Schorndorf

Gräber von Zwangsarbeitern in Schorndorf erhalten neu gestaltete Grabkreuze

Kriegsgraeber
Vor den Zwangsarbeitergräbern: Dr. Andrea Bergler und OB Matthias Klopfer. © Gaby Schneider

Olga Domaskina war erst 20 Jahre alt, Leonid Kudurenko gerade mal 19, als sie 1944 und 1945 als Zwangsarbeiter in Schorndorf gestorben sind. Auf einer Gräberliste wird als Todesursache bei beiden Tuberkulose aufgeführt. Was wissen wir über ihre Lebensgeschichten, ihre Hoffnungen? Nichts.

Die Namen der Opfer wieder lesbar

Aber auch bei den Angaben über die Todesursache dieser Arbeitssklaven Nazi-Deutschlands müsse man „vorsichtig sein“, sagte Dr. Andrea Bergler, die Leiterin des Stadtmuseums, in einer kurzen Rede auf dem Friedhof. Zusammen mit elf anderen hier umgekommenen Zwangsarbeitern, außer zwei Polen alle aus der ehemaligen Sowjetunion, sind die beiden in einer Kriegsgräberstätte auf dem Alten Friedhof bestattet. Nun, 75 Jahre nach Kriegsende, wurden die durch die Witterung unansehnlich und teilweise nicht mehr lesbar gewordenen Holzkreuze auf den Gräbern durch neue, von der Schorndorfer Metallbau-Firma Viktor Steinhauer ästhetisch gestaltete Kreuze aus Cortenstahl ersetzt. Die Namen der Toten sind wieder lesbar, und damit erinnerbar geworden.

Eine weiße Rose und ein Totenlicht

Eigentlich wollte Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Rahmen der Gedenkfeier am diesjährigen Volkstrauertag auf die neu gestaltete Grabanlage besonders aufmerksam machen. Seine Teilnahme hatte auch der russische Generalkonsul aus Stuttgart zugesagt. Da das wegen Corona so nicht stattfinden konnte, wurde die Vorstellung der neuen Grabstätten, auf jeder eine weiße Rose und ein Totenlicht, nun bei einem Pressetermin nachgeholt.

„Teil der Verbrechen des Nationalsozialismus sind die Zwangsarbeiter“, sagte der Oberbürgermeister bei diesem Anlass. Am Ende des Zweiten Weltkrieges sollen es im ganzen Reichsgebiet insgesamt 13,5 Millionen Menschen gewesen sein. Die Mehrzahl kam aus der damaligen Sowjetunion, darunter, auch in Schorndorf, viele Ukrainer. Die meisten anderen kamen aus Polen und Frankreich.

Dabei gab es Unterschiede in der Behandlung der teils verschleppten, gefangenen oder angeworbenen „Fremdarbeiter“. Das hatte mit der Rassenideologie der Nazis zu tun, für die Menschen aus den slawischen Ländern als „minderwertig“ galten. Anders als etwa die Franzosen wurden sie auch in Schorndorf in mit Stacheldraht eingezäunten Lagern gefangengehalten.

In einer höchst lesenswerten historischen Studie hat die ehemalige Leiterin des Stadtarchivs, Edith Holzer-Böhm, in den Heimatblättern (Nr. 17, 2003) die Situation der Fremdarbeiter während des Zweiten Weltkriegs in Schorndorf dargestellt. So gab es Ende 1944 bei einer Einwohnerzahl von 10 739 die erstaunliche Zahl von 683 „Fremdarbeitern“. So gab es bei folgenden Firmen seit 1943 eigene, sogenannte „Ostarbeiter-Lager“: 30 Männer und zwei Frauen bei Landwirtschaftsgeräte Abt; sechs Männer und 39 Frauen bei Eisenmöbel L. & C. Arnold; 25 Männer (Kriegsgefangene) in der Lederfabrik Röhm. Und sie wurden dort - vergleichsweise - nicht nur schlecht behandelt. „Die Firmen hatten Spielraum“, so Andrea Bergler, wie gut oder schlecht sie ihre Zwangsarbeiter behandelten.

Unmut aber gab es bei der Schorndorfer Bevölkerung, so Bergler, wenn sich die Fremdarbeiter zu frei in der Stadt bewegen konnten. Das wollte man nicht sehen.

„Ein Friedhof kann ein historischer Bildungsort sein“, sagte Matthias Klopfer und kündigte einen informativen Flyer an, der einen Besuch der Grabstätte begleiten soll. „Erinnerungskultur ist mir persönlich sehr wichtig in unserer Stadt.“

Olga Domaskina war erst 20 Jahre alt, Leonid Kudurenko gerade mal 19, als sie 1944 und 1945 als Zwangsarbeiter in Schorndorf gestorben sind. Auf einer Gräberliste wird als Todesursache bei beiden Tuberkulose aufgeführt. Was wissen wir über ihre Lebensgeschichten, ihre Hoffnungen? Nichts.

Die Namen der Opfer wieder lesbar

Aber auch bei den Angaben über die Todesursache dieser Arbeitssklaven Nazi-Deutschlands müsse man „vorsichtig sein“, sagte Dr. Andrea Bergler, die Leiterin

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper