Schorndorf

Grüne protestieren in Miedelsbach

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Wilhelm Pesch (links) und Werner Neher von der Grünen Liste Schorndorf (GLS) haben vor dem TSV-Vereinsheim gegen den Ausschluss ihrer Liste von der offiziellen Teilnahme an der Podiumsdiskussion demonstriert, sich einen Auftritt in der Veranstaltung selber aber anschließend erspart. © Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf-Miedelsbach. Dass bei der ersten Stadtteil-Kommunalwahldiskussion im Miedelsbacher TSV-Vereinsheim womöglich mehr amtierende Stadträtinnen und Stadträte – darunter alle vier Fraktionsvorsitzenden – und Kandidatinnen und Kandidaten im Saal waren als Miedelsbacher Bürger, könnte mit dem im Vorfeld geführten Streit um die Besetzung des Podiums zu tun haben.

Wer allerdings einen Eklat insofern erwartet hatte, als die Grüne Liste Schorndorf (GLS) in aller Öffentlichkeit noch einmal ihren Anspruch auf ebenfalls zwei Plätze auf dem bis dahin den im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen reservierten Podium einfordern würde (wir haben berichtet), wie es der noch für Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat sitzende und jetzt nach stark von persönlichen Animositäten geprägten innerfraktionellen Differenzen für die GLS kandidierende Werner Neher angekündigt hatte, wurde enttäuscht. Neher und sein ebenfalls von der Fraktion enttäuschter und deshalb für die GLS antretender Kollege Wilhelm Pesch beließen es dabei, ihre Verärgerung und ihren Protest gegen das ihrer Meinung nach undemokratische Verhalten der etablierten Fraktionen mit Plakaten zum Ausdruck zu bringen. „Wer hat Angst vor zu viel Grün?“ stand auf einem dieser Plakate zu lesen – in Anspielung darauf, dass es die Vorsitzenden der CDU-, der SPD- und der FDP/FW-Fraktion abgelehnt hatten, sich auf dem Podium von vier grünen Kandidaten – zwei von der Liste Bündnis 90/Die Grünen und zwei von der neuen GLS-Liste – die Welt erklären zu lassen.

Ein Vorschlag Andrea Siebers, von dem niemand etwas weiß

CDU-Fraktionschef Hermann Beutel hatte stattdessen den Kompromissvorschlag gemacht, die beiden grünen Listen sollten sich die zwei ursprünglich Bündnis 90/Die Grünen vorbehaltenen Plätze auf dem Podium teilen. Was Grünen-Fraktionschefin Andrea Sieber aber kategorisch abgelehnt hatte – mit Verweis darauf, dass die eine Liste mit der anderen nichts zu tun habe. Sie habe sich aber, so Andrea Sieber, im Vorfeld der ersten Ortsteilveranstaltung – sechs weitere folgen bis zum 21. Mai – durchaus dafür ausgesprochen, die Grüne Liste Schorndorf mit aufs Podium zu nehmen und das Teilnehmerfeld auf dann zehn Kandidatinnen und Kandidaten zu erweitern. Woran sich aber auf Nachfrage keiner der drei anderen Fraktionsvorsitzenden erinnern kann. Und bei der Grünen Liste wusste von diesem Vorschlag ebenfalls niemand etwas, weil es Andrea Sieber nicht nur nicht für nötig erachtet hat, dieses Werner Neher auf seine schriftliche Protestnote hin mitzuteilen, sondern auch, ihm überhaupt zu antworten.

Teilerfolg der GLS: Ortsvorsteher nicht auf dem Podium

„Ich sehe nicht ein, warum wir uns das antun sollen“, begründete Werner Neher vor Ort, warum er auf einen Auftritt im TSV-Vereinsheim und auf eine Teilnahme aus dem Publikum heraus verzichtet hat. Hätte er eine Erweiterung des Podiums gefordert, wäre er ganz sicher von AUB-Kandidat Norbert Chmelar unterstützt worden, der ebenfalls der Meinung ist, dass seine dreiköpfige Liste auf dem Podium vertreten sein müsste, es aber beim stillen Protest beließ und die Diskussion aus dem Publikum heraus verfolgte. Eines immerhin hatte die GLS mit ihren Einwänden gegen die Besetzung des Podiums bei den Stadtteildiskussionen erreicht: dass nicht, wie zunächst geplant, die Ortsvorsteher die jeweilige Diskussion moderieren dürfen. Das wäre nach Einschätzung des Gemeindewahlausschusses nur gegangen, wenn alle sieben für den Gemeinderat kandidierenden Listen auf dem Podium vertreten gewesen wären. Unter den gegebenen Umständen aber hätten die Ortsvorsteher mit einer irgendwie gearteten Beteiligung an der Diskussion gegen ihre Neutralitätspflicht verstoßen. Weshalb der Miedelsbacher Ortsvorsteher Thomas Rösch die Farben der FDP/FW-Liste, auf der er für den Gemeinderat kandidiert, auch nicht als Diskussionsteilnehmer vertreten, sondern nur zuhören konnte, was die acht auf dem Podium zu den Themen Ortsentwicklung, Kelter und Ortsumfahrung zu sagen hatten – verbunden natürlich jeweils mit einem flammenden Bekenntnis zur Eigenständigkeit der Stadtteile.

Nur Bündnis 90/Die Grünen setzten ganz auf die lokale Karte

Interessant war die Besetzung des Podiums: Denn während etwa die SPD ihre beiden Spitzenkandidaten Sabine Reichle und Thomas Berger (der immerhin Miedelsbacher Lokalmatador ist) ins Rennen schickte und die FDP/FW-Liste mit den zwei Stadträtin Peter Schwan (Buhlbronn) und Gerald Junginger vertreten war, setzten die Grünen – also die von Bündnis 90 – mit Rudi Berkemer und Friederike Köstlin, die beide neu von Listenplatz 10 beziehungsweise 3 aus in den Gemeinderat wollen, ganz auf die lokale Karte. Für die CDU schließlich gingen mit Michaela Salenbauch (Listenplatz 10) eine etablierte Stadträtin und mit dem 31-jährigen Sören Obermüller ein allerdings nur auf Platz 29 geführter junger Kandidat an den Start.


Nächste Termine

In dieser Woche findet nur eine weitere Kommunalwahl-Diskussion in einem Schorndorfer Stadtteil statt.

Am Mittwoch, 8. Mai, diskutieren acht Kandidatinnen und Kandidaten im Foyer des Bürgerhauses Schlichten über örtliche Anliegen und Befindlichkeiten. Beginn ist um 19 Uhr.

In der darauffolgenden Woche gibt es Veranstaltungen in Oberberken, Schornbach (jeweils montags), Haubersbronn (dienstags) und Buhlbronn (am Donnerstag). Den Abschluss macht Weiler am Dienstag, 21. Mai.

Bei jeder dieser Veranstaltungen will die GLS ihre in Miedelsbach begonnenen Protestaktionen fortsetzen.