Schorndorf

Geldstrafe: Kilometerstände vor dem Verkauf manipuliert

dashboard-962074_640_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf/Rudersberg. Zwar bescheinigten Staatsanwalt und Richterin dem Angeklagten „hohe kriminelle Energie“, dennoch kam der 41-Jährige mit einer Geldstrafe in Höhe von 4 500 Euro davon. Dieses eher milde Urteil des Amtsgerichts Schorndorf hat er dem Umstand zu verdanken, dass er sich schon vor Beginn der Verhandlung um Schadensbegrenzung bemüht hatte.

Zwei Autoverkäufe waren es, die den Angeklagten vor die Schranken des Gerichts brachten. Er hatte die Autos mit manipuliertem Kilometerstand verkauft. Allerdings hat der Rudersberger den Käufern schon vor Beginn der Verhandlung einen Großteil der Kaufsumme zurückgezahlt und die beiden Autos zurückgenommen. Statt der geplanten Wertsteigerung machte der Angeklagte „große Minusgeschäfte“.

Diese beiden Tatsachen sind ihm dann beim Gerichtsurteil zugutegekommen. Richterin Petra Freier erklärt in ihrer Urteilsbegründung aber dennoch, dass dieses Verfahren auch mit einer Freiheitsstrafe für den Angeklagten hätte ausgehen können, wenn er sich nicht um die Schadensbegrenzung bemüht hätte. Und: Der Stress und den Ärger, den die Käufer durch diesen Betrug des Angeklagten hatten, ist damit auch nicht wiedergutzumachen. Einer der beiden Käufer sagte vor Gericht sogar: „In dieser Zeit habe ich fast drei Kilo abgenommen.“

Benzin lief aus dem Tank

Dass bei dem privat vom Angeklagten gekauften BMW „etwas nicht stimmen kann“, haben der Käufer und seine Familie aus Kaufbeuren schon gleich nach dem Kauf für 13 200 Euro im Oktober 2015 gemerkt. Vor der Heimfahrt von Rudersberg nach Bayern wollte der 30-Jährige „mit seinem letzten Geld“ das Auto volltanken. An der Tankstelle musste er dann allerdings feststellen, dass der getankte Kraftstoff wieder aus dem Tank herauslief. Auch das Verhalten des Verkäufers, mit dem er daraufhin noch an der Tankstelle ein Telefonat führte, bestätigte seine Vermutung. Dieser versicherte ihm den „einwandfreien Zustand“ des Autos und beendete mit der Drohung einer Anzeige das Telefonat.

Wie ein Totalschaden

Nach längerer Suche habe er dann schließlich eine Werkstatt gefunden, „die ihm wirklich geholfen hat“, wie der Käufer sagt. Dort stellten die Mechaniker fest, dass ein Dichtungsring in der Kraftstoffpumpe gefehlt habe. Außerdem haben sich Metallspäne im Tank des Autos befunden und die Mechaniker äußerten die Vermutung, dass der Kilometerstand manipuliert sein könnte. „Da habe ich den Salat gehabt“, erklärt der 30-Jährige. Die komplette Instandsetzung des BMW hätte den Käufer eine hohe Geldsumme gekostet und war für ihn somit „wie ein Totalschaden“.

Serviceheft aus einem Gebrauchtwagen gestohlen

Die Werkstatt wies den 30-Jährigen ebenfalls daraufhin, dass „es gefährlich sei, mit diesem Auto weiterzufahren“. Trotz dieser Warnung fuhr er schließlich an einem anderen Tag mit dem Auto zurück nach Bayern. Dort ließ er den Zündschlüssel ablesen, denn dieser speichert den Kilometerstand des Autos ebenso. Das Ergebnis hat ihn dann aber auch „ganz schön umgehauen“, sagt er, „ich habe mir nicht mal im schlimmsten Traum vorstellen können, dass der Kilometerstand manipuliert ist“. Das Ablesen des Zündschlüssels ergab statt der 81 000 Kilometer im Kaufvertrag tatsächlich 244 000 Kilometer. Eine daraufhin von ihm kontaktierte Rechtsanwältin ist dann auch auf das ebenso manipulierte Serviceheft des Autos gestoßen.

Dieses Heft muss der 41-jährige Angeklagte während einer Probefahrt kurz vor dem Verkauf aus einem Gebrauchtwagen eines Waiblinger Autohauses geklaut haben – „in einer Sache von ein paar Minuten“, wie die Verkaufsleiterin sagt. Anschließend hat er mit der geklauten Urkunde das Serviceheft des BMW manipuliert, was der Richterin und dem Staatsanwalt vor Gericht aufgrund der Seitenzahlen offensichtlich aufgefallen ist.

Zweiter Geschädigter wird erst durch Polizei auf Betrug aufmerksam

Im Gegensatz zu dem 30-Jährigen aus Bayern, ist der andere Käufer aus Ellwangen erst durch die Polizei auf die Manipulation des Kilometerstandes des Autos aufmerksam geworden. Statt der eigentlich 138 000 Kliometer hatte der Angeklagte den Kilometerzähler bei diesem Auto auf 68 000 Kilometer heruntergeschraubt. Sehr zum Ärger des Geschädigten, der „eine große Strafe für den Betrüger“ forderte.

Korrekt und sehr freundlich

Der 54-Jährige beschreibt den Ablauf des Verkaufs und das Auftreten des Angeklagten, wie der Käufer aus Bayern, „korrekt und sehr freundlich“. Er hatte ihm zum Zeitpunkt des Verkaufs, ebenso wenig wie der 30-Jährige aus Bayern, diesen Betrug zugetraut. Beiden hat die Internetanzeige, mit welcher sie vom Verkaufsangebot der beiden Autos erfuhren, „sehr gut gefallen“ und der Preis sei „machbar“ gewesen. Dennoch wird der 30-Jährige aus Bayern, wie er selbst sagt, sein nächstes Auto „wohl in einem Autohaus kaufen“.