Schorndorf

Früher Ufos, heute ist’s die Drohne

Drohne_0
So viel kann gesagt werden: Er ist legal unterwegs mit seiner Drohne samt untergeschnalltem technischen Gerät: Vermessungsingenieur Peter Javorsky 2011 an der Baustelle. © Ramona Adolf

Schorndorf. „Guck, guck, i han a Ufo gsäh.“ Früher meldeten sich Leser, weil ihnen bei Himmelserscheinungen unbekannte Flugobjekte durch den Kopf schossen. Heute ist die Wahrscheinlichkeit, schwer zu identifizierender Erscheinungen am Himmel gewahr zu werden, viel größer. Da gibt es die Drohen, und alles, was dranhängt. Ein Leser hat uns jetzt auf den Schweif gebracht.

Gelten kann zunächst: Es handelt sich eher nicht um einen verspäteten Aprilscherz. Die Schilderung von Roland Wange aus Winterbach ist detailliert, die Beobachtung scheint real. Und der Anlass, warum er gen Himmel blickte, liegt eher nicht an ihm. Weder bezeichnet er sich als mondsüchtig, noch hat er beobachtungserweiternde Substanzen zu sich genommen. Ausgenommen von drei Stunden irgendwie dann doch berauschender Musik.

Es kam so: Wange und Begleitung wurden in der Nacht auf Montag in die Nacht entlassen, nach dem Besuch eines schönen Konzertabends mit Motown-Legenden in der Künkelinhalle. Der Blick nach oben erschien unausweichlich, so wie die Schilderung lautet: „Mir ist dann das kleine (Propeller-)Flugzeug ) aufgefallen, das bei völliger Dunkelheit über Schorndorf in Richtung Stuttgart fliegt. An den Tragflächenspitzen blinken LED-Lichter im Halb-Sekunden-Takt, was für ein Flugzeug ungewöhnlich ist. Bis mir klarwurde, dass das kein Flugzeug sein kann, da die ja auf Sicht fliegen. Also muss es eine Drohne sein. Die fliegt jetzt sechsmal Richtung Stuttgart und dreht dort um und fliegt wieder Richtung oberes Remstal zurück. Immer wieder ganz genau die gleiche Strecke, das wiederholt sich alle zehn Minuten.“

Eher eine Erscheinung am Himmel als des Himmels

Leser Wange spielt den Ball zu uns, zu uns Presseleuten. Wir sollen herausfinden, wer da fliegt, und warum sich da einer so leichterdings in der Luft tummeln kann. Nochmals: Wenig deutet darauf hin, dass es sich da um eine Erscheinung des Himmels (oder gar von Außerirdischen) handelt, sondern eher um eine Erscheinung am Himmel.

Und die mehren sich, gerade mit dem Aufkommen von fernsteuerbaren Flugobjekten. Zum Zwecke des Kommerzes (Fotografie etwa) oder des reinen Spaßes an der Fliegenlassenfreud’.

Was auffällt und gar zu große Rätsel aufgibt, wird gemeldet bei der Polizei. Holger Bienert, Pressesprecher der Polizei, schaut auf unsere Bitte in den Dienstplan. Kein Anruf, eine Anzeige, die da zu besagter Zeit aus dem mittleren und unteren Remstal eingegangen ist wegen verdächtiger Erscheinungen am Himmel. Dass angerufen wird, das sagt freilich auch Holger Bienert: „Diese Anrufe gibt’s, aber sie sind eher noch die Ausnahme. Aber es ist immer davon auszugeben, dass etwas auffällig wird, was vordergründig als Spielzeug verkauft wird.“

Gutes Stichwort: Spielzeug. Kann ja auch mal ein verdammt ernstes Hobby sein. Kaum einer kennt sich im mittleren Remstal so gut damit aus wie Niko Baisch. Er wohnt in Remhalden, ist bei den Modellfliegern in Schorndorf aktiv und betreibt in Stuttgart einen Laden mit ferngesteuertem Fluggerät, in Sonderheit: Multicopter. Die haben mittlerweile auch ihre eigenen Wettbewerbe, sie sind sozusagen die Urviecher der Drohnenseuche. Für „eher nicht wahrscheinlich“ hält er, dass einer der Hobby-Piloten so ein Ding nächtens steuert. Die Modellflieger haben ihr festes Gelände auf der Au in Schorndorf. „Man kann keine Strecken autonom machen.“ Zumal in der Dunkelheit. Die Kamera sieht dann auch nichts. Wobei, es muss nur einer verrückt genug sein und sich ein leistungsstarkes Modell besorgen, sich dann ins Auto setzen und von dort aus den Flug lenken – wenn es sich denn bei der Beobachtung von Leser Wange um eine reale Erscheinung handelt. Baisch tippt eher auf ein bemanntes Flugobjekt. Ein Ultraleichtflugzeug vielleicht. Wobei solche knatternden Kisten nachts eigentlich auch nicht unterwegs sind. Ins Reich der Verschwörung abgetan werden kann wohl der Verdacht, dass die US-Armee von ihrer Drohnen-Einsatzzentrale in Vaihingen aus kurz mal ein solches Gerät einfliegen lässt. Drohnen in den Händen der Militärs sind nicht kleiner als eine Sportmaschine und auch recht laut unterwegs. Dafür müsste es mehr Zeugen geben. Und die Flugsicherung müsste es auch wissen.

Axel Raab spricht für die Deutsche Flugsicherung GmbH. Konkrete Auskunft über Auftauchen und Aufkommen von Drohen kann er nicht geben, „weil wir die nicht auf dem Radarschirm sehen“. Sie geben kein Echo ab. Allenfalls meldet mal ein Pilot verdächtige Zeichen unter ihm. Dann geht die Meldung an die Polizei weiter.

Der Deutschen Flugsicherung ist das vermehrte Summen und Brummen am Himmel sehr wohl ein unangenehmer Strahl im Radarauge. Sie hat bereits den Bundesverkehrsminister aufgefordert, striktere Regeln aufzustellen. Der Bedarf sei absolut gegeben. Es kreucht und fleucht immer mehr unter den Wolken, was als unbekannt gelten muss – und die Fantasie fast so beflügelt wie früher die Ufos.

Was Drohnen-Fliegern droht

Weit mehr schlecht als recht geregelt ist das Drohnen-Fliegenlassen zur Zeit noch in der Bundesrepublik. Versicherungen akzeptieren auch das wilde oder freie Fliegen, solange es den wenigen gesetzlichen Bestimmungen entspricht.

Derzeit gilt, dass im Umkreis der deutschen Verkehrsflughäfen mit Flugmodellen gar nicht geflogen werden darf – es gilt die Schutzzone von 1,5 Kilometer ab Flughafenzaun. Außerhalb dieses Raums dürfen Drohnen etwa bis fünf Kilo Gewicht in eine Höhe bis zu 30 Meter aufsteigen. Bei 25 Kilo Gesamtgewicht sind es 50 Meter. Wer hobbymäßig fliegt und beim Fluggerätegewicht unter fünf Kilo bleibt, der braucht auch (noch) keine Genehmigung. Auch mit einer gewerblichen Aufstiegsgenehmigung darf man nicht höher als 100 Meter fliegen.

Freilich müssen die Geräte in Sichtweite bleiben. Schon das Steuern mit einem Fernglas ist verboten. Da hilft auch keine Kamera an Bord oder gar ein Nachtsichtgerät. Wenn denn die Vermutung von unserem Leser Roland Wange stimmt, dann war dieser Drohnen-Fernlenker illegal unterwegs.

Dann: Über Menschenmengen, militärischen Objekten, Kraftwerken und Krankenhäusern darf grundsätzlich nicht geflogen werden.