Schorndorf

Graffiti-Kunst zur Gartenschau

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Violettes Raster in Anlehnung an das allgegenwärtige Schorndorfer Fachwerk: Frederik Merkt macht ein Graffiti zum Gartenschau-Anstoß. © Palmizi / ZVW

Schorndorf. Auf den Tag genau zwei Jahre vor Eröffnung der Interkommunalen Gartenschau 2019 hat Frederik Merkt mit dem Sprühen begonnen. Doch keine Bange: Mehr als vier Tage Zeit muss er für die Spraykunst nicht im Lösungsmittelnebel stehen. Sein Graffiti – auf legaler Fläche am Spielplatz der Neuen Straße und von der Stadt in Auftrag gegeben – soll jetzt schon Lust machen auf das Großereignis.

Video: Frederik Merkt verschönert die Wände in der Innenstadt für die Gartenschau.

Auf jeder freien Fläche seine Spuren zu hinterlassen, in Nacht-und-Nebel-Aktionen Hauswände, Züge und Brücken zu besprühen, aus diesem Alter ist Frederik Merkt raus: Mit seinen 38 Jahren konzentriert er sich lieber auf legale Flächen. Schließlich muss er mit seiner Kunst auch seinen Lebensunterhalt verdienen. Und im Vergleich zu seinen Anfängen in den 1990er Jahren, sagt der Graffiti-Künstler und Grafik-Designer, ist die Auswahl an freien Flächen mittlerweile auch recht groß; wie am Stuttgarter Wasen oder in Remseck, wo er wohnt. In Schorndorf jedenfalls hat er jetzt eine 16 auf drei Meter große Wand bekommen – verbunden mit der schriftlichen Genehmigung des Oberbürgermeisters und dem klaren Auftrag: Er soll den Schorndorfer Gartenschau-Slogan „unendlich erfinderisch“ in ein gesprühtes Bild verwandeln. Mit insgesamt sieben verschiedenen Grüntönen sowie Violett für Blüten und Farbraster orientiert er sich am übergeordneten Gestaltungskonzept für die Interkommunale Gartenschau.

Fläche ist beim Sprayen schnell gemacht

Zweimal musste der Sprühtermin auf dem Spielplatz der Neuen Straße bereits wegen Regenwetters verschoben werden. Am Mittwochvormittag endlich hat Merkt mit der Arbeit beginnen können. Bis Freitagabend, so sein Plan, will er weitgehend fertig sein – vorausgesetzt, das wechselhafte Wetter macht ihm nicht wieder einen Strich durch die Rechnung. Doch am sonnigen Mittwoch sind nach drei Stunden Arbeit schon erste Blätter, das Raster und Umrisse der ersten Blüten, ja sogar ein Teil des Schriftzuges auf der schmucklosen Wand der Umspannstation der Stadtwerke zu erkennen. Fläche ist beim Sprayen schnell gemacht.

100 Farbdosen für das fertige Kunstwerk

100 Farbdosen, schätzt Merkt, wird er versprüht haben, bis sein Kunstwerk fertig ist. Der Lösungsmittelgeruch ist extrem. Damit der Graffiti-Künstler, der stundenlang auf den Dosenknopf drückt, keinen gesundheitlichen Schaden nimmt, sprüht er nur mit Atemschutzmaske und mit dicken Handschuhen. Doch die Farbdosen besorgt er sich längst nicht mehr im Baumarkt: „Mittlerweile gibt es spezielle Graffiti-Farbe.“ Rund um die illegale Kunstszene ist ein Markt entstanden – nicht zum Nachteil der Sprayer: „Die Farbpalette ist größer“, sagt Merkt.

Ulrike Schwebel, in der Stabsstelle Büro Oberbürgermeister für die Gartenschau zuständig, verfolgt die Graffiti-Aktion mit großer Begeisterung: Sie hat den Remsecker Künstler für die Aktion in Schorndorf gewonnen. Als er am Mittwoch endlich mit der Arbeit beginnen kann, kommt sie stündlich zu ihm auf den Spielplatz, um sich vom Fortgang seines Sprühwerks zu überzeugen.

Weitere Kunstwerke sollen folgen

Und es soll nicht die letzte Sprayaktion im Zeichen der Gartenschau gewesen sein: Nach dem Kick-off in der Neuen Straße sollen in den kommenden Monaten auch andere Flächen farblich aufgepeppt werden. Selbst die Schorndorfer können mit Farbdosen noch aktiv werden: Bei einer Selfie-Wand-Aktion, die am Donnerstag, 8. Juni, in allen Gartenschau-Kommunen stattfinden soll, ist Graffiti-Künstler Frederik Merkt auf dem Oberen Marktplatz und hilft beim Gestalten der Wand. Beginn ist um 14 Uhr. Atemmasken und Handschuhe liegen für die Nachwuchs-Sprayer natürlich bereit. Dass es sich auch bei diesem Tag um ein denkwürdiges Datum handelt, weiß Ulrike Schwebel: „Dann sind’s noch genau 700 Tage bis zur Eröffnung der Gartenschau.“