Schorndorf

Glühwein-Ausschank: Das war’s dann wohl

Glühwein to stand
Vor dem „Santa Lucia“ in der Höllgasse kam zuletzt mit dem Glühwein- und Bratwurstverkauf etwas Weihnachtsmarkt-Stimmung auf, damit ist’s jetzt wieder vorbei. © Gabriel Habermann

Das ist hart: Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt und jetzt soll zum dritten Advent auch noch der Glühwein-Ausschank in der Gastronomie verboten werden. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha hat schon Anfang der Woche gedroht, den Alkoholausschank im Freien verbieten zu wollen. Meterlange Schlangen und Menschenansammlungen – das passt nicht zur angespannten Pandemie-Situation, in der Abstandhalten oberstes Gebot ist. Auch in Schorndorf kam’s nach Auskunft von Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerich vereinzelt zu kleineren Ansammlungen.

Die Mitarbeiter des gemeindlichen Vollzugsdienstes, versichert Hemmerich, waren vor Ort, haben die Personen angesprochen und entsprechend informiert. „Wir arbeiten hier eng mit den Betreibern zusammen, um sicherzustellen, dass die Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden.“ Im Rahmen der täglichen Streifen werde weiter regelmäßig kontrolliert. Ein Ausschankverbot für Alkohol war für die Stadt bis dato aber kein Thema, werde aber natürlich umgesetzt, wenn es Teil der neuen Corona-Verordnung ist.

„Santa Lucia“: Mit Vernunft – und für eine gewisse Normalität

Als Georg Vlassidis sich entschieden hat, aus seinem Eiscafé in der Höllgasse heraus Glühwein und Bratwürste zum Mitnehmen zu verkaufen, ging es ihm „um das Vernünftige, nicht um das Gesellige“. Darum hat er den Verkauf auf den Nachmittag beschränkt, spätestens um 18 Uhr war Schluss. „Wir wollten nicht zum Hotspot werden“, sagt Vlassidis, dem es vor allem um „eine gewisse Normalität“ ging: „Wir wollen arbeiten.“ Dabei war ihm natürlich die ganze Zeit bewusst, dass selbst Glühwein zum Mitnehmen die Leute anziehen wird. Von Sonntag bis Freitag war das aus seiner Sicht auch unproblematisch, einzig am Samstag, wenn der Wochenmarkt die Menschen in die Stadt lockt, sei der Andrang so groß gewesen, dass er aufs Ordnungsamt zugegangen ist und um Unterstützung gebeten hat. Zwar seien er und seine Mitarbeiter auf Gruppen zugegangen, wenn’s enger wurde, Verbote könne er als Wirt aber nicht aussprechen.

Dass ihm, weil manche sich nicht an die Abstandsregeln halten, jetzt auch noch der Glühweinausschank verboten wird, das ist für Vlassidis sehr bedauerlich. Immerhin hat er, in Erwartung, dass es im Herbst und Winter zumindest draußen weitergehen kann, investiert in Heizpilze und Trennwände. Doch auch die Außen-Gastronomie ist seit dem Lockdown Anfang November verboten, mittlerweile sind alle Angestellten in Kurzarbeit. Wie’s weitergeht, ist unklar: Und diese Ungewissheit ist für Vlassidis, der immer noch versucht, Ideen zu entwickeln, „das Schlimmste“.

„Incontro“: XXL-Schirm und Verglasung – „für nichts“

Auch Rosa Placentino vom „Incontro“ an der Stadtkirche ist frustriert: Damit’s in der kalten Jahreszeit irgendwie weitergehen kann, hat sie kräftig investiert und einen sechs auf acht Meter großen Schirm angeschafft. Die Verglasung, mit der sie ihren Gästen den Open-Air-Kaffeegenuss ermöglichen wollte, wird am Freitag geliefert. „Da sitze ich dann jeden Abend alleine“, kündigt Placentino mit einem kräftigen Schuss Sarkasmus an – „es ist zum Heulen“. Und mögen der November und Dezember auch in der Vergangenheit eher schwache Monate gewesen sein, die Café-Betreiberin hatte gehofft, mit 40 Außenplätzen die Einnahmeverluste vom Lockdown im Frühjahr und dem eingeschränkten Betrieb im Sommer wettmachen zu können. Schließlich durften sich auf den 55 Plätzen im Café gerade mal 15 Gäste niederlassen. Wie, fragt Rosa Placentino, soll sie so ihre Fixkosten bezahlen? Der Vermieter will die volle Miete, der Sohn studiert. Jetzt ist auch noch der Glühweinverkauf verboten – Rosa Placentino kann nur verzweifelt mit den Schultern zucken: Von 20, 30 Euro, die der To-go-Verkauf am Tag einbringe, „kann man sowieso nicht leben“. Trotzdem wollte sie präsent sein, arbeiten. Doch die Café-Betreiberin ist ehrlich: „Es ist eine Katastrophe.“

Gasthaus „Hirsch“ in Oberberken: Wenig Verständnis fürs Verbot

Das Verständnis für das Verbot fehlt auch Anke Schurr vom Gasthaus „Hirsch“ in Oberberken: Natürlich habe der Glühweinausschank, den sie freitags, samstags und sonntags auf ihrem Parkplatz angeboten haben, Leute angelockt. „Aber Menschenansammlungen und Betrunkene gab’s keine“, sagt Schurr. Auf dem großen Parkplatz, auf dem der „Hirsch“ auch Wohnmobil-Dinner anbietet, habe sich der Andrang verteilt. Daran habe auch das Ordnungsamt bei einer Kontrolle nichts auszusetzen gehabt.

Die Gäste kamen mit ihren Autos, haben die Heckklappe aufgemacht und im Kofferraum Platz genommen – oder sind mit Glühwein und Bratwurst zum begehbaren Adventskalender im Ort weitergezogen. Jetzt hofft die Oberberkener Wirtsfamilie, die ihre Speisen nur noch zum Mitnehmen anbieten darf, weiter durchhalten zu können: Beim ersten Lockdown, sagt Anke Schurr, musste niemand in Kurzarbeit geschickt werden, „das wollen wir auch jetzt schaffen“.

Das ist hart: Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt und jetzt soll zum dritten Advent auch noch der Glühwein-Ausschank in der Gastronomie verboten werden. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha hat schon Anfang der Woche gedroht, den Alkoholausschank im Freien verbieten zu wollen. Meterlange Schlangen und Menschenansammlungen – das passt nicht zur angespannten Pandemie-Situation, in der Abstandhalten oberstes Gebot ist. Auch in Schorndorf kam’s nach Auskunft von Erstem

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