Schorndorf

Frust mit Maskenverweigerern an der Tanke

Maske Tankstelle
Das Masketragen ist in Tankstellen Pflicht. © Benjamin Büttner

„Ich habe ehrlich auch ein bisschen Angst“, gesteht die junge Verkäuferin in einer Schorndorfer Tankstelle nach dem Mord an einem 20-jährigen Kollegen in Idar-Oberstein. Mutmaßlich aus Frust in den Kopf geschossen von einem kaltblütig durchgedrehten Maskenverweigerer. Gab es auch in Schorndorf schon unangenehme Situationen? Welche Erfahrungen haben die Mitarbeiter der Tankstellen gemacht?

Ärger machen 50-jährige Anzugsträger

Ärger mit Maskenverweigerern gebe es „jeden Tag“, sagt die Tankstellenverkäuferin, möchte aber anonym bleiben. Gerade vorher habe sie deswegen ein Hausverbot erteilt. Und dann teilt sie eine interessante Beobachtung mit über die Gruppe der größten Verursacher von Corona-Ärger an Tankstellen: „Es sind die 50-jährigen Anzugsträger, die im Büro sitzen, die benehmen sich hier aggressiv und drohen dir sofort mit dem Anwalt. Das sind bis zu 90 Prozent derjenigen, die Schwierigkeiten machen.“

Explosives Meinungsgemisch

Ein ihr bekannter Stammkunde kommt zum Gespräch hinzu und beginnt - nicht im Geringsten druckreif - so ziemlich auf alle Politiker zu schimpfen.

Die seien mit ihrer Corona-Politik die eigentlichen Schuldigen an dem, was in der Tankstelle in Idar-Oberstein passiert ist, auch wenn man das nicht gut finden muss. Da schwingt Verständnis für den Täter mit und der etwas prollige ältere Zeitgenosse ist mit seinem Verwünschungsschwall kaum zu bremsen. Am Ende sind’s auch wir Medien gewesen. Ein hochexplosives Meinungsgemisch an einer deutschen Tankstelle. Noch ein Streichholz in seine Erregung gehalten scheint zu genügen, um hier nicht nur die Stimmung hochgehen zu lassen.

Schon viele Vorkommnisse

Vielleicht auch deshalb große Zurückhaltung an einer weiteren Tankstelle. „Wir hatten schon viele Vorkommnisse mit Maskenverweigerern“ sprudelt es zunächst aus einer Verkäuferin bei Aral, der Tankstellenkette bei der auch der Ermordete gearbeitet hat. Doch dann unterbricht sie sich und verweist auf die Pressestelle des Konzerns. Dasselbe Spiel bei „Ran“ am Ende der Gmünder Straße. Die Verkäuferin möchte nichts sagen. „Fragen Sie bei der Mineralölgesellschaft nach, dann sind wir auf der sicheren Seite.“

Ohne Maske? Schon streiten die Kunden

Anders Gert Mack bei „Total“ an der Schorndorfer Straße. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Erfahrung mit der Maskenpflicht: „Die Leute regen sich auf und werden aggressiv.“ Er meint allerdings, „das ist gerade allgemein so. Ich reg’ mich da gar nicht mehr auf.“ Manche, die ohne Maske reinkommen, so seine Beobachtung, „haben sie einfach vergessen. Und schon streiten die Kunden dann untereinander“.

Überall Hektik und keine Geduld mehr

Illusionslos schaut einem der Mann in die Augen und fällt sein ruhiges Urteil: „Die Leute denken nichts mehr, die haben ihr Hirn unterwegs verloren.“ Auf die Frage, ob er selbst das Maskentragen in der Tankstelle befürwortet, erklärt er: „Im Zug, wo man stundenlang beieinander sitzt, bin ich dafür. Aber hier sind die Leute meist gerade mal zehn Sekunden drin.“ Es müsste auch ohne Masken gehen, ist seine Meinung, besonders, wenn „woanders 25 000 ohne Maske in ein Stadion reingehen“.

Trotzdem, Gert Mack kann es nicht fassen: „Diese Hektik, keine Geduld mehr, niemand will einen Kompromiss eingehen.“ Von ganz anderen Erfahrungen berichtet indes der Pächter von „tank point“ an der Gmünder Straße. Er kann von Ärger mit Maskenverweigerern an seiner Tankstelle nichts berichten. „Es kommt darauf an, wie man die Kunden behandelt. Wenn man sie freundlich darauf hinweist“, so seine Sicht, gebe es auch keine Probleme.

„Es kommt auf die Freundlichkeit an“

Klar komme es vor, dass manchmal Leute ohne Maske reinkommen und darauf hingewiesen werden. Meistens komme dann ein „oh Entschuldigung, hab’ ich vergessen“. Für ihn steht fest: „Die Freundlichkeit macht es aus.“ Und er hat schon erlebt, dass sich bei ihm Kunden über die diesbezügliche Unfreundlichkeit an anderen Tankstellen beschwert haben. „Schwierig. Man muss das beste daraus machen“, meint er und, „irgendwann ist es vorbei“.

„Ich habe ehrlich auch ein bisschen Angst“, gesteht die junge Verkäuferin in einer Schorndorfer Tankstelle nach dem Mord an einem 20-jährigen Kollegen in Idar-Oberstein. Mutmaßlich aus Frust in den Kopf geschossen von einem kaltblütig durchgedrehten Maskenverweigerer. Gab es auch in Schorndorf schon unangenehme Situationen? Welche Erfahrungen haben die Mitarbeiter der Tankstellen gemacht?

Ärger machen 50-jährige Anzugsträger

Ärger mit Maskenverweigerern gebe es „jeden Tag“,

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