Schorndorf

Gegründet in der Krise: Junge Schorndorfer Einzelhändler über ihren schweren Start

Unverpackt Laden
Larissa Berger hat sich eine eigene Existenz aufgebaut. In ihrem Laden können Kunden Lebensmittel und andere Produkte ohne Verpackung kaufen. Zum Geschäft gehört auch ein Café, das sie zu Beginn der Coronakrise nicht öffnen konnte. © Alexandra Palmizi

Larissa Berger hat erst kürzlich einen Unverpackt-Laden Bergerei in der Karlstraße eröffnet, Jakob Härer startete mit einem Concept-Store in der Neuen Straße durch. Als die beiden Gründer ihre Businesspläne aufstellten und sich ein Konzept überlegt haben, war Corona noch weit weg. Sie nahmen Kredite bei der Bank auf, unterschrieben Mitverträge und planten ihr neues Leben als Händler in der Schorndorfer Innenstadt. Dann kam das Coronavirus. Ihre Eröffnung fiel mitten in die Krise. Trotz der vielen Herausforderungen und Probleme blicken die beiden Gründer optimistisch in die Zukunft.

Die Konzepte, die sie sich überlegt haben, gab es in der Form bislang nicht. Jakob Härer hat ein Geschäft für nachhaltige und modische Produkte aus der Region eröffnet, ein sogenannter Concept-Store. Larissa Berger verkauft unverpackte Lebensmittel und andere Produkte, die Kunden in Gefäßen selbst abfüllen müssen. So sollen unnötig viele Verpackungen wegfallen und Plastikmüll sollverhindert werden.

Kein normaler Alltag im Handel möglich

Larissa Berger sitzt im Freien auf einem der Stühle links neben ihrem Laden. Die 28-Jährige wirkt fröhlich, trotz Krise. Es habe am Anfang wehgetan, festzustellen, dass erst mal kein normaler Alltag möglich sein wird, sagt sie. Sie verstehe zwar, dass es ohne Maske derzeit nicht gehe, bedauere aber, dass sie über die Mimik kaum eine richtige Kundenbeziehung aufbauen könne. Außerdem sei es auf Dauer belastend, die Maske zu tragen. „Ich hoffe, dass es bald ein Ende hat“, sagt Berger. Besonders schade habe sie etwa auch gefunden, dass keine Eröffnungsfeier stattfinden konnte. Doch inzwischen habe sie die Situation akzeptiert, wie sie ist, und versuche optimistisch in die Zukunft zu schauen.

So läuft der Einkauf in der Bergerei

Wer in ihrem Laden einkauft, muss sein mitgebrachtes Gefäß rechts vom Eingang erst mal abwiegen und den entsprechenden Betrag auf einem kleinen Aufkleber notieren und etwa auf das Einmachglas oder auf die mitgebrachte Plastikdose kleben. Dann kann es losgehen: Mehl, Getreide, Nudeln, Süßigkeiten und vieles mehr können Kunden hineinleeren. Die Preise stehen jeweils auf Zetteln über den großen Schütten. Wer nicht genügen Gefäße zu Hause hat, kann in der Bergerei auch allerlei Metalldosen und Gläser kaufen. An der Kasse wird schließlich noch mal abgewogen und das Gewicht des Gefäßes vom Gesamtgewicht abgezogen.

Ein personalintensives Geschäft

Berger beschäftigt gleich fünf Aushilfen und eine Teilzeitkraft, die viele Arbeit im Laden sei sonst nicht zu machen. „Das ist ein personalintensives Konzept“, sagt sie. Die großen Lebensmittelspender müssen nachgefüllt und gereinigt werden, die Gefäße an der Kasse gewogen werden. Ein bis zwei Stunden vor Ladenöffnung bereite sie mit ihren Mitarbeiterinnen schon alles am Tag vor, erklärt Larissa Berger. Weil sie derzeit so viel wie möglich selbst mache, seien ihre Tage derzeit recht lang.


Über das Risiko der Existenzgründung habe sie sich durchaus viele Gedanken gemacht. Doch sie habe sich auch immer wieder gesagt: „Wenn andere im Einzelhandel das schaffen, dann kann ich das auch.“ Die 28-Jährige kommt aus der Wirtschaft und hat in den vergangenen Jahren als Produktmanagerin eines Unternehmens in München gearbeitet. Mit Zahlen kennt sie sich aus. Mit ihrem Freund zog sie aus der bayrischen Großstadt zurück in ihre Heimat Schorndorf, Berger wuchs hier auf.

Existenzsorgen habe sie keine. „Wenn man nur über das Risiko einer solchen Gründung nachdenkt, dann macht man es nicht“, sagt sie.

Die Umsätze aus ihrem Café fehlten anfangs komplett

Auf der großen Fläche, in der früher die Bar Zentral war, bietet Berger nicht nur Lebensmittel, Seifen und andere Produkte an, sondern betreibt auch ein kleines Café. Die Umsätze aus verkauftem Kaffee und Kuchen hätte sie fest in ihre Pläne einkalkuliert. Dass sie am Anfang der Coronakrise komplett ausgefallen seien, das sei schon sehr bitter gewesen. Über ihr kleines Café wollte sie auch Kunden anlocken, die von dem in Schorndorf bislang noch unbekannten Konzept abgeschreckt seien.

Berger hat keine staatlichen Hilfen beantragt

Corona-Hilfen seitens des Staates habe sie nicht beantragen können, da sie konkrete Umsatzeinbußen hätte angeben müssen. Doch ohne Betrieb vorher gebe es eben auch keine Umsätze.

Am Vormittag schlendern einige Kunden durch den Laden, die ersten scheinen das neue Konzept schon anzunehmen. „Schorndorf ist offen dafür“, sagt Berger. Die ersten Stammkunden kommen regelmäßig. Während Berger über die Situation in ihrem Laden spricht, unterbricht sie eine ältere Kundin: „Ich habe sie schon weiterempfohlen“, sagt sie. Ihre Kundschaft sei recht unterschiedlich, einige ältere und jüngere kämen. Hauptsächlich seien es aber junge Familien, die bei ihr einkaufen.

Ende April öffnete auch der 28-jährige Jakob Härer seinen Laden

Mitten in der Coronakrise, genau genommen Ende April, eröffnete auch Jakob Härer seinen Concept-Store dort, wo vorher das Buchkontor war. Oft ist Härer alleine im Laden, doch an manchen Tagen kämen auch recht viele Leute, erzählt er. „Woran das im Einzelnen liegt, kann ich aber gar nicht genau sagen“, meint der 28-Jährige aus Plüderhausen. Im Einzelhandel hat er Erfahrung, vor seiner Ladeneröffnung arbeitete er im Magazin, einem großen Einrichtungsgeschäft in Stuttgart.


Vor allem hochpreisige Produkte wie Seidenkleider und Goldschmuck verkaufen sich weniger gut als günstigere Produkte wie etwa Getränkeröhrchen aus Glas oder Bienenwachstücher, stellt er bislang fest. Das besondere an seinem Laden: Die Produkte kommen aus der Region und sind nachhaltig erzeugt. Er versuche, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, was sie brauchen können. Er vermutet, dass sich viele nicht so recht in das Geschäft trauten. Um Kunden anzulocken, macht er kleine Veranstaltungen und veranstaltet etwa in einem hinteren Raum Kunstausstellungen. Außerdem gibt es bei ihm auch etwas zu trinken, ab und zu Süßes und eine Sitzgelegenheit vor dem Geschäft. Doch auch während des Gespräches an einem Vormittag betritt kein Kunde das Geschäft.

Einen Online-Shop will Jakob Härer nicht eröffnen, er will seine Produkte vor Ort verkaufen. Allerdings versucht es der junge Gründer mit einem zweiten Standbein als Kommunikations- und Grafikdesigner. Neben der Arbeit im Laden versucht er, Kunden zu gewinnen und Aufträge zu generieren.

Härer will nach der Krise kleine Events in seinem Laden veranstalten

Auch wenn bislang nicht allzu viel in seinem Laden los ist, betont Härer, er sei trotz allem nicht verbittert und versuche optimistisch in die Zukunft zu schauen. „Ich freue mich auf die Zeit, in der ich dann endlich Events oder coole Aktionen anbieten kann“, sagt Härer. In einer coronafreien Zukunft will er hier mehr Ausstellungen oder womöglich auch mal kleine Konzerte veranstalten.

Larissa Berger hat erst kürzlich einen Unverpackt-Laden Bergerei in der Karlstraße eröffnet, Jakob Härer startete mit einem Concept-Store in der Neuen Straße durch. Als die beiden Gründer ihre Businesspläne aufstellten und sich ein Konzept überlegt haben, war Corona noch weit weg. Sie nahmen Kredite bei der Bank auf, unterschrieben Mitverträge und planten ihr neues Leben als Händler in der Schorndorfer Innenstadt. Dann kam das Coronavirus. Ihre Eröffnung fiel mitten in die Krise. Trotz der

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