Schorndorf

Gerichtsverhandlung in Schorndorf: Wem gehören die zufällig gefundenen Drogen?

Kokain
Bei der Gerichtsverhandlung ging es unter anderem um Amphetamin, ein weiß-gelbliches Pulver, das im Volksmund auch als "Speed" bekannt ist. © DedMityay - stock.adobe.com

Weil ihm vorgeworfen wurde, illegale Drogen besessen zu haben, musste sich ein 48-jähriger Mann aus Rommelshausen vor dem Amtsgericht Schorndorf verantworten. Obwohl es sich um verhältnismäßig kleine Mengen handelte, entfaltete sich während der Verhandlung eine Geschichte rund um Drogen, Vorstrafen und Kinderpornografie.

Doch zunächst mal zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Rommelshausener soll wissentlich knapp ein Gramm Marihuana, 21,5 Gramm Amphetamin-Feuchtmasse, 16,7 Gramm getrocknetes Amphetamin und 18 Ecstasy-Tabletten besessen haben.

Mitbewohner wurde bereits wegen Handels mit Drogen verurteilt

Richterin Petra Freier befragte den Angeklagten, gegen den aktuell mehrere Verfahren unterschiedlicher Deliktarten laufen. Immerhin hatte dieser Einspruch gegen eine zunächst verhängte Geldstrafe erhoben. Er berichtete, im Sommer 2021 aus der Haft entlassen worden zu sein. Übergangsweise sei er in ein Zimmer bei einem Freund in Remshalden eingezogen. „Ich habe dort nur meine Sachen abgestellt und ab und an dort geschlafen. Meistens war ich bei meiner Tochter“, so der Angeklagte.

Im November des vergangenen Jahres wurde dann die Wohnung des 35-jährigen Freundes wegen des Verdachts auf Kinderpornografie durchsucht. Dort fand die Polizei zufällig die verschiedenen Drogen. Hinter dem Sofa, im Kühlschrank und im Zimmer des Angeklagten. Dieser war bei der Durchsuchung nicht vor Ort.

Sein Mitbewohner sagte bei der Polizei aus, nichts von den Drogen zu wissen, wies die Beamten aber darauf hin, dass sie seinem Mitbewohner gehören könnten. Das freundschaftliche Verhältnis der beiden Männer ist seitdem „erledigt“, merkte der Angeklagte an. Mit Drogen habe er nie etwas zu tun gehabt.

Richterin Petra Freier stellte daraufhin fest, dass der Angeklagte zwar 27-mal vorbestraft ist, jedoch nie mit Drogen in Verbindung gebracht wurde. Sein ehemaliger Mitbewohner hingegen wurde von ihr selbst zu einer Bewährungsstrafe wegen Handels mit Betäubungsmitteln verurteilt. Allerdings wurde auf Nachfrage des Staatsanwalts bekannt, dass der Angeklagte durchaus von einem möglichen Drogenbesitz des anderen Mannes wusste. Er habe beobachtet, wie sein damaliger Freund „Baggys“, so werden Plastiktütchen zum Verpacken von Drogen genannt, hinter dem Sofa gelagert hat.

Dann trat der 35-jährige ehemalige Mitbewohner des Angeklagten in den Zeugenstand. Er erzählte, dass der 48-Jährige für eine kurze Zeit bei ihm in Remshalden gewohnt und dafür auch 300 Euro Miete im Monat gezahlt habe. Dafür habe er ihm ein ganzes Zimmer überlassen, das er in dieser Zeit nie betreten habe.

„Ganz sicher“ nichts von Amphetamin und Ecstasy gewusst

Da der Mann vor einigen Monaten wegen Drogenhandels auf Bewährung verurteilt wurde, bohrte Richterin Petra Freier sofort nach. Der Zeuge gab schnell zu: „Nur das Cannabis war meins. Das war ja auch in meinen Räumlichkeiten.“ Von Ecstasy-Tabletten und Amphetamin allerdings habe er nie gewusst. „Ganz sicher.“

Der zweite Zeuge, den die Richterin befragte, war einer der Polizisten, der bei der Hausdurchsuchung dabei war. Der 35-jährige Mitbewohner des Angeklagten sei aus allen Wolken gefallen, als ihm der Grund für die Durchsuchung genannt wurde. Kinderpornografische Materialien zu besitzen, stritt er vehement und laut dem Beamten glaubhaft ab.

Drogen wurden in Zimmern von beiden Mitbewohnern gefunden

Er wies die Polizei aber darauf hin, dass sein Mitbewohner dasselbe WLAN-Netzwerk benutze wie er. „Wir wussten gar nichts von einem Mitbewohner und haben dann mit der Dienststelle telefoniert. Uns wurde bestätigt, dass gegen diesen schon eine Sache wegen Kinderpornografie gelaufen ist“, berichtete der Polizist.

Im Wohnzimmer des anwesenden Mannes fand die Polizei laut dem Zeugen nicht nur Marihuana und Verpackungsmaterial, sondern auch eine Bong. Das ist eine Wasserpfeife ohne Schlauch, mit der die pflanzliche Droge oft geraucht wird.

Im Zimmer des Angeklagten entdeckten die Beamten Tütchen mit „weißem Stein“, einen Teller mit weißem Pulver darauf und Tabletten. Ebenso wie den Ausweis des Angeklagten und ein Schreiben an ihn. „Das war definitiv sein Zimmer“, betonte der Polizist. Doch auch im Kühlschrank fanden die Polizisten eine Dose mit einer festen, weißen Masse darin. Der Polizist erläuterte: „Das war meines Erachtens Amphetamin.“ Der 35-Jährige habe ihm sehr glaubhaft erklärt, nichts von der Dose gewusst zu haben.

Dem Mann stehen weitere Termine am Amtsgericht bevor

Am Ende der Befragungen stand Aussage gegen Aussage. Richterin Petra Freier merkte an, dass sich der Angeklagte zwar verdächtig gemacht habe, die Ermittlungen aber noch nicht vollständig abgeschlossen sind. Nach einer kurzen Beratung mit der Richterin beantragte der Staatsanwalt tatsächlich, das Verfahren einzustellen.

Die Richterin gab dem, im Hinblick auf die anderen Verfahren gegen den 48-Jährigen und die vergleichsweise geringen Mengen an Rauschgift, statt. Sie richtete sich zum Schluss direkt an ihn: „Dieser Teil ist jetzt abgeschlossen, bei den anderen wird man sehen.“

Weil ihm vorgeworfen wurde, illegale Drogen besessen zu haben, musste sich ein 48-jähriger Mann aus Rommelshausen vor dem Amtsgericht Schorndorf verantworten. Obwohl es sich um verhältnismäßig kleine Mengen handelte, entfaltete sich während der Verhandlung eine Geschichte rund um Drogen, Vorstrafen und Kinderpornografie.

Doch zunächst mal zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Rommelshausener soll wissentlich knapp ein Gramm Marihuana, 21,5 Gramm Amphetamin-Feuchtmasse, 16,7 Gramm

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