg Vlassidis wie ein kleines Trostpflaster: Ihn freut’s, dass die Leute an ihn denken. Tatsächlich fehlt dem 39-Jährigen aber die Perspektive: Wann er das „Santa Lucia“ wieder öffnen kann und das Tagescafé „Emma’s“, das er ein paar Häuser weiter zusammen mit Mete Balci betreibt, ist völlig unklar. „Über uns“, stellt Vlassidis traurig fest, „wird nicht gesprochen.“

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