Schorndorf

Fahrrad-Bus zwischen Rudersberg und Backnang

Fahrrad2Go
Fünf Räder haben im Innern Platz, weitere fünf im hydraulischen Anhänger außen. © Gaby Schneider

Backnang/Allmersbach/Rudersberg. Der bis zu 540 Meter hohe Bergrücken zwischen dem Wieslauftal und der Backnanger Bucht stellt für Radfahrer einen ziemlichen Kraftakt dar. Wer aber, beispielsweise wie Berufsschüler oder Ausflügler, nicht aufs Rad verzichten, aber seine Kräfte sparen oder nicht zu verschwitzt ankommen möchte, für den ist die neue Buslinie 393 das passende Angebot. Man kann freilich auch ohne Rad mitfahren.

Der Fahrplan der neuen Buslinie 393 zum Download (PDF)

Verschwitzt mit dem Fahrrad zum Königsbronnhof und zur Rettichkreuzung (Dimitrov-Kreisel) hochgefahren waren die Notablen im Anzug zwar nicht. Wie die Busse die Steigungen hier hinaufarbeiten mussten, spürten sie jedoch am eigenen Leibe. Und oben angekommen regnete und windete es. Während es ihm also so aufs Haupt nieselte und feuchtnass ins Gesicht wehte, witzelte der Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper denn auch gleich, es handele sich um ein „Gipfeltreffen“. Zugegeben, es gebe schwindelerregendere Höhen, aber hoch sei’s hier schon.

Nopper und andere Verantwortliche sind am Donnerstagvormittag mit zwei „Fahrrad2Go“-Bussen von Backnang über Allmersbach und vom Wieslauftal aus die rund 240 Meter auf rund 540 Meter über dem Meeresspiegel hochgefahren, um der Presse das neue ÖPNV-Angebot vorzustellen, das zum 1. August in Betrieb geht.

Sechs Wochen lang ist der Fahrrad der Fahrschein

Die neue Buslinie 393 verkehrt vorerst nur montags bis freitags und hat neben Radtouristen, Mountainbikern und Alltags-Radlern vor allem auch die vielen Schüler im Blick, die in den Berufschulzentren in Backnang und Schorndorf sowie in der Freien Waldorfschule Backnang zur Schule gehen, aber im Wieslauftal und im Allmersbacher Raum wohnen, erläuterte Nopper dieser Zeitung. „Wenn’s angenommen wird und gut läuft, entwickeln wir’s weiter und bieten Fahrten vielleicht auch am Wochenende an.“ Jedenfalls scheint die Inbetriebnahme „zielgenau zu den Sommerferien“ schon darauf abzuzielen, das neue Fahrradmitnahme-Angebot auch Ausflüglern schmackhaft zu machen, um es dann aufgrund gesteigerter Nachfrage auch aufs Wochenende ausweiten zu können. „Sechs Wochen lang wird das Fahrrad zugleich Fahrschein sein. Wer also mit dem Rad einsteigt, braucht nichts zu bezahlen für die Beförderung“, sagte Dr. Jürgen Wurmthaler, Wirtschaftsdirektor beim Verband Region Stuttgart. „Danach kostet das Fahrrad zumindest nicht zusätzlich.“

Die ganzen Sommerferien über: Fahrrad wird zum Ticket

Das „Fahrrad wird zum Ticket“-Prinzip gilt laut Wurmthaler die gesamten Sommerferien über, vom 27. Juli bis zum 10. September, und dies nicht nur auf der neuen „Fahrrad2Go“-Linie 393 Backnang–Allmersbach–Rudersberg und zurück, sondern auch auf den bereits bestehenden „Fahrrad2Go“-Linien im Rems-Murr-Kreis:

  • Linie 310 zwischen Winnenden Bahnhof und Buoch, die samstags sowie sonn- und feiertags sogar über Buoch hinaus ins Remstal zum Bahnhof Remshalden-Grunbach verkehrt, wo Umsteigemöglichkeiten in die S 2 in Richtung Stuttgart und Schorndorf bestehen;
  • die mit Fahrradsymbol gekennzeichneten Fahrten der Linie 245 zwischen Schorndorf Bahnhof (über Weiler, Rohrbronn) bis Hößlinswart; am Bahnhof Schorndorf und (teilweise) an der S-Bahn-Station Winterbach (Haltestelle „Pflegeheim“) bestehen Weiterfahrtverbindungen mit der S 2 nach Schorndorf und nach Stuttgart;
  • die Buslinie 244 verkehrt sonn- und feiertags auf der Strecke Schorndorf Bahnhof – Schornbach – Oppelsbohm; in Schorndorf ist wiederum der Anschluss zur S 2 gegeben.

Zur Weiterfahrt bieten sich bei der neuen Linie 393 montags bis freitags am Bahnhof Rudersberg die Wieslauftalbahn R 21 (Schorndorf – Rudersberg – Oberndorf) und die Buslinien 228 (Rudersberg – Welzheim) und 230 (Rudersberg – Mannenberg – Althütte) an.

Mit der Linie 393 starte man „erneut ein attraktives Angebot zur Verbindung des ÖPNV und des Radfahrens“ und leiste einen Beitrag zum Klimaschutz, sagte Dr. Peter Zaar, Verkehrsdezernent im Landratsamt Rems-Murr. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die meisten Strecken, die, auch im Rems-Murr-Kreis, gefahren werden, bis zu fünf Kilometer lang sind. Warum nicht mit dem Rad zur Bushaltestelle, mit dem Rad im Bus und am Ziel erneut mit dem Rad weiter? Zudem auch bei der Linie 393 der S-Bahn-Anschluss gegeben sei.

Flyer zu den Linien liegen in Bussen und Rathäusern aus

Zaar verwies beim Presse-Termin auf den neuen Flyer zu den „Fahrrad2Go“-Linien im Kreis. Er liege sowohl in den Bussen als auch in den Rathäusern und im Landratsamt aus. Darin wird nicht zuletzt auch die Funktionsweise des absenkbaren Heckträgers und der Fahrradhalterungen in den Bussen beschrieben. Hie wie dort, innen wie außen, haben fünf Räder Platz.

„Fahrradmitnahme im Linienbus funktioniert. Das ist die wichtigste Erkenntnis von Fahrrad2Go“, sagte Regionaldirektor Dr. Wurmthaler. „Der Region Verband Stuttgart freut sich, dass er durch seine Förderung in Höhe von 240 000 Euro aus dem regionalen Programm für nachhaltige Mobilität Geburtshelfer werden konnte.“

In elf Minuten von Allmersbach in Rudersberg

Freudig zufrieden zeigten sich auch die Bürgermeister der beiden anderen beteiligten Kommunen. Der Rudersberger Martin Kaufmann versprach dem Kollegen Nopper: „Unsere Schüler werden auch für die Wirtschaftskraft von Backnang etwas tun, sei es durch den Kauf von Weckle oder Café-To-Go.“ Der Allmersbacher Ralf Wörner: „Edmund Stoiber hat über ein mittlerweile legendäres Verkehrsprojekt (Transrapid, Anm. d. Red.) mal gesagt: Sie steigen in München in den Bahnhof ein und sind in zehn Minuten am Flughafen. Wir haben unser Projekt zustande gebracht und hier können wir tatsächlich sagen, wir sind in zehn, rund elf Minuten von Allmersbach in Rudersberg.“