Schorndorf

Faire Woche in Schorndorf: Weltladen "El Mundo" mit Modenschau in der Manufaktur

ModenschauManufaktur
Auch die reifere Jugend präsentiert mit lässig eleganter Power fairen Chic: Hier die El-Mundo-Mitarbeiterinnen Ulrike Gruner (links) und Elisabeth Prohaska. © Gaby Schneider

Geht das denn? Ein ernstes Thema auf eine lockere, unterhaltsame, ja geradezu fröhliche Art an die Leute zu bringen? Aber ja! Dem Weltladen El Mundo ist das jedenfalls mit einer Veranstaltung über fair produzierte Mode gelungen. Und die über 150 Besucher der Präsentation in der Manufaktur waren mehr als begeistert.

Ins Schwärmen kam denn danach auch Ingrid Bolay vom El Mundo. „Da war großartige Stimmung. Das war sehr unterhaltsam!“ Eine etwas andere Modenschau also vor dem Hintergrund eines aus Europa ausgelagerten Elends. Nämlich die Produktionsbedingungen besonders für Frauen und Kinder in Ländern wie Indien oder Pakistan, in Südamerika oder in vielen afrikanischen Staaten. Kaum eine Produktgruppe steht für so lange und weit verzweigte Lieferketten wie die der Modebranche, die zudem jährlich, wie in der Manufaktur zu erfahren war, jährlich mehr als 10 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht. Dazu kommt die meist miserable Bezahlung der Näherinnen unter indiskutablen Arbeitsbedingungen, samt daraus folgenden ökologischen und sozialen Problemen.

„Die Modenschau als positive Aktion“ gegen die Negativität der Probleme

„Es geht auch anders!“ Dazu rief diese inspirierte Info-Modenschau auf, nämlich „mit Mode aus kontrolliertem fairen Handel“. Mit diesem Thema, konventioneller Textilproduktion und zertifizierter bio-fairer Mode, hatten sich Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule Engelberg mit ihren ebenfalls engagierten Lehrern im Unterricht beschäftigt. In diesem Projekt haben sie zudem das Workshop-Angebot des Weltladens mit dessen Bildungsreferentin Olinda Herzel genutzt, die den Abend denn auch informativ moderierte. Und so sah man 30 Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule mit einigen Lehrern als Models auf dem aus einem pinkfarbenen Teppich bestehenden Laufsteg mit sprühender Lust und viel Fantasie die fairen Kleidungsstücke vorführen. Begleitet von rhythmisch akzentuierter Weltmusik, die das Publikum zum motivierenden Mitklatschen verführte. Dazu gab es originelle Auftritte der Lehrer mit Gartenhandschuhen und Schubkarre, Jonglage und ein Model in einer Hängematte des Weltladens zu sehen.

Sich nicht lähmen lassen von der Negativität der Probleme, sich nicht nur kritisches Wissen aneignen: Es ging den Kids auch darum, wie Ingrid Bolay sagte, „mit der Modenschau als positiver Aktion“ ein Zeichen zu setzen und selbst etwas zu tun.

Anwesend bei der Veranstaltung war auch Gabi Ludwig, die als Importeurin ausschließlich Firmen oder Organisationen mit fair produzierten Textilien unterstützt. Etwa die „Global Mamas“ aus Ghana. 2004 von sechs Personen gegründet, besteht die WFTO-zertifizierte Gruppe inzwischen aus 400 Frauen in neun verschiedenen Gemeinden, die von Hand bedruckte und gebatikte Bio-Baumwollkleidung einzeln genäht, weshalb jedes Stück handsigniert ist.

Ein anderes Beispiel ist „Amauta“ aus Bolivien. Ein Unternehmen aus Familien von Kunsthandwerkern, die mit manuellen Handstrickmaschinen hochwertige Alpaka-Bekleidung herstellen. All diese Artikel sind im El Mundo vorrätig und zu kaufen.

Und wie halten es die traditionellen Bekleidungsgeschäfte in Schorndorf mit dem fairen Handel? Die Antworten geben zu erkennen, dass dieses Thema nicht verdrängt wird, sondern sich allmählich doch durchzusetzen scheint. So zieht Carl Schill vom Modehaus Schill am Marktplatz auf unsere Frage eine schicke, helle Anorak-Jacke aus dem Kleiderständer und zeigt auf ein dort angebrachtes Kärtchen, das anzeigt, dass das Teil aus 100 Prozent recyceltem Polyester besteht. „So was kommt immer mehr“, sagt der Geschäftsinhaber. Auch macht er die Erfahrung: „Die jüngere Generation guckt immer mehr darauf.“ Offensive Werbung für nachhaltige Fair-Trade-Produkte macht sein Haus indes nicht.

Auch in traditionellen Modegeschäften scheint sich Fair Trade durchzusetzen

Sehr des Themas und seiner Brisanz bewusst zeigt sich indes Martina Buckenmaier, Chefin von „Riani“, mit ihren beiden distinguierten Mode-Filialen in der Höllgasse. „Wir sind schon sehr lange nachhaltig unterwegs“, erklärt sie. Dazu gehören auch in ihrem Haus Textilien aus wiederverwendeten Materialien. „Und wir merken, dass das immer mehr angenommen wird. Das Angebot wird größer.“ Und dann erzählt sie noch von einer Kundin, die zu ihr sagte: „Schauen Sie sich mein Leinenkleid an, das trage ich schon seit 30 Jahren!“ Martina Buckenmaier: „Auch das ist Nachhaltigkeit!“

Rianis Firmenphilosophie: „In Zeiten des Klimawandels steht für uns neben inspirierender und tragbarer Mode ebenso eine faire Herstellung an erster Stelle, um die Kollektionen nachhaltiger und umweltfreundlicher zu produzieren.“

Geht das denn? Ein ernstes Thema auf eine lockere, unterhaltsame, ja geradezu fröhliche Art an die Leute zu bringen? Aber ja! Dem Weltladen El Mundo ist das jedenfalls mit einer Veranstaltung über fair produzierte Mode gelungen. Und die über 150 Besucher der Präsentation in der Manufaktur waren mehr als begeistert.

Ins Schwärmen kam denn danach auch Ingrid Bolay vom El Mundo. „Da war großartige Stimmung. Das war sehr unterhaltsam!“ Eine etwas andere Modenschau also vor dem Hintergrund

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper