Schorndorf

Funklöcher in den Schorndorfer Ortsteilen: Wie der Mobilfunk vorangetrieben wird

5g Mobilfunk
Von den einen ersehnt, von den anderen befürchtet: Mobilfunkantennen und der Ausbau von 5G. © Gabriel Habermann

Die einen ärgern sich über einen schlechten Empfang, die anderen sorgen sich wegen der Strahlenbelastung durch die Funkmasten: Mobilfunkversorgung ist ein hochemotionales Thema. Im Mai 2020 hatte der Gemeinderat gegen den Willen der Verwaltung ein Vorsorgekonzept für den Mobilfunk auf den Weg gebracht. Beauftragt wurde die Firma Techcom mit dem Ziel, ein Konzept zu erstellen, das bei minimaler Strahlung eine maximale Versorgung in der Kernstadt und den Ortsteilen gewährleisten und für kritische Standorte Alternativen ausweisen sollte. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses wurden die Ergebnisse des 50 000 Euro teuren Gutachtens vorgestellt. Klar wurde dabei auch: Die Einflussmöglichkeiten der Stadt auf die Mobilfunkbetreiber sind begrenzt.

Zunächst die gute Nachricht: Die gesetzlichen Grenzwerte werden in Schorndorf bei weitem unterschritten, eine gesundheitliche Gefährdung besteht laut Gutachten nicht. „Wir sind sehr, sehr weit vom gesetzlichen Grenzwert weg“, sagte Techcom-Chef Ronald Fabian. Nur mit hochsensibler Messtechnik hätten die Emissionen überhaupt ermittelt werden können. Die Emissionen lägen im Promillebereich der erlaubten Grenzwerte.

Die Teilorte sind je nach Netzbetreiber mehr oder weniger unterversorgt

Weniger gut sieht es mit der Versorgung aus: In der Kernstadt ist die Grundversorgung fürs Telefonieren und einfachen Internetempfang auf dem Handy noch meistens gewährleistet, anders sieht es in den Ortschaften aus: „Die Teilorte Schornbach, Miedelsbach, Haubersbronn, Schlichten, Oberberken und Unterberken sowie Buhlbronn sind je nach Netzbetreiber noch mehr oder weniger unterversorgt“, ist ein Ergebnis der Untersuchung. Telefonica ist dem Bericht zufolge mit Ausnahme Unterberkens in jedem Ortsteil mit je einem Standort vertreten, die Telekom hat Standorte nahe bei Schornbach und in Miedelsbach, Haubersbronn und Oberberken. Von Vodafone gibt es bislang nur einen Standort in Haubersbronn. Die Unterversorgung ist aber auch eine Folge der Topografie: Rund um Schorndorf ist das Terrain hügelig, weshalb vor allem innerhalb von Gebäuden die Abdeckung nicht immer ausreiche.

„Keine Gefährdungen, nur vereinzelt Funklöcher“

Ronald Fabians Fazit: Die Emissionswerte seien weit unter den Grenzwerten, im Zuge des Ausbaus von 5G werde es allerdings partiell zu einem Anstieg kommen, weil sich die Netzbetreiber um die Funkversorgung bemühen würden. Laut Thorsten Donn, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, kann das die Stadt allerdings nicht verhindern. Was laut den Gutachtern aber möglich ist, sind Gespräche mit den Netzbetreibern, mit dem Ziel, gemeinsame Standorte und Kompromisse zu finden. Techcom-Chef Fabian empfahl sich als Moderator dieser Gespräche: „Wir haben die Erfahrung, wir vertreten Ihre Interessen.“

Als eine gute Bestandsaufnahme bezeichnete Jürgen Erdmann (SPD) das Konzept. Erdmann regte an, den umstrittenen Standort in Weiler, nah an einem Wohngebiet, an zwei Kitas und der Schule, zu überdenken. „Es gibt Möglichkeiten, den Mast auf städtische Grundstücke zu versetzen“, sagte er. Grünen-Rätin Friederike Köstlin fand es „beruhigend, dass es keine kritischen Standorte“ gebe. Allerdings sei man nicht am Ende der Mobilfunk-Planungen. Die Techcom könne die Prozesse moderieren, müsste dann aber erst mal beauftragt werden.

Nicht alle Stadträte zeigten sich mit dem Konzept zufrieden. „Mir fehlt ein Resümee für unser Ziel einer optimalen Versorgung mit möglichst wenig Strahlung“, so GLS-Sprecher Werner Neher: „Was ist optimierbar?“

Gemeinderat erwartet konkrete Handlungsempfehlungen

Handlungsempfehlungen wünschte sich auch Andreas Schneider, und Marcel Kühnert (SPD) fragte kritisch, was genau der Gemeinderat nun aus dem 50 000-Euro-Gutachten ableiten solle. Der Grundkonflikt über die Grenzwerte, die manche infrage stellten, sei nicht gelöst. „War es das Geld wert?“, fragte er. „Wir erstellen Gutachten, können aber keine gesetzlichen Grundsatzdiskussionen führen“, erklärte dagegen Ronald Fabian. Die Kommunikation mit den Netzbetreibern sei schwierig und erfordere Verhandlungsgeschick. So sieht es auch Baurechtler Thorsten Donn: Die Stadt könne mit rechtlichen Mitteln gegen die Mobilfunkantennen nichts ausrichten, auch nicht im Fall der Antenne in Weiler, die im Außenbereich und Hoheitsgebiet der Bahn liege. „Wir können es nicht heben, egal, was wir wollen“, betonte er. Im Übrigen: So toll sei die Versorgung in Schorndorf nicht, und man liege 1000-fach unter den Grenzwerten.

Zwei wesentliche Punkte enthält das Gutachten bereits für CDU-Chef Hermann Beutel: Erstens trage es zur Versachlichung der Debatte bei – „wir liegen weit unter den Grenzwerten“, erinnerte er. Zum anderen zeige es, dass die Versorgung in Schorndorf nicht lückenlos sei, was einem Land wie Deutschland nicht angemessen sei. Die Grundversorgung sollte in jedem Teilort gewährleistet sein. „Man kann mit den Netzbetreibern verhandeln“, sagte auch er. „Die lehnen nicht alles ab.“ Kirsten Katz (Grüne) regte an, die Teilorte auf mögliche Standorte zu überprüfen, und auch Gerhard Junginger (FDP/FW) befürwortete Verhandlungen der Stadt über optimale Standorte.

Der Ausschuss hat das Konzept fürs Erste ohne weitergehende Beschlüsse zur Kenntnis genommen. Thema wird das Mobilfunk-Vorsorgekonzept auch im Gemeinderat sein. Dann soll es laut Thorsten Donn auch um konkrete Handlungsmöglichkeiten gehen, die die Stadtverwaltung dem Gremium vorschlagen will. Für Ersten Bürgermeister Thorsten Englert war besonders eines wichtig: „Es bestehen keine Gefährdungen.“

Die einen ärgern sich über einen schlechten Empfang, die anderen sorgen sich wegen der Strahlenbelastung durch die Funkmasten: Mobilfunkversorgung ist ein hochemotionales Thema. Im Mai 2020 hatte der Gemeinderat gegen den Willen der Verwaltung ein Vorsorgekonzept für den Mobilfunk auf den Weg gebracht. Beauftragt wurde die Firma Techcom mit dem Ziel, ein Konzept zu erstellen, das bei minimaler Strahlung eine maximale Versorgung in der Kernstadt und den Ortsteilen gewährleisten und für

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