Schorndorf

Gedämpfte Stimmung in Schorndorf an Tag eins des Teil-Lockdowns

neuen Corona-Verordnungen
Claudia Maurer-Bantel ist froh, dass das Kaufhaus offen ist. Doch die Frequenz ist gering. © ALEXANDRA PALMIZI

An einem anderen Tag hätten die frühlingshaften Temperaturen wohl zahlreiche Kunden und Spaziergänger in die Stadt gelockt. Doch am ersten Tag der neuen Corona-Verordnungen herrschte in der Schorndorfer Innenstadt vor allem eins: gedämpfte Stimmung. Einzeln oder zu zweit waren die meisten Menschen unterwegs - mit Masken, die fast immer ordnungsgemäß nicht nur Mund, sondern auch die Nasen bedeckten.

Fast schon unnormal ruhig ist es in der Innenstadt

„Die Leute sind sehr einsichtig“, berichten zwei Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes auf dem Unteren Marktplatz. Nur in Ausnahmefällen hätten sie mal einen Passanten darauf hinweisen müssen, dass seine Maske unter die Nase gerutscht sei. Ruhig, fast schon unnormal ruhig, ist es in der Stadt und in den Geschäften. „Das war auch schon am Samstag so“, sagt Claudia Maurer-Bantel, Geschäftsführerin vom Kaufhaus Bantel. Der erneute Lockdown wirkt sich aus - auch im Einzelhandel, der ja wie Schulen und Kitas noch aufmachen darf. Allerdings: „Wenn die Gastronomie nicht offen ist, ist auch bei uns die Frequenz schlechter“, weiß Claudia Maurer-Bantel aus der bitteren Erfahrung des ersten Lockdowns. Zudem herrscht bei einigen Kunden auch Unsicherheit und Verwirrung. „Viele glauben, wir haben geschlossen“, sagt die Geschäftsführerin. Auch wenn das klassische Weihnachtsgeschäft noch nicht begonnen hat, liegen bei Bantel Weihnachtsdekoartikel und Süßwaren bereits in den Regalen. Ebenso wie ein guter Teil der Herbstmode, die schon vor einem Jahr in besseren Zeiten geordert wurde. „Man ging von einem normalen Herbst aus“, seufzt Claudia Maurer-Bantel. „Aber da liegen wir deutlich drunter.“ Was zum Kauf neuer Kleidung fehlt, sind schlicht die Anlässe: Fürs Home-Office kauft selten einer eine neue Garderobe. Kein Problem sind bei Bantel die geforderten Abstandsregeln. „Wir könnten mehr als 500 Leute reinlassen“, sagt die Geschäftsführerin. „Aber so viele kommen gar nicht . . .“

Trotz Attest trägt sie eine Maske

Schlange muss wirklich keiner stehen, der an diesem Montag einkaufen will. Das freut Annelie Vohla, die sich schon darauf eingestellt hatte, anstehen zu müssen, und deshalb zunächst gar nicht einkaufen gehen wollte. „Ich fühle mich gut“, sagt sie. „Aber viele Leute sind bedrückt.“ Mit dem Teil- Lockdown hat sie keine Probleme, die Schließungen findet sie sinnvoll und verständlich. Sie selbst trägt eine Maske, obwohl sie ein Attest habe und deshalb keine tragen müsste: „Ich trage sie zum Schutz der anderen.“ Kulturschaffende wie die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse leiden besonders unter Corona-Einschränkungen. Veranstaltungen und Ausstellungen sind abgesagt. „Aber ich kann arbeiten“, sagt sie. Die Schließungen nimmt sie deshalb gefasst. „Absolut gut“ findet Siglinde Schnabel, die mit ihrem Mann in der Johann-Philipp-Palm-Straße unterwegs ist, den erneuten Lockdown. Angesichts vieler Menschen, die sich nicht an die Regeln gehalten hätten, gebe es keine Alternative, ergänzt ihr Mann Dieter. Vor dem Wäschegeschäft „Drunterwelt“ steht Filialleiterin Anita Seng und ordnet Bikinis auf einem Ständer. Für sie sind die letzten Wochen in ihrem Geschäft angebrochen. Seit Ende September läuft der Räumungsverkauf, wenn’s gut geht, ist noch bis Weihnachten geöffnet. „In Schorndorf sind alle Veranstaltungen abgesagt“, sagt sie, „aber wir brauchen zum Überleben auch die Touristen.“ Für den Lockdown, der die Gastronomie trifft, hat sie nur zum Teil Verständnis. „Dass die Gastronomie zumachen muss, verstehe ich wirklich nicht“, sagt sie. Bitter findet das auch Ester Dessi, die in der Konditorei Schreyer hinter der Ladentheke steht. Das Café ist zu. „Ich möchte, dass es wieder aufmacht“, sagt sie. „Die Schließung der Gastronomie verstehen die Leute wirklich nicht.“

An einem anderen Tag hätten die frühlingshaften Temperaturen wohl zahlreiche Kunden und Spaziergänger in die Stadt gelockt. Doch am ersten Tag der neuen Corona-Verordnungen herrschte in der Schorndorfer Innenstadt vor allem eins: gedämpfte Stimmung. Einzeln oder zu zweit waren die meisten Menschen unterwegs - mit Masken, die fast immer ordnungsgemäß nicht nur Mund, sondern auch die Nasen bedeckten.

Fast schon unnormal ruhig ist es in der Innenstadt

„Die Leute sind sehr

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