Schorndorf

Flüchtlingsfrau: Fitnesscenter verwehrt Mitgliedschaft

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Entscheidet über Wohl und Wehe der Menschen, die als Migranten oder Flüchtlinge ins Land kommen: Der Aufenthaltstitel. © Palmizi/ZVW (Montage)

Schorndorf. Auch Flüchtlinge wollen fit bleiben. Doch ihr Aufenthaltsstatus macht ihnen dabei bisweilen Probleme. Nur wenige haben nämlich einen Titel, der für länger als ein Jahr gültig ist. Doch manche Fitness-Center wollen am liebsten Jahresverträge abschließen. Und möglichst wenig Risiken eingehen. Ein kleines Lehrstück über den Alltag der Integration und die Mühen der Ebene.

Antonia F. (Name geändert) hat einiges dafür getan, um in Deutschland bleiben zu dürfen. Die junge Frau aus Westafrika kam als Asylbewerberin ins Land, hat Deutsch gelernt – und absolviert mittlerweile eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Über ihren Antrag wurde noch nicht abschließend entschieden.

Doch selbst für den Fall, dass dieser am Ende abgelehnt wird, darf sie vorerst bleiben. Dies hat sie der sogenannten 3-plus-2-Regelung zu verdanken, die 2016 mit dem neuen Integrationsgesetz in Kraft getreten ist. Und die besagt, dass Flüchtlinge, die eine Ausbildung beginnen, für diese Zeit sowie weitere zwei Jahre Berufstätigkeit einen Aufenthaltsstatus bekommen – und zwar unabhängig vom Ergebnis des Asylbescheids.

Fitness-Center verlangte nach Aufenthaltstitel von einem Jahr

Im Grunde darf die junge Frau also, Durchhaltekraft vorausgesetzt, erst einmal sicher in Deutschland bleiben. Mitglied im Fitness-Center zu werden, das gelang ihr aber nicht ohne weiteres. Denn der Anbieter, bei dem ihre Freundin bereits trainiert, und bei dem sie sich um einen Jahresvertrag bemühte, war damit nicht einverstanden. Ohne eine Aufenthaltserlaubnis, die mindestens ein Jahr gilt, mache er keine Verträge, so die Begründung des Geschäftsführers. Weder der Ausbildungsvertrag noch der Vorschlag, den kompletten Jahresbeitrag vorab zu bezahlen, konnte ihn vom Gegenteil überzeugen.

Nicht allen Flüchtlingen ergeht es so, wie Uta Panke vom Zentrum für internationale Begegnungen (ZiB) weiß. Doch bei jenen, die noch im Asylverfahren sind, die nur mit Duldung hierbleiben dürfen oder lediglich subsidiären Schutz genießen, könne das durchaus vorkommen.

Unternehmer sind im Zweifel lieber vorsichtig

Letztere bekommen zunächst einen Aufenthaltsstatus von einem Jahr, bei den anderen beiden sind die Fristen deutlich kürzer. Was nicht nur langfristige Verträge, sondern auch reguläre Beschäftigung und damit auch ein geregeltes Einkommen erschwert. Dass da ein Unternehmer im Zweifel lieber Vorsicht walten ließe, könne sie durchaus verstehen. „Das wäre für mich auch viel zu heiß, da einen Jahresvertrag zu machen.“ Allerdings kenne sie eine Reihe von Flüchtlingen, die problemlos einen Vertrag bekommen haben. „Das ist aber immer eine Frage des Titels.“

Klagen über gezielte Diskriminierung seien im ZiB bislang jedenfalls noch nicht aufgelaufen. Und auch über die Sportvereine der Stadt hat sie noch nichts Negatives gehört. Im Gegenteil: Ihrer Erfahrung nach hätten diese sich bislang redlich bemüht, Flüchtlinge für sich zu gewinnen.

Wohnung, Arbeit, Verträge - kurze Aufenthaltstitel sind ein Hindernis

Es bleibt jedoch die Problematik der kurzen Aufenthaltstitel, von denen ein großer Teil der Flüchtlinge betroffen ist. Die können im Alltag schnell zur Hürde werden: bei der Suche nach Wohnung und Arbeit, bei der Mitgliedschaft in einem Verein oder beim Abschluss von Verträgen.

Wie viele im Moment davon betroffen sind, dokumentieren aktuelle Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr wurden demnach stark 600 000 Asylentscheidungen getroffen. Ein Großteil davon hatte sich noch aus dem Vorjahr aufgestaut. In lediglich 21,2 Prozent der Fälle wurde auf eine Rechtsstellung als Flüchtling (und damit eine auf mehr als ein Jahr ausgestellte Aufenthaltsgenehmigung) entschieden.

16,3 Prozent hingegen erhielten einen subsidiären Schutz (der zunächst auf ein Jahr ausgestellt wird). 6,6 Prozent wurden abgelehnt, aufgrund der Situation im Herkunftsland jedoch vorerst geduldet (ein Status, der in der Regel alle drei Monate erneuert werden muss).

In 38,5 Prozent der Fälle wurde der Antrag als unbegründet abgelehnt. In 18,1 Prozent der Fälle wurden lediglich formale Entscheidungen getroffen.

Die Mehrheit der Flüchtlinge hat einen unsicheren Status

Sprich: Mehr als jeder zweite Asylbewerber, über dessen Anliegen im letzten Jahr bundesweit entschieden wurde, hat demnach einen Aufenthaltsstatus von maximal einem Jahr, in vielen Fällen sind es weniger. Im Alltag dürfte es daher nicht wenigen ähnlich ergehen wie Antonia F.

Die junge Frau aus Westafrika hatte am Ende übrigens doch noch Erfolg. Mit der Unterstützung deutscher Flüchtlingshelfer konnte der Betreiber des Fitness-Studios schließlich zum Einlenken bewegt werden.

Im Rems-Murr-Kreis gab es Stand Ende September 2017 7450 Flüchtlinge.

Diese teilen sich laut Angaben des Landratsamtes auf in 2490 Gestattete (Asylbewerber im laufenden Verfahren), 910 Geduldete (Personen, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die deshalb ausreisepflichtig sind) sowie 4050 Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis (dazu zählen auch jene mit Abschiebeverbot und subsidiärem Schutz).