Schorndorf

Flexibles Bussystem läuft aus – vorläufig oder für immer?

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Bald verschwindet er wieder aus dem Stadtbild, der Reallabor-Bus, um den es viele kritische Diskussionen gegeben, der aber viele Befürworter und Freunde gefunden hat. Archivfoto: Schneider © Gaby Schneider

Schorndorf. Noch fahren sie am Wochenende, die beiden Reallabor-Busse. Aber mit dem Fahrplanwechsel im Dezember ist Schluss mit den kleinen Bussen, die nur auf Anforderung kommen, dafür aber im Idealfall fast vor der Haustür halten. Vorübergehend oder nur für immer? Über die Erfahrungen mit dem Projekt „Bus auf Bestellung“ und über die Perspektiven wurde im Technischen Ausschuss diskutiert.

Eigentlich sollte es noch einmal ein Zwischenbericht werden, aber es wurde schon so etwas wie ein vorläufiger Abgesang auf das Experiment, dessen Ausgangslage der Leiter des städtischen Fachbereichs „Stadtplanung und Baurecht“, Manfred Beier, so beschrieb: „Wir waren nicht auf der Suche nach dem Optimum, sondern wir haben etwas gewagt und ständig dazugelernt und jeweils entsprechend reagiert.“

Zum Beispiel mit der Einschränkung der Zeiten, in denen die beiden kleinen Busse im Einsatz waren. Zunächst einmal verkehrten sie von Freitagnachmittag bis Sonntagabend, dann – mit Rücksicht auf die Pendler am Freitag und die Marktbesucher am Samstag – erst von Samstagnachmittag an. Mit der von Projektbetreuerin Diana Gallego Carrera beschriebenen Folge, dass die Reallaborbusse je Wochenende zunächst von rund 350 Personen und zuletzt noch von 180 Personen gebucht wurden. Und zwar zu 66 Prozent über die Handy-App, zu 32 Prozent übers Telefon und nur zu zwei Prozent über den Internetzugang des VVS.

Flexibler Bus = Modell für die Zukunft?

Als „Antwort auf die Zukunft“ hat im Technischen Ausschuss SPD-Stadtrat Klaus Reuster das flexible System bezeichnet, bei dem der Bus nur dann und nur dorthin fährt, wenn und wo er tatsächlich benötigt wird. „Es wäre schön, wenn wir die kleinen Busse für die Schwachlastzeiten jetzt schon behalten könnten“, meinte der CDU-Fraktionsvorsitzende Hermann Beutel, wohl wissend, dass vielen älteren Menschen die festen Linien mit Abfahrtszeiten, die sie meist im Kopf haben, lieber sind. Gleichwohl stellte Beutel ganz grundsätzlich fest: „Man muss das immer wieder loben, was wir hier anstellen.“

Das sieht auch sein SPD-Kollege Thomas Berger so, für den der flexible Bus mit Blick auf die Zukunft vor allem auch ein Modell fürs autonome Fahren ist. Und für eine Generation, die in dieses System hineinwächst, weil sie mit mobilen Geräten und damit auch mit dem Bestellsystem über eine App vertraut ist. „Wenn’s mit dem flexiblen Bussystem nicht weitergehen sollte, müssen wir erst recht Maßnahmen ergreifen, um den Busverkehr attraktiver zu machen“, meinte Grünen-Stadtrat Wilhelm Pesch, für den es zum Beispiel ein Unding ist, wie schwer sich die Busfahrer tun, sich zwischen Postturm und Karlsplatz in den fließenden Verkehr auf der Rosenstraße hineinzuquälen.

"Es kommt für die Leute zu bald"

Bei Heinz-Jürgen Kopmann, der das Seniorenforum im Ausschuss vertritt, hält sich die Begeisterung für das flexible Bussystem noch sehr in Grenzen. „Man müsste auch die Motive derer erfragen, die den Bus bewusst nicht nutzen“, meinte er im Hinblick auf die bevorstehende Auswertung der Daten und bekannte, es sei seine „größte Sorge, eine Kategorie von Abgehängten zu produzieren“. Anders gesagt: „Wir müssen überlegen, wie wir diese Menschen mitnehmen können.“ Das Optimum für die Stadt jedenfalls könne das, was jetzt im Rahmen des Reallabors erprobt worden sei, nicht sein. In jedem Fall, so CDU-Stadtrat Matthias Härer, müsste, wenn das Reallabor irgendwann in irgendeiner Form eine Fortsetzung finde, „das Buchungssystem besser zugänglich gemacht werden“.

Ganz so pessimistisch und kritisch wie Kopmann sieht FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer das System „Bus auf Bestellung nicht. „Ich glaube schon, dass das die Zukunft ist, aber es kommt für die Leute zu bald“, meinte Hofer auch mit Blick auf das Busunternehmen Knauss, das in Schondorf unterwegs sei und das seine Flotte nicht von heute auf morgen von den großen auf kleine Busse umstellen könne.

Rückkehr des Systems nicht ausgeschlossen

„Wir müssen froh sein, dass die Firma bei dem Projekt überhaupt so toll mitgemacht hat“, ergänzte Manfred Beier und ließ keine Zweifel daran, dass mit dem bevorstehenden Fahrplanwechsel auch im Testgebiet Südstadt wieder die großen Linienbusse durch die teilweise sehr engen Wohnstraßen fahren. Dann werde und müsse sich zeigen, wie gut der reguläre Linienverkehr im Vergleich zum Reallabor angenommen werde, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der nicht ausschließen will, dass sich schon im Januar viele Nutzer nach dem flexiblen System zurücksehnen.

Das vorläufige Fazit von Diana Gallego Carrera, die das Projekt auf städtischer Seite betreut hat, fällt so aus, dass sich so ein flexibles System für Randzeiten mit einer überschaubaren Nutzerfrequenz auf jeden Fall lohnt. Weil weniger Kilometer gefahren würden und das System insgesamt ressourcenschonender sei. Und natürlich sei das System umso attraktiver, je mehr Fahrzeuge im Einsatz seien, meinte die Projektbetreuerin in Anspielung darauf, dass während der Reallabor-Phase aus Budgetgründen am Sonntag jeweils nur ein Fahrzeug im Einsatz war. Was hie und da dazu geführt hat, dass eine Busanforderung auch mal nicht bedient werden konnte.


Ausstellung geplant

Offiziell läuft das Reallabor-Projekt bis zum 31. Januar 2019. Weil diese Zeit aber nicht ausreichen dürfte, um alle Daten und Erkenntnis auswerten zu können, ist von Seiten der Beteiligten, zu denen unter anderen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Hochschule Esslingen gehören, beim zuständigen Wissenschaftsministerium eine dreimonatige Verlängerung beantragt worden.

Ungeachtet dessen ist für den 29. Januar eine Abschlussveranstaltung geplant, in deren Rahmen auch eine kleine Ausstellung – unter anderem mit Modellen zur künftigen Fahrzeugkonzeption – eröffnet werden soll.