Schorndorf

Fotos, die Geschichten erzählen

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Dorothee Beierl und Irmgard Fischer (von links), die beiden Vorsitzenden des Museumsvereins Remshalden vor einem Banner in der Sonderausstellung: Private Fotos, die Dorf- und Weltgeschichte darstellen. © ZVW

Remshalden. Die aktuelle Sonderausstellung im Museum Remshalden taucht tief ein in das fotografische Gedächtnis der Gemeinde. Ausgestellt sind private Bilder aus dem Fundus des Museums, aber auch speziell für die Ausstellung zur Verfügung gestellte Aufnahmen. Sie sprechen besonders zu denen, die Erinnerungen damit verbinden, erzählen aber auch für Außenstehende Geschichte und Geschichten.

Video: Die Sonderausstellung "Fotografien aus dem Museumsarchiv - Das Private Leben"

70 Bilder aus sieben Jahrzehnten hängen derzeit im oberen Stockwerk des Museums Remshalden. Einzelne der Aufnahmen sind mit Exponaten ergänzt. So gibt es zum Beispiel ein Bild von einer Taufe aus dem Jahr 1940, bei der die Taufpatin, zwei Zwillinge im weißen Taufgewand auf dem Arm hält. Eines der Original-Kleider ist davor ausgestellt. An anderer Stelle liegt das Täschchen, das zum Kleid einer Braut gehörte und der Zylinder des Bräutigams.

Diese Dinge machen die Fotoausstellung zusätzlich plastisch. Aber wer sich auf die Bilder einlässt und sich Zeit nimmt, der kann auch so das Leben vergangener Zeiten daraus spüren. Es sind Bilder von besonderen Ereignissen im Leben der Menschen, wie Hochzeit, Taufe oder Konfirmation, aber auch von Festen unabhängige Familienfotos. Außerdem gibt es noch die Rubrik „Kindheit und Jugend“. Ein besonders schönes Foto aus den 1930er Jahren haben die Ausstellungsmacher vom Museumsverein großformatig als Plakat aufgehängt: Vier fröhliche Kinder auf dem Rücken eines kraftvollen Pferdes. Es ist von erstaunlicher Qualität, voller Lebendigkeit und doch arrangiert wie ein Kunstwerk.

Eingeweihte kennen die Geschichten zu den Fotos

Überhaupt haben die Ausstellungsmacher insgesamt Material von hoher Qualität vorgefunden. Es sind keine Schnappschüsse von Laien, mit billigen Kameras gemacht, die Bilder sind die Arbeit von Profis.

Ältere Remshaldener werden viele bekannte Gesichter entdecken, sie kennen auch die Geschichten dazu. Etwa die vom Haus Bimini in Bouch. Dort lebte Emma von Pfister, eine Verwandte der Familie des Süßwarenherstellers Stollwerk. Zu ihr pilgerten die Kinder nach der Sonntagsschule, denn es gab dort Schokolade für alle. Ein Bild in der Ausstellung zeigt die Hausherrin im Kreis der Kinder, im Hintergrund steht ein ausgestopfter Fuchs: In einem Korb trug das „Füchsle“ immer die Schokolade, erzählt Irmgard Fischer, die Vorsitzende des Museumsvereins.

Für andere Fotos, über die nicht so viele Details bekannt sind, hofft der Museumsverein auf die Mithilfe und Beteiligung der Ausstellungsbesucher. Denn die Intention der Ausstellung ist es auch, Rückmeldungen zu den Fotos zu bekommen und fehlende Daten und Namen ergänzen zu können. Dazu liegen Hefte aus, in denen die Fotos mit Zahlen abgebildet sind. Viele Besucher haben dort schon die Namen von Personen nachgetragen, die sie kennen.

Aber nicht nur für Eingeweihte kann die Ausstellung interessant sein. Die Fotos bilden Gesellschaft und Zeiten ab. Auch da hilft das Zusatzmaterial, wie etwa die Rechnung für eine Hochzeitsfeier im Hirsch in Grunbach aus dem Jahr 1905: Elf Essen für 36,30 Mark. Ein Paar Bratwürste für 30 Pfennig. Wein, drei Liter Grunbacher, ein halber Liter Schnaiter für 2,40 Mark.

Teil der Ausstellung sind außerdem Fotos aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs und Zeichnungen von Gustav Adolf Knödler, einem in Grunbach geborenen Kunstmaler, der seine Beobachtungen aus dem Krieg festgehalten hat.

Dazu gibt es besondere Verbindungen zu entdecken. Der Mann, der mit gepflegtem Schnauzer und Krawatte neben seiner Braut auf dem Hochzeitsfoto von 1907 hockt, findet sich auf einem Familienfoto aus der Zeit des Ersten Weltkriegs wieder, in Felduniform und mit Vollbart: David Frank aus Buoch. Links auf dem Familienfoto steht ein Junge: Hermann Frank. Direkt daneben ein weiteres Familienfoto aus der ersten Hälfte der 1940er Jahre. Darauf: Wieder Hermann Frank, jetzt erwachsen, als Familienvater und seinerseits in Uniform. In solchen Details ist nicht nur Grunbacher, sondern auch Weltgeschichte aus den Familienfotos herauslesbar.

Das Museum

Das Museum Remshalden befindet sich im historischen Kern des Remshaldener Ortsteils Grunbach in der Schillerstraße 48. Betrieben wird es vom Museumsverein.

Es ist jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, für Gruppen jederzeit auch nach Vereinbarung, Tel. 0 71 51/27 56 20 oder 0 71 51/7 29 02, E-Mail an info@museumsvereinremshalden.de. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.