Schorndorf

Foto-Geschäft im Verordnungs-Chaos - Andreas Erdmann aus Schordorf übt Kritik an der Politik

Ringfoto
Andreas Erdmann in seinem Studio für Passfotos. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Menschen seien von dem vielen Hin und Her der Politik verunsichert, so Andreas Erdmann, der in Schorndorf ein Foto-Geschäft führt. Doch der Betrieb in seinem und anderen Geschäften geht weiter, zumindest vorerst. Doch wie steht es eigentlich um das Geschäft mit Passbildern und Bewerbungsfotos? Ein Gespräch mit Erdmann offenbart die teils komplexen Details der Corona-Verordnung.

„Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig“, sagt Andreas Erdmann über die Situation seines Geschäftes. Problematisch sei zuletzt vor allem das fehlende Weihnachtsgeschäft gewesen. Echte Existenzangst habe er derzeit nicht, doch vor einigen Monaten sei das auch mal anders gewesen.

„Ich bin von der Politik enttäuscht“, sagt er. Derzeit könne man sehen, warum eine „Staatswirtschaft“, wie Erdmann sagt, nicht funktioniert. Bei den Masken und den Impfungen könne man dies beispielhaft sehen. Es gehe schlicht nicht schnell genug.

Was ist erlaubt?

Ein Problem außerdem: Viele wissen überhaupt nicht mehr, was noch erlaubt ist und was nicht. Erdmann darf derzeit beispielsweise trotz Pandemie Pass- und Bewerbungsfotos oder ganze Shootings machen. Doch vielen Kunden sei dies gar nicht bewusst.

Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Auch Erdmann muss sich in die neusten Regeln immer wieder neu einlesen. Besonders skurril sei in seiner Branche etwa gewesen, dass manche vergleichbare Geschäfte weiterhin offen hatten, weil sie als Handwerksunternehmen geführt werden. Er als Handelsunternehmen aber habe zumachen müssen, etwa zum Start des zweiten Lockdowns. Erdmann sagt: „Die Leute sind verunsichert.“ Er verschicke regelmäßig Newsletter und aktualisiere die Infos auf seiner Homepage entsprechend den neusten Regeln. Doch kaum seien seine Kunden wieder auf dem neusten Stand, schon gebe es wieder die nächste Änderung.

Der Alltag im Laden geht weiter

Der 55-Jährige macht es derzeit wie viele Händler. In seinen Laden können die Kunden nicht nur zu einem vorher vereinbarten Termin kommen, sie dürfen auch spontan kommen. An der Türe müssen sie ihre Daten abgeben, dann kann es losgehen. Zumindest wenn nicht schon die erlaubte Höchstzahl an Kunden im Laden erreicht ist. In Erdmanns Fall sind es drei Kunden, die zeitgleich kommen dürfen. Meist müsse man nicht einmal vor der Türe warten, die Kundenfrequenz in seinem Laden sei nicht besonders hoch. Im Alltag laufe also vieles weiter wie bisher.

Doch wie lange er den Laden offenlassen darf und es so wie derzeit weitergehen kann, da will Erdmann lieber keine Prognose abgeben. „Die Zahlen springen hin und her“, sagt er. Als Händler schaut er regelmäßig vor allem auf die Sieben-Tages-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis. Sollte hier der Wert über 100 steigen, dann kann Erdmann nur noch einen Abholservice anbieten. Am Mittwoch, 24. März, liegt der Wert bereits bei bedrohlichen 91.

Verärgert ist Erdmann über die Kurzfristigkeit von Beschlüssen. Die Information, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen, sei beispielsweise viel zu knapp gekommen. Man müsse ja schließlich auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rechtzeitig informieren. „Es gibt keine Planbarkeit“, sagt er.

Durch die Corona-Krise sei er bislang einigermaßen glimpflich gekommen, weil er breit aufgestellt sei, so der Händler. Er hat einen eigenen Online-Shop und verkauft etwa auch gebrauchte Kameras über Ebay. Auf dem digitalen Weg habe er bereits einige Neukunden gewinnen können. Das Ladengeschäft sei zwar immer noch die Basis, aber nicht mehr „kriegsentscheidend“, wie Erdmann sagt.

Fachgeschäfte wie seines gebe es nur wenige, er spricht selbst von einer kleinen Branche. Er sei ein Spezialist. Sein Online-Shop sei in erster Linie ein digitales Schaufenster. Hochpreisige Kameras, etwa für 1200 Euro, wollen viele seiner Kunden erst nach einer ausführlichen Beratung kaufen. Ausschließlich auf Internetbewertungen wollen sich viele nicht verlassen. Hier habe der Fachhändler eine wichtige Funktion. „Das ist eine Chance“, sagt er.

Corona als Katalysator

„Corona ist Brandbeschleuniger und Katalysator in einem“, sagt Erdmann. Der Unternehmer ist der Überzeugung: „Händler, die nichts online machen, können mittelfristig nicht überzeugen“, sagt er. Praktisch alle Altersklassen bewegten sich heute im Netz, da müsse man deshalb eben auch als Unternehmer hin. Inzwischen ist er auch in den sozialen Medien, wie Facebook und Instagram vertreten. Er sei selbst überrascht gewesen, wie viele Menschen er dort beispielsweise mit einem sogenannten Unboxing-Video, in dem er neue Kameras auspackt und zeigt, erreicht hat. Doch auf diese Weise könne er auch Menschen aus dem Umland auf sich aufmerksam machen. Erdmann hofft, mit seiner Strategie glimpflich durch die Krise zu kommen.

Die Menschen seien von dem vielen Hin und Her der Politik verunsichert, so Andreas Erdmann, der in Schorndorf ein Foto-Geschäft führt. Doch der Betrieb in seinem und anderen Geschäften geht weiter, zumindest vorerst. Doch wie steht es eigentlich um das Geschäft mit Passbildern und Bewerbungsfotos? Ein Gespräch mit Erdmann offenbart die teils komplexen Details der Corona-Verordnung.

„Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig“, sagt Andreas Erdmann über die Situation seines Geschäftes.

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