Schorndorf

Fußgängerzone in Schorndorf erweitern? Das sagt der Technische Ausschuss

Wegfall Parkplätze
Sehr attraktiv ist die Johann-Philipp-Pam-Straße nicht gerade. © ALEXANDRA PALMIZI

Für die einen wäre die Neugestaltung des Bereichs der Archivstraße, Ochsenberg und Johann-Philipp-Palm-Straße eine Chance gewesen, die anderen sahen zumindest zu diesem Zeitpunkt in der Maßnahme nur rausgeworfenes Geld: Der Technische Ausschuss hat Plänen der Stadtverwaltung, die Fußgängerzone in diesem Bereich in einer Pop-up-Maßnahme zu erweitern und dafür 27 Parkplätze zu streichen, eine Abfuhr erteilt.

„Wir halten die Ausgabe von 50.000 Euro für nicht nötig“, erklärte CDU-Fraktionssprecher Hermann Beutel. In der Archivstraße entstehe durch den Wegfall der Parkplätze noch lange keine Aufenthaltsqualität, und für das Klima wäre dadurch nichts erreicht. Ähnliche Bedenken meldete Kirsten Katz (Grüne) an. Auch sie bezweifelte den Gewinn an Aufenthaltsqualität und forderte einen Gesamtplan für die Innenstadt.

„Wir müssen die ganze Stadt und alle Verkehrsströme sehen“, sagte sie. Auch Hermann Beutel pochte auf eine Gesamtplanung, um dann über die Maßnahmen entscheiden zu können. Dem Gemeinderat sei durchaus bewusst, dass beim Bau der Stadtbücherei Parkplätze wegfallen werden. Doch noch kämen die meisten Kunden mit dem Auto in die Stadt, das Umdenken der Menschen finde nur langsam statt. Wenn die Stadtbücherei gebaut wird, sei er bereit, über die Erweiterung der Fußgängerzone nachzudenken. „Machen wir es in zwei, drei Jahren, aber dann richtig“, so sein Appell.

„Einkaufen darf schön sein und soll ein Erlebnis bringen“

Damit ist der Plan der Stadtverwaltung, mit Pop-up-Maßnahmen in der Innenstadt eine Experimentierfläche zu schaffen, voraussichtlich vom Tisch. Zwar hat das letzte Wort noch der Gemeinderat, doch das Votum des technischen Ausschusses war eindeutig: Bei einer Enthaltung stimmten acht Räte gegen, aber nur fünf für die Maßnahmen.

Zuvor hatten sich Marcel Kühnert, Silke Olbrich (beide SPD) und Friederike Köstlin leidenschaftlich für den Verkehrsversuch ausgesprochen. Die SPD begrüße die Erweiterung der Fußgängerzone in allen Himmelsrichtungen, erklärte Kühnert. Er sei ein Fan von zeitlich begrenzten Pilotprojekten, mit denen man sich nichts verbaue. Friederike Köstlin erinnerte an die Konkurrenz der großen Einkaufszentren, die mit Erlebniswelten werben. „Einkaufen darf schön sei und soll ein Erlebnis bringen“, sagte sie.

Genau das bringe den Gewerbetreibenden doch die gewünschte Frequenz. „Ich plädiere dafür, dass wir es wagen“, sagte sie. „Wir kriegen Fördergelder dafür.“ Schon aus Gründen der Sicherheit der Kinder hielt es Silke Olbrich für wichtig, in der Archivstraße aktiv zu werden. „Wir müssen umdenken, wir haben jetzt die Möglichkeit“, lautete ihr Appell an die übrigen Räte.

Auch Erster Bürgermeister Thorsten Englert warb dafür, die 27 Parkplätze zu opfern und dafür eine Experimentierfläche zu schaffen. Noch gebe es kein fertiges Konzept, umso wichtiger sei es, sich der Herausforderung zu stellen, den Verkehr neu zu denken. „Wir wollen heute schon den Freiraum testen und dann, wenn die Bücherei kommt, an die Platzgestaltung gehen“, sagte er.

Gerald Junginger (FDP) bedauerte, dass in der Sitzung keine Gewerbetreibenden eingeladen waren. Die von der Verwaltung vorgestellten Varianten, die Thema auch in einer Bürgerbeteiligung waren, hätten Charme, seien aber nicht umsetzbar. Aufgrund des ungleichen Straßenbelags sah Junginger ein großes Risiko für Radfahrer. Auch er hielt die 50.000 Euro für die Pop-up-Maßnahmen für „rausgeschmissenes Geld“. Zuerst müsse klar sein, was mit der Bücherei passiere.

Als einen Baustein für die Gesamtbetrachtung wollte indes Diana Gallego, Stabsstellenleiterin Klimaschutz, das Projekt betrachtet sehen. „Im Rahmen der Pop-up-Maßnahme können wir die Straße nicht absenken, aber für Sicherheit sorgen“, erklärte sie Junginger. Wie man die Aufenthaltsqualität am Ende erreichen könne, darüber solle mit den Anliegern diskutiert werden. Schorndorf sei bei diesem Thema kein Vorreiter. Viele Städte hätten solche Maßnahmen bereits umgesetzt.

Autos lösen sich nicht in Luft auf

„Sie können nicht so tun, also ob sich die Autos in Luft auflösen“, meinte dagegen Manfred Bantel (CDU). Bei der Ausfahrt aus dem Parkhaus in der Schulstraße befürchtete er „unheimliche Konflikte“ mit vorbeifahrenden Rennradfahrern, was Werner Neher (GLS) zurückwies. Viele der derzeitigen „unguten Situationen“ könnten durch die Pop-up-Maßnahmen aber beseitigt werden.

Scharfe Kritik kam von Heinz-Jürgen Kopmann vom Seniorenforum: Da bei der Bürgerbeteiligung keine der Varianten eine absolute Mehrheit bekommen habe, wundere er sich, dass es nun um die Maximalvariante gehe. Die Verwaltung lasse das Votum der Bürger unberücksichtigt. Citynahe Parkplätze würden aber gebraucht, da die ältere Bevölkerung stark wachse. Parkplätze, die laut Diana Gallego aber nie ausgelastet sind. „Wir sprechen über die Streichung von 27 Parkplätzen“, erinnerte sie. „Sie haben immer noch genügend.“ Überzeugen konnte sie den Ausschuss allerdings nicht.

Für die einen wäre die Neugestaltung des Bereichs der Archivstraße, Ochsenberg und Johann-Philipp-Palm-Straße eine Chance gewesen, die anderen sahen zumindest zu diesem Zeitpunkt in der Maßnahme nur rausgeworfenes Geld: Der Technische Ausschuss hat Plänen der Stadtverwaltung, die Fußgängerzone in diesem Bereich in einer Pop-up-Maßnahme zu erweitern und dafür 27 Parkplätze zu streichen, eine Abfuhr erteilt.

„Wir halten die Ausgabe von 50.000 Euro für nicht nötig“, erklärte

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