Schorndorf

Fahren ohne Führerschein und Flucht vor der Polizei: Bewährungsstrafe für 39-Jährigen in Schorndorf

AmtgerichtSchoCorona
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Gleich neun unerlaubte Fahrten auf öffentlichen Straßen ohne Führerschein wurden einem mittlerweile in Berlin wohnhaften Mann vor dem Amtsgericht Schorndorf zur Last gelegt. Außerdem musste sich der griechische Staatsbürger wegen eines Fluchtversuchs vor einer Polizeikontrolle verantworten. Von März bis August 2020 wurde ein 39-Jähriger sechsmal an verschiedenen Stellen auf der B 14 und der B 29 im Rems-Murr-Kreis geblitzt. Ein weiteres Mal war er mit überhöhter Geschwindigkeit in Herrenberg von einer Radarfalle erfasst worden.

Am Ende verurteilte das Gericht den Mann, der einige Vorstrafen hat, zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung von einem Jahr und drei Monaten.

Vor der Polizei geflüchtet

Im Juni vergangenen Jahres ereignete sich sein spektakulärstes Vergehen: Als eine Polizeistreife den griechischen Staatsbürger in Schlechtbach einer Verkehrskontrolle unterziehen wollte, beschleunigte er seinen Daimler plötzlich stark und wollte das Weite suchen. Die Polizei nahm mit über 100 Stundenkilometern die Verfolgung auf. Kurz vor Michelau bog der Flüchtige mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in ein Wohngebiet ab. Die Beamten verloren den Mann kurzzeitig aus den Augen, doch entdeckten ihn kurz darauf wieder. Da ein Weiterkommen aufgrund einer Sackgasse nicht möglich war, setzte der 39-Jährige seine Flucht zu Fuß fort und wurde in unmittelbarer Nähe von den Polizisten gestellt. Dies bestätigte einer der Beamten bei einer Zeugenaussage. Weil der Mann gerötete Augen gehabt hatte, führte die Polizei einen Drogentest durch, der positiv auf Kokain ausfiel. Bei der Blutabnahme im Krankenhaus sei der Test dann allerdings negativ gewesen. Wie der Polizist in der Verhandlung erklärte, ist das jedoch üblich, da diese Droge nur wenige Stunden im Blut nachgewiesen werden kann.

Der Mann ist den Behörden schon seit längerem bekannt, wie Richterin Petra Freier anmerkte. Für eines seiner Vergehen wurde ihm vor einiger Zeit der Führerschein entzogen. Seine Vorstrafen, die bis ins Jahr 2010 zurückzuführen sind, reichen von Beleidigung über Körperverletzung bis hin zu unerlaubtem Handel mit Betäubungsmitteln. Dafür saß er bereits für kurze Zeit im Gefängnis. 2020 wurde außerdem ein Verfahren gegen ihn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorläufig eingestellt.

Für die Richterin war die Sachlage von Anfang an relativ klar, weshalb sie den Beschuldigten hauptsächlich zu seinem Privatleben befragte. 1992 sei der Mann von Griechenland nach Berlin gezogen. Seitdem war er beruflich ausschließlich in der Gastronomie tätig. In Deutschland habe er seine erste Lebensgefährtin kennengelernt, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat. 2006 gab er gemeinsam mit seiner Partnerin alles auf, um zurück nach Griechenland zu ziehen. Jedoch kehrte er nach nur einem Jahr wieder von dort zurück und musste sein Leben praktisch von vorne anfangen.

Mit einem eigenen Lokal habe er zunächst auch große Erfolge gehabt, was in die ein oder andere Feier mit Kokainkonsum mündete. Danach wechselte er seine beruflichen Tätigkeiten oft. Mal sei er angestellter Kellner, mal wieder Inhaber eines Lokals gewesen. Aufgrund der Insolvenz eines seiner Unternehmen bekam der Mann nach eigenen Angaben dann finanzielle Probleme.

Schuld eingeräumt

Im Februar 2020 eröffnete er eine Gaststätte in Rudersberg, doch die Corona-Pandemie machte dem Unternehmer einen Strich durch die Rechnung. Um über die Runden zu kommen, arbeitet er mittlerweile im Restaurant seines Bruders in Berlin. Wie hoch seine privaten Schulden sind, konnte er nicht beantworten. Aufgrund seiner schwierigen finanziellen Situation könne er außerdem keinen Unterhalt für zwei seiner Kinder bezahlen. Lediglich für das dritte Kind, das er seit kurzem mit seiner jetzigen Lebensgefährtin hat, komme er auf.

Der Rechtsanwalt des Beschuldigten erklärte, dass das laufende Verfahren bei seinem Mandanten Spuren hinterlassen habe. Auch sein Bruder in Berlin würde streng mit ihm umgehen. Deshalb räumte der Beschuldigte seine Taten vollständig ein.

Der Staatsanwalt machte derweil auf die wahrscheinlich hohe Dunkelziffer an unerlaubten Fahrten aufmerksam. Allein die Anzahl an nachgewiesenen Fällen sei ein klares Anzeichen für die Hartnäckigkeit des Beschuldigten. Deshalb fordere er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Außerdem stellte er eine mögliche Drogenabhängigkeit in den Raum. Laut Aussage der Verteidigung ist der 39-Jährige seit einigen Monaten abstinent und hat sich bereits für eine medizinisch-psychologische Untersuchung angemeldet. Zum Ende der Anhörung entschuldigte sich der Mann für seine Taten.

Das Urteil von Richterin Petra Freier fiel aufgrund der eindeutigen Faktenlage wenig überraschend aus. Der 39-jährige Grieche wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Bewährungszeitrum beträgt zweieinhalb Jahre.

Außerdem muss er 60 Stunden gemeinnützige Arbeit an seinem neuen Wohnort Berlin verrichten. Fünf Gespräche bei einer Suchtberatungsstelle und drei sogenannte Drogenscreenings, also Abstinenznachweise, fallen ebenfalls unter die Bewährungsauflagen. Von einer Geldstrafe sah das Gericht ab, da damit hauptsächlich den Kindern und der Partnerin des Mannes geschadet worden wäre.

Gleich neun unerlaubte Fahrten auf öffentlichen Straßen ohne Führerschein wurden einem mittlerweile in Berlin wohnhaften Mann vor dem Amtsgericht Schorndorf zur Last gelegt. Außerdem musste sich der griechische Staatsbürger wegen eines Fluchtversuchs vor einer Polizeikontrolle verantworten. Von März bis August 2020 wurde ein 39-Jähriger sechsmal an verschiedenen Stellen auf der B 14 und der B 29 im Rems-Murr-Kreis geblitzt. Ein weiteres Mal war er mit überhöhter Geschwindigkeit in Herrenberg

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper