Schorndorf

Fachkräftemangel in Schorndorf: Welche Gewerbe es besonders schwer haben

SymbolfotoHandwerk
Viel Arbeit, wenig Angestellte: Knapp drei Prozent weniger Fachkräfte und Azubis wurden im Schorndorfer Handwerk im Vergleich zum Vorjahr eingestellt. © Gaby Schneider

Das Handwerk hat in ganz Deutschland ein Nachwuchsproblem. Dabei bietet die Branche mehr Ausbildungsplätze an als je zuvor. Um die Arbeit in handwerklichen Betrieben attraktiver zu machen, rühren die Handwerkskammern kräftig die Werbetrommel. Mit großen, provokativen Plakaten in Innenstädten oder am Tag des Handwerks, der in diesem Jahr auf den 17. September fällt. Verschiedene Gewerke präsentieren sich am Samstag der Öffentlichkeit. Doch wie ist die Situation der Schorndorfer Handwerksbetriebe wirklich?

Technische Berufe sind gefragt

Nun, die Lage war zumindest schon mal besser. Das bestätigt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Stuttgart, die auch für den gesamten Rems-Murr-Kreis zuständig ist. „Der Kreis und somit auch Schorndorf kommen noch mit einem blauen Auge davon“, sagt er. In der gesamten Region Stuttgart sei ein Rückgang bei Neuverträgen zu verzeichnen. Etwas mehr als sechs Prozent weniger Neuanstellungen hat es im Vergleich zum Vorjahr gegeben. „Das ist betrüblich und sehr ärgerlich“, sagt Peter Friedrich.

Im Rems-Murr-Kreis und in Schorndorf seien es allerdings nur etwas über drei Prozent. Dem Schorndorfer Handwerk gehe es durchschnittlich noch etwas besser als in anderen Städten. Der Fachkräfte- und Azubimangel verteilt sich laut dem Handwerkskammer-Chef aber sehr unterschiedlich auf die einzelnen Gewerbe. Berufe im technischen Bereich sowie im Bau haben einen recht guten Zulauf.

„Bei Elektrikern zum Beispiel oder bei Sanitär- und Heizungsbauern gibt es sogar leichte Zuwächse“, berichtet Peter Friedrich. Dies führt er auch auf die neue Image-Strategie der Handwerkskammern zurück. Seit einiger Zeit werben diese nämlich mit den Themen Klima und Nachhaltigkeit für ihre Berufe.

Ein Slogan der Kampagne lautet: „Ohne Handwerk kein Smart Home, keine erneuerbaren Energien, keine Wärmedämmung und keine modernen Mobilitätstechniken.“ Das scheint zu wirken.

Lebensmittelhandwerk, Frisöre und Kosmetiker haben es besonders schwer

Deutlich schwerer haben es Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk und den „körpernahen Dienstleistungen“. Bäcker, Metzger, Friseursalons und Kosmetikstudios finden laut Peter Friedrich nahezu keine Auszubildenden mehr. Die Corona-Zeit habe dieses Problem schlimmer gemacht. Denn die Betriebe konnten teilweise monatelang nicht öffnen, haben mit wirtschaftlichen Verlusten zu kämpfen und können deshalb gar keine Ausbildungsplätze anbieten.

Wegen der Pandemie und der vielen Unterrichtsausfälle habe auch bei vielen Schülerinnen und Schülern ein Umdenken stattgefunden. Einerseits mussten einige ein Schuljahr wiederholen und können deshalb keine Ausbildung beginnen. Andererseits legen viele lieber noch ein Jahr in berufsvorbereitenden Klassen drauf. Den Betrieben fehlen diese Jugendlichen.

Doch es gebe noch mehr Gründe, warum handwerkliche Berufe ein Nachwuchsproblem haben. Zum einen gibt es laut Peter Friedrich „schlicht und ergreifend weniger junge Menschen.“ Es folge ein „schwacher“ Jahrgang auf den nächsten.

Zum anderen gibt es mittlerweile deutlich weniger Geflüchtete, die eine Ausbildung beginnen. Peter Friedrich erklärt, dass die Menschen, die in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind, zum allergrößten Teil schon mit ihrer Ausbildung angefangen haben.

Das Handwerk hat in ganz Deutschland ein Nachwuchsproblem. Dabei bietet die Branche mehr Ausbildungsplätze an als je zuvor. Um die Arbeit in handwerklichen Betrieben attraktiver zu machen, rühren die Handwerkskammern kräftig die Werbetrommel. Mit großen, provokativen Plakaten in Innenstädten oder am Tag des Handwerks, der in diesem Jahr auf den 17. September fällt. Verschiedene Gewerke präsentieren sich am Samstag der Öffentlichkeit. Doch wie ist die Situation der Schorndorfer

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