Schorndorf

Flexibles Bussystem kurz vor dem Start

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Erst bestellen und dann an einer Haltestelle oder an einem der vielen virtuellen Haltepunkte einsteigen: So funktioniert das flexible Bussystem, das vom 10. März an neun Monate lang in der Schorndorfer Südstadt erprobt wird. © Grbic-Bebop Media
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Die Macher hinter dem Projekt: Diana Gallego, Projektkoordinatorin seitens der Stadt, der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Baurecht, Manfred Beier, und Projektkoordinator Matthias Klötzke vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (von links). © Gabriel Habermann

Schorndorf. Zwei Jahre lang ist im Rahmen des Reallabors getüftelt und daran gearbeitet worden, ein flexibles Bussystem zu installieren, demnächst ist es so weit: Am Samstag, 10. März, startet in der Südstadt der neunmonatige Praxistest mit den zwei bereits seit längerem verkehrenden Kleinbussen, die dann aber jeweils zwischen Freitagnachmittag, 15 Uhr, und Sonntagabend nur noch auf individuelle Anforderung hin fahren.

Was in der Praxis bedeutet, dass es im genannten Zeitraum und Testgebiet – die Kleinbusse verkehren im Bereich der regulären Linien 247 und 242 – nicht mehr genügt, sich einfach an eine der insgesamt 46 regulären Haltestellen in der Südstadt zu stellen und auf den im klassischem Fahrplan verzeichneten Bus zu warten, sondern dass der Bus gerufen werden muss. Der Bus fährt also nur noch dann, wenn er tatsächlich gebraucht wird, was zunächst einmal bedeutet, dass unnötige Leerfahrten vermieden werden. Die Busbestellungen erfolgen über den Heimcomputer oder die Handy-App, wobei beide Vorgänge über die reguläre VVS-Plattform abgewickelt werden.

Über die App oder das Telefon

Weil das neue Bussystem aber nicht nur die technik-affinen Bürgerinnen und Bürger ansprechen und erreichen soll, gibt es auch die Möglichkeit, den Bus von zu Hause aus übers ganz normale Telefon zu ordern. Außerdem haben sich insgesamt 14 Institutionen, Organisationen, Restaurants und Cafés im Testgebiet bereiterklärt, den flexiblen Kleinbus bei Bedarf für ihre Kunden und Gäste zu bestellen. Wer in der Lage ist, den Bus via PC oder Handy zu bestellen, ist insofern im Vorteil, als er/sie eine Rückmeldung bekommt, wann und wo der Bus genau ankommt beziehungsweise abfährt. Wo deshalb, weil es in den nächsten neun Monaten in der Südstadt zusätzlich zu den 46 Haltestellen etwa 200 virtuelle Haltepunkte gibt, an denen ein- und ausgestiegen werden kann. Dadurch verkürzen sich die Laufwege von bislang durchschnittlich 500 auf dann nur noch 150 bis 200 Meter. Demgegenüber haben Telefonbesteller, die ja nicht in jedem Einzelfall zurückgerufen werden können, zwar Einfluss auf den Faktor Zeit, nicht aber auf den Abholpunkt: Sie sind weiterhin auf die klassischen Haltestellen angewiesen.

„Es kann gut sein, dass es am Anfang mal hakt“

Kostengünstig, umweltschonend, bedarfsorientiert: Das sind aus Sicht von Matthias Klötzke, Projektkoordinator vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die hervorstechenden Merkmale des neuen Systems mit den beiden flexibel verkehrenden Kleinbussen, von denen einer barrierefrei ist und speziell angefordert werden kann. Wobei sich Klötzke nichts vormacht: „Das ist eine große Herausforderung, und da kann es durchaus sein, dass es am Anfang mal an der einen oder anderen Stelle hakt.“ Andererseits dürften die Schorndorfer stolz darauf sein, „Teil einer echten Innovation“ zu sein, weil es flexible Bussysteme zwar hie und da schon gebe, in der Regel bislang aber nur in dünn besiedelten Regionen mit schwacher Nachfrage. Eines ist Matthias Klötzke und der Projektkoordinatorin bei der Stadt Schorndorf, Diana Gallego, aber auch wichtig zu betonen: „Wir machen keine Tür-zu-Tür-Versorgung wie ein Taxi-Unternehmen.“

Noch nicht klar, wie es weitergeht

Wie es nach dem neunmonatigen Versuch mit dem Busverkehr in Schorndorf weitergeht, das wissen Diana Gallego und der Leiter des städtischen Fachbereichs „Stadtentwicklung und Baurecht“, Manfred Beier, heute noch nicht. Vermutlich gilt dann erst einmal wieder der alte Zustand, sagt Beier unter Verweis darauf, dass das flexible Bussystem ja nicht Bestandteil der gerade erst für acht Jahre an die Firma Knauss erfolgten Linienbündelvergabe ist. Da bedürfe es dann sicher erst einmal intensiver Verhandlungen, bei denen es nicht zuletzt um Geld gehen dürfte. „Es wäre schade, wenn es bei einem System, das gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt worden ist, beim Versuch bleiben würde“, meint Diana Gallego, die noch ein paar Testpersonen sucht, die bereit sind, den Reallabor-Bus über neun Monate hin regelmäßig zu nutzen und dem Projektteam immer mal wieder über ihre Erfahrungen zu berichten. An der Stadtinfo gibt es Teilnahmekarten, Interessierte können sich aber auch direkt bei der Projektkoordinatorin unter diana.gallego@schorndorf.de oder telefonisch unter 07181/602-1529 melden.


Kurzstreckentarif

Über den Tarif, darauf weist der VVS ausdrücklich in einer Pressemitteilung hin, brauchen sich die Fahrgäste keine Gedanken zu machen: Bei einer Fahrt mit einem der beiden Reallabor-Busse gilt grundsätzlich der VVS-Kurzstreckentarif von 1,40 Euro. Und natürlich werden auch Zeitkarten weiterhin anerkannt.


Info

Am Freitag, 2. März, 18.30 Uhr, findet im Rathaus eine Bürgerinformationsveranstaltung zum flexiblen Bussystem statt – mit Erläuterungen und praktischen Vorführungen zu den Bestellvorgängen.