Schorndorf

Freunde und Förderer des Schorndorfer Pflegeheims fordern: Das Karlsstift muss erhalten bleiben!

Karlsstift
Noch bietet das Karlsstift 76 Pflegeplätze in Innenstadtnähe. Als Träger wollen die Zieglerschen den Standort aber aufgeben. © Gabriel Habermann

Der Schock war groß – und er hallt noch nach: Mitte Juni haben die Zieglerschen als Träger des Karlsstifts öffentlich gemacht, dass sie das denkmalgeschützte Gebäude an der Burgstraße aufgeben und sich in Schorndorf auf die Suche nach einem neuen Standort für das Pflegeheim begeben werden. Die Gründe hierfür sind, wie berichtet, notwendige Brandschutz- und Sanierungsmaßnahmen sowie die Umsetzung der Landesheimbauverordnung. Für den Verein der Freunde und Förderer des Karlsstifts, der sich als Anwalt des Hauses in zentraler Lage sieht, dennoch kein Anlass, die Entscheidung einfach abzunicken – im Gegenteil.

Die Vereinsmitglieder fühlen sich verpflichtet, zu informieren: Und bei einem Diskussionsabend im Martin-Luther-Haus konnte Pfarrerin Dorothee Eisrich, die als Vorsitzende des Fördervereins die Moderation übernahm, schon „eine wache Bürgerschaft“ präsentieren, der Jens Eckstein, Regionalleiter der Zieglerschen, Rede und Antwort stand. Und die Forderung, die im mit fast 50 Anwesenden gut besetzten Saal immer wieder laut wurde, war nicht zu überhören: „Das Karlsstift muss erhalten werden!“

Viele wollten hinter den roten Backsteinmauern alt werden

Ein Pflegeheim mitten in der Stadt, mit kurzen Wegen zum Marktplatz und einem idyllischen Garten, in dem in der Vergangenheit auch immer wieder Sommerkonzerte stattgefunden haben – für viele Schorndorferinnen und Schorndorfer gibt es nichts Schöneres. Und manche, die am Dienstag auf Einladung des Fördervereins ins Martin-Luther-Haus gekommen waren, hatten sich vielleicht schon vorgestellt, hinter den roten Backsteinmauern alt zu werden.

Doch daraus wird, wenn es nach dem Träger geht, nichts werden: Seit Jahren, berichtete Regionalleiter Jens Eckstein, bekommen die Zieglerschen schon Auflagen von der Stadt, den Brandschutz, der im Neubau vor 20 Jahren äußerst schlecht umgesetzt wurde, zu verbessern. Auf eine Entschädigung können die Zieglerschen dabei nicht hoffen: Die Sache sei verjährt, die Firma gebe es schon nicht mehr, erklärte Eckstein und versicherte: „Bis vor zwei Monaten wollten wir auch noch sanieren.“

Doch in Verbindung mit den Vorgaben der Landesheimbauverordnung, wonach Pflegeheime Wohngemeinschaften, aber vor allem Einzelzimmer vorweisen müssen, explodierten die Sanierungskosten auf insgesamt zwölf Millionen Euro. Viel zu viel auch für den zuständigen Kommunalverband Jugend und Soziales, der festgelegt hat: Mehr als 7,7 Millionen Euro darf die Sanierung des Karlsstifts nicht kosten. Damit war für die Zieglerschen klar, „dass wir eine andere Lösung brauchen“, schilderte Eckstein den auch für den Träger schwierigen Entscheidungsprozess, der erst Anfang Juni begonnen hat.

Es folgten Gespräche mit der Stadt, von der die Zieglerschen sich jetzt erhoffen, dass sie dem Karlsstift bis zum Neubau beim Brandschutz entgegenkommt. Außerdem gebe es bereits mögliche Grundstücke, die sich beide aber jenseits der Bahnlinie in der Nordstadt befinden. Ein neues Pflegeheim, erläutert Eckstein, „darf dabei ungefähr zehn Millionen Euro kosten“.

Kein noch so feudales Haus kann mit dem Karlsstift konkurrieren

Für die Freunde und Förderer des Karlsstifts eine inakzeptable Rechnung: Dass eine Sanierung des Hauses, das seit mehr als 130 Jahren Seniorinnen und Senioren ein altersgerechtes Zuhause bietet, an knapp fünf Millionen Euro scheitern soll, das wollen sie nicht einfach hinnehmen. Für sie kann „ein noch so feudales Haus am Stadtrand“ mit dem Karlsstift nicht konkurrieren. Auch Gerold Dreßler, Vorsitzender des Heimbeirats, sieht keinen besseren Standort für das Karlsstift als in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt – und einen Grund dafür, dass sich dort beispiellos viele Ehrenamtliche engagieren. Ein Neubau jenseits der Bahnlinie bedeutet aus seiner Sicht, dass die Stadt für die Bewohnerinnen und Bewohner dann „tabu ist“. Darum seine dringende Bitte an die Zieglerschen: eine mögliche Sanierung noch mal genauestens zu prüfen.

Andere wünschen sich, dass bei einem weiteren Architekturbüro nachgefragt wird, ob eine günstigere Sanierung nicht vielleicht doch möglich wäre. Die Zieglerschen haben diese Option aber bereits verworfen: Eckstein begründet’s mit zu hohen Kosten, die ein Zweitgutachten kosten würde. Dazu komme: Es gebe auch in der Bauabteilung der Zieglerschen Experten. Dass der Träger im Vorfeld nicht auf die Stadt und den Gemeinderat zugekommen ist, um eine Lösung zu finden, auch diese Kritik wurde in der Diskussion laut. Und Hans-Martin Tramer vom Mühlbachhaus sieht im millionenschweren Erlös, der aus dem Verkauf des attraktiven Grundstücks zu erwarten sei, einen möglichen Grund für die Abkehr vom Standort – und ist sich sicher: „Ohne die Stadt kommen wir hier nicht weiter.“

Bebauungsplan sieht Pflegeheim-Nutzung vor

Die Frage, was mit dem Gelände geschehen wird, wenn die Zieglerschen den Standort aufgeben, treibt dabei viele um. Da der Bebauungsplan für die innerstädtische Fläche eine Gemeinwohlbedarf-Nutzung vorsieht, könnte dort nach dem Weggang der Zieglerschen eigentlich nur wieder ein Pflegeheim entstehen. Die Bebauungsplanvorgaben, sagte FDP/FW-Stadtrat Gerhard Nickel, hätten ihn und andere auch schon beschäftigt – und er kann kaum glauben, dass eine Sanierung des Karlsstifts an fünf Millionen Euro scheitert. Nickel versicherte: Der Gemeinderat werde dort bestimmt nicht für eine Tiefgarage oder moderne Wohnungen stimmen – „wir brauchen die Plätze für die Älteren“. Auch Dreßler vom Heimbeirat hätte schon Ideen für den Altbau – als Begegnungsstätte, Tagespflegeeinrichtung oder Bücherei. Doch dass auf dem Areal neben dem denkmalgeschützten Gebäude ein modernes Pflegeheim gebaut wird, dieser Idee erteilte Eckstein eine Absage: „Das Grundstück ist nicht groß genug.“

Im Moment bietet das Karlsstift 76 Pflegeplätze. Beschäftigt sind in der innenstadtnahen Einrichtung rund 110 Mitarbeitende – und es gibt ein Bekenntnis zum Standort Schorndorf: Den Zieglerschen ist offenbar sehr daran gelegen, „auch künftig neben dem evangelischen Marienstift mit einem weiteren Seniorenstift vertreten zu sein“.

Der Schock war groß – und er hallt noch nach: Mitte Juni haben die Zieglerschen als Träger des Karlsstifts öffentlich gemacht, dass sie das denkmalgeschützte Gebäude an der Burgstraße aufgeben und sich in Schorndorf auf die Suche nach einem neuen Standort für das Pflegeheim begeben werden. Die Gründe hierfür sind, wie berichtet, notwendige Brandschutz- und Sanierungsmaßnahmen sowie die Umsetzung der Landesheimbauverordnung. Für den Verein der Freunde und Förderer des Karlsstifts, der sich

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