Schorndorf

Gas-Knappheit: Wie Menschen in Schorndorf für den Winter vorsorgen

die große Knappheit
Schreinermeister und Stadtrat Gerald Junginger will im äußersten Notfall in seine Werkstatt ziehen. Dort steht ein 40 Jahre alter Holzofen, der seit 25 Jahren außer Betrieb ist. Sollte es zu einer extremen Notlage bei der Energieversorgung kommen, wäre die Wiederinbetriebnahme für ihn eine Option, um über einen kalten Winter zu kommen. © Gabriel Habermann

Drohende Engpässe im Winter machen vielen Menschen Angst. Angesichts der möglichen Gas-Knappheit in Deutschland hat die Bundesregierung Unternehmen jüngst empfohlen, sich mit Notstromaggregaten einzudecken – und Bundeskanzler Scholz hat die Bürger auf eine langanhaltende Krise eingestimmt. Der Krieg in der Ukraine und die durch die Pandemie gestörten Lieferketten sorgten für eine generelle Unsicherheit, sagte er. Schon jetzt sind in vielen Unternehmen die hohen Energiekosten zu spüren, die wiederum die Preise nach oben treiben. Was wird, wenn in meiner Mietwohnung im Winter die Heizung runtergedreht wird, fragen sich manche. Sollen wir uns jetzt um eine neue Heizung kümmern, sollen wir Vorräte anlegen, weil alles teurer wird? Das sind Themen, die immer mehr Menschen umtreiben. Oder ist das Thema reiner „Panikmache“ geschuldet, wie auf Facebook teilweise gemutmaßt wird?

Seit Beginn des Krieges ist er in Sorge

Einer von denen, die derzeit vorsorgen, ist der Schorndorfer FDP/FW-Stadtrat Gerald Junginger. Er sagt: „Die ganze Angelegenheit bereitet mir bereits seit Beginn des Krieges in der Ukraine Sorge.“ Als er Anfang März auch noch die Meldung auf NTV gelesen habe, dass in Tschernobyl die Reste des Atomkraftwerks brannten, sei ihm klar geworden, dass er für Krieg, Flucht und Krise nicht vorbereitet sei. Anders als sonst – denn eigentlich habe er immer einen Notfallplan.

„Mir war bewusst, dass Russland über kurz oder lang am Gashahn drehen wird“, erinnert sich der Schreinermeister und Vater einer erwachsenen Tochter. Schon 2021 sei bekanntlich über einen „Stufennotfallplan“ der Bundesregierung berichtet worden. Seine Frau habe er gebeten, die Vorräte beim nächsten Einkauf großzügig aufzufüllen. Das bedeute nun nicht, dass sich bei Jungingers 40 Dosen Ravioli stapeln oder bergeweise Klopapier gehortet wird. Angemessen, sagt er mit Bedacht, sollten die Reserven aufgefüllt, statt einer Dose mit Bohnen lieber zwei gekauft werden. „Man sollte sich nicht immer nur auf andere verlassen“, findet er, „sondern selbst Verantwortung übernehmen.“

Er selbst füllte den Getränkevorrat auf, wobei seine Familie schon immer eine etwas größere Lagerhaltung betrieben habe. Zudem ließ er den Heizöltank komplett auffüllen, was er sonst erst im Herbst getan hätte. Für den Notfall kaufte er außerdem einen benzingetriebenen Stromgenerator. Dass die Stromversorgung im Winter und bei schlechtem Wetter mit Strom aus Atomkraftwerken, erneuerbaren Energien und Kohlekraftwerken sichergestellt werden könne, daran habe er schon damals gezweifelt, erzählt der 56-Jährige. Mit dem Stromgenerator hofft er, im Notfall die Heizung und den Kühlschrank kurzzeitig in Gang halten zu können. Besorgt hat er sich zudem mehrere leere Kanister für Treibstoff: „Die habe ich aber noch nicht aufgefüllt“, erzählt er. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, kaufte er vorsorglich auch noch einen mobilen Stromspeicher – eine große Powerbank – , eine solarladbare kleine Powerbank und einen Campingkocher mit Gaskartuschen.

Auch über die Sanierung seines Hauses hat der Schreinermeister nachgedacht. Allerdings sei sein Haus rund 90 Jahre alt. „Da mache ich mir keine Illusionen, das Gebäude so zu dämmen und energetisch zu sanieren, wie man es gerne hätte“, sagt er. Zudem würde er wohl kaum kurzfristig Materialien und Handwerker für solche Arbeiten bekommen, vermutet er. Da er zu Hause mit Öl heizt, hoffe er, bei einer Energiekrise ohne Einschränkung über den Winter zu kommen. „Klar wären im Notfall nur noch das Wohnzimmer und kurzzeitig das Bad zu beheizen“, sagt er. Falls der Strom ausfalle, müsste der Generator greifen. Und auch das kann er sich vorstellen: Im schlimmsten Fall würde er im Winter in seine Werkstatt ziehen, die er mit Holz beheizen könnte. „Man sollte sich im Ernst auch überlegen, den Winter in südlicheren Gegenden zu verbringen“, findet er. Die Frage sei dabei aber, ob man von zu Hause wegmöchte – was bei ihm nicht der Fall sei –, und natürlich auch, ob man sich das leisten könne und wolle. Noch hofft Gerald Junginger aber vor allem eins: dass er all diese Vorsichtsmaßnahmen niemals brauchen wird.

Florian kaufte dicke Winterdecken, Konserven und Gas

Einer, der sich auf einen Winter mit Ressourcen-Knappheit einstellt, ist auch Florian aus Schorndorf. In der Schorndorfer Facebook-Gruppe hatten wir gefragt, ob sich die Menschen in irgendeiner Form auf den Winter vorbereiten. „Ich habe Ihren Beitrag in der Schorndorfer Facebook-Gruppe gesehen und würde gerne Stellung dazu nehmen“, schreibt Florian in einer Mail. „Ich persönlich habe diese Woche sorgfältig für einen Gasausfall vorgesorgt und sehr dicke Winterdecken, viele Konservendosen, etwas Gas und etwa einen Jahresvorrat an Gas für meinen Campinggrill besorgt.“ Um die Energieversorgung zu gewährleisten, habe er größere tragbare Solarzellen und einen mobilen Generator inklusive Energiespeicher angeschafft.

Eine andere Facebooknutzerin schreibt: „Da ich keine Gasheizung habe, tangiert mich das Gas nicht. Aber meine Ölheizung wird ein Thema werden, darum beschäftige ich mich jetzt mit einer Luftwärmepumpe.“ Weil die Pumpe aber Strom brauche, werde das Thema Solarernte wichtig. Die Gaskrise zwinge sie endlich, komplexer über das ganze Thema Wärme nachzudenken, schreibt sie.

Drohende Engpässe im Winter machen vielen Menschen Angst. Angesichts der möglichen Gas-Knappheit in Deutschland hat die Bundesregierung Unternehmen jüngst empfohlen, sich mit Notstromaggregaten einzudecken – und Bundeskanzler Scholz hat die Bürger auf eine langanhaltende Krise eingestimmt. Der Krieg in der Ukraine und die durch die Pandemie gestörten Lieferketten sorgten für eine generelle Unsicherheit, sagte er. Schon jetzt sind in vielen Unternehmen die hohen Energiekosten zu spüren, die

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