Schorndorf

Fachbereichsleiterin Karin Gries geht in Ruhestand: Aus dem Rathaus auf Weltumseglung

Karin Grieß
Karin Gries – voller Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. © Gabriel Habermann

Bald ist’s so weit, dann tauscht Karin Gries (63), bislang noch Leiterin des Bürgerservice im Schorndorfer Rathaus den gespitzten Bleistift gegen das Ruder ihres Segelbootes aus. Zusammen mit ihrem Mann will sie nun, nach dem Ende ihres Arbeitslebens die Welt entdecken. Vom Meer aus. 14 mal vier Meter Segelboot sind dann ihr Zuhause, eine Hunter 45 DS. Der Haushalt wird aufgelöst, die Mietwohnung gekündigt. Hinein ins reduzierte Leben: unter ihnen Tausende Meter Meer, über ihnen das Himmelszelt. „Abenteuer mochte ich schon immer gern“, berichtet sie. Angst macht der Gedanke, mit ihrem Mann ganz alleine auf dem Meer zu leben, ihr keineswegs. Geht das Schiff in Schräglage, beginnt sie sich richtig wohlzufühlen.

Eine Woche Urlaub, dann gehen die Feinplanungen so richtig los

Bevor es so weit ist, muss aber noch alles perfekt durchgeplant werden. Ein kleiner Fehler mitten in der Überquerung des Atlantiks kann schwerwiegende Folgen haben. Wenn Karin Gries Mitte Juli in den Ruhestand geht, gibt’s deshalb erst mal die Corona-Zweitimpfung, dann eine Woche Erholung und anschließend wird sie ihr Organisationstalent, das sie zuvor für die Schorndorfer Stadtverwaltung einsetzte, umleiten. Schließlich ist noch viel zu tun auf der Mika 2. So lautet der Name des Langstreckenseglers und ist aus den Vornamen der beiden Abenteurer, Michael und Karin, zusammengesetzt.

Die „Mika 2“ wird jetzt für die Langwasserfahrt ausgerüstet

Gekauft haben sie das Schiff im Mittelmeer. Kurz bevor die Corona-Pandemie sie ausbremsen konnte. gelang es ihnen, das Boot ab Port St. Louis über den Landweg und später über den Rhein in den Neckar zu transportieren. Hier liegt das Segelboot nun im Hafen. Seither wird daran eifrig geschraubt und geackert. Eine Wasseraufbereitungsanlage gibt es, die aus Meerwasser kostbares Trinkwasser machen kann. Ein Generator sorgt für Strom. Und dann sind da noch etliche Geräte mehr, die das Leben an Bord erleichtern: ein Induktionsherd, eine Heizung, eine kleine Waschmaschine, solche Dinge. Dazu braucht’s Stauraum, Stauraum, Stauraum. „Ein bisschen Komfort brauchen wir inzwischen in unserem Alter auch“, findet sie.

Abenteuer zu zweit

Ein Beiboot muss auch noch mit. Werfen die Gries’ schließlich irgendwo vor einer Südseeküste den Anker, gibt es wohl keinen Hafen, dann müssen sie von ihrem Ankerplatz aus mit dem Beiboot an Land schippern. Der Rest an Land muss zunächst fußläufig erledigt werden. Vor allem das Heranschaffen von neuer Proviant kostet dann auch Kraft. Für Ausflüge an Land werden sie sich wohl auch ab und an ein Fahrzeug mieten.

„Wir freuen uns drauf, neue Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen“, berichtet Karin Gries, die während ihrer Zeit auf dem Wasser auch einen Blog schreiben möchte und ihren Instagram-Account „SY_Mika2“ mit Segler-Leben füllen will. Immerhin: „Wer mit dem eigenen Boot unterwegs ist, kommt auch an Orte, die man sonst nicht erreichen kann.“ Ein Abenteuer wird’s wohl werden, und zwar kein kleines. Schließlich gehe an einem Boot immer wieder etwas kaputt. „Man ist eigentlich immer auf den Beinen und repariert sich um die schönsten Länder der Welt.“ Nachts steuert zwar der Autopilot, dennoch wechseln sich die beiden auf dem Boot mit dem Schlafen ab. Einer hat immer Bereitschaftsdienst.

Start zum Hafenfest in Hamburg

Start der großen Reise, die vielleicht auch eine Weltumseglung werden kann, soll am 2. April 2022 sein, dann ist das große Hafenfest in Hamburg. Zum Warmwerden geht’s dann erst mal nach Helgoland, England, zu den Kanalinsel, bis es dann über die Biskaya und die sogenannte „Barfuß-Route“ nach Spanien und zu den Kanarischen Inseln geht. Dann, Ende November, wollen sie wohl eine kurze Pause machen.

Wenn Wetter und Winde es zulassen, soll dann ab Januar die zweite Etappe starten, die sie auch über die Karibik nach New York führen soll. Dort angekommen wollen sie sich entscheiden, ob die Reise weitergeht in Richtung der Südsee oder ob sie nach Hause wollen. „Wir nehmen uns jetzt nicht vor, die Welt zu umsegeln“, erklärt Karin Gries. „Aber wir machen die Leinen los und starten.“ Das sei schließlich der erste Schritt, um einen Lebenstraum zu verwirklichen, den Traum schlechthin, von Freiheit, Selbstbestimmtheit und völligem Aufgehen in den Gewalten der Natur.

Abschied vom Remstal für immer

Wenn die Reise irgendwann im Jahr 2023 zu Ende sein wird, kehren sie nicht mehr zurück. In Hamburg oder irgendwo in Schleswig-Holstein wollen sie dann ihren Anker werfen. Zurück ins Remstal kommen sie nicht.

Auch wenn sie manche Freundschaft vermissen wird, Karin Gries ist es gewohnt, neu anzufangen. Nach dem Studium an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung ging es ganz am Anfang ihrer Berufskarriere nach München. Später wechselte sie nach Oberbayern, durchlief verschiedene Stationen bei Kommunen und Verwaltungsbehörden, bis es sie 2012 wieder zurück ins Schwäbische verschlug. Anfangs leitete sie in Schorndorf den Fachbereich für Sicherheit und Ordnung, zuletzt den Fachbereich Bürgerservice. Viel habe sich in den vergangenen Jahren verändert, auch die Haltung der Menschen der Kommune sei eine andere geworden. Ihre Arbeit habe sie immer gern gemacht, aber auf den neuen Lebensabschnitt, aufs große Wagnis freut sie sich schon sehr.

Bald ist’s so weit, dann tauscht Karin Gries (63), bislang noch Leiterin des Bürgerservice im Schorndorfer Rathaus den gespitzten Bleistift gegen das Ruder ihres Segelbootes aus. Zusammen mit ihrem Mann will sie nun, nach dem Ende ihres Arbeitslebens die Welt entdecken. Vom Meer aus. 14 mal vier Meter Segelboot sind dann ihr Zuhause, eine Hunter 45 DS. Der Haushalt wird aufgelöst, die Mietwohnung gekündigt. Hinein ins reduzierte Leben: unter ihnen Tausende Meter Meer, über ihnen das

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