Schorndorf

Großes Haus, kleine Familie: Die Doblers aus Schorndorf wollen Platz für junge Familien schaffen

Dobler Haus
Jürgen und Bettina Dobler in ihrem Wohnzimmer. © Gabriel Habermann

Gemütlich und doch großzügig; mit dem Charme eines alten Hauses, aber top saniert; zentral gelegen und trotzdem ein schöner Garten: Von Anfang an war das Fachwerkhaus bei der Schlosswallschule der Traum von Jürgen (59) und Bettina Dobler (45). Doch jetzt, sagen sie, ist Zeit für etwas Neues, der richtige Moment, sich neu zu orientieren und sich zu verkleinern. Platz für junge Familien schaffen: Das ist ein Gedanke, fast schon eine Forderung, die von Politikern immer wieder erhoben wird. Vor allem angesichts vieler betagter Senioren, die allein in einem viel zu großen Haus mit viel zu vielen Zimmern wohnen. Geht es nach Doblers, soll es bei ihnen nie so weit kommen.

„Wir wollten das Haus immer haben“, erinnert sich der Ur-Schorndorfer und SchoWo-Macher Jürgen Dobler. 210 Quadratmeter, sechs Zimmer, drei Terrassen, Garten. Zunächst war das Paar mit Doblers Töchtern aus erster Ehe zur Miete eingezogen. Später konnten sie die schnuckelige Doppelhaushälfte am Rande der Altstadt kaufen und sanieren. „2006 war das genau passend“, sagt Dobler. Unten war Doblers Werbeagentur, drüber wohnte die Familie: Das Haus war mit Leben erfüllt. Einige Zeit später kam Sohn Filip-Imanuel zur Welt. Dobler verlegte seine Agentur in die Stadt, die Mädchen zogen in die ehemaligen Büroräume und das Baby kam ins Kinderzimmer. Die Familie wuchs, das Haus war flexibler – perfekt.

Das Haus wurde zu groß für die kleiner werdende Familie

Dann aber, es war 2017/18, zogen die beiden Töchter aus, und die Räume im Erdgeschoss neben der Garage standen auf einmal leer. Ein Umbau stand nicht zur Debatte, weil auch Sohn Filip-Imanuel irgendwann runtergehen würde. Inzwischen wohnt der Elfjährige unten im Gartenzimmer mit direktem Zugang ins Grüne, oben hat das Ehepaar reichlich Platz - aber es passt nicht mehr. Das Haus ist zu groß für die kleiner gewordene Familie. Dazu kamen die explodierenden Energiekosten und der immer wiederkehrende Gedanke, ob das Fachwerkhaus mit den vielen Treppen auch im Alter noch perfekt sein würde. Der Gedanke, erst noch vage, dann immer konkreter: Was, wenn wir uns verkleinern würden?

Sie stellten ihr Haus in Immoscout – auch um den Marktpreis zu ermitteln. Als „traumhaftes, kernsaniertes Fachwerkhaus inmitten der Altstadt von Schorndorf“ ist es da nun zu finden, mit vielen Bildern und Details. Überall im Bekanntenkreis seien sie wegen ihrer Pläne auf große Zustimmung gestoßen. „Verkleinern ist exotisch“, weiß Jürgen Dobler inzwischen. Und dass definitiv jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, was Neues anzugehen.

Lust, gemeinsam Neues anzugehen

„Was ist in zehn Jahren? Was, wenn wir uns erst dann verkleinern?“, fragt der 59-Jährige. Noch fühlten sie sich gern zuständig für Haus und Garten, in einigen Jahren indes könne das anders aussehen: „Unser Sohn ist irgendwann weg und wir beide alleine auf drei Etagen“, sagt er. „Das macht doch nicht wirklich Sinn.“ Dass auf jeden Fall irgendwann ein Wechsel anstehen würde, glaubt auch Bettina Dobler. „Uns ist klar geworden, dass wir zu dritt auf 210 Quadratmetern leben“, sagt sie. Das Haus, Baujahr 1864, sei nicht fürs Alter gedacht, eines Tages würden sie umziehen müssen. Jetzt hätten sie „Lust auf eine schöne Neubauwohnung“. Eine Wohnung, die sie als aktives Paar dann auch selbst gestalten wollen, ergänzt ihr Mann.

Eine Neubauwohnung in Plüderhausen?

Welche Art von Wohnung sie suchen, wissen sie genau. Mindestens vier Zimmer sollten es sein, neu und barrierefrei sollte die Wohnung sein und möglichst in Schorndorf liegen. Das Letzteres schwer werden wird, haben sie allerdings schnell gemerkt. Große Neubauwohnungen sind in Schorndorf nicht nur rar, sondern auch kostspielig. Inzwischen haben sie möglicherweise eine schöne Wohnung gefunden. Der Haken: Sie liegt in Plüderhausen. Und das, sagt Jürgen Dobler, wäre für einen Schorndorfer dann doch ein exotischer Umzug. „Schorndorf hat logistische Vorteile“, sagte seine Frau. Doch auch das Leben in Plüderhausen könne sie sich durchaus vorstellen.

Immer wieder Wohnungsbesichtigungen

Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, noch besichtigt die Familie immer wieder mögliche Wohnungen, die ihr neues Zuhause werden könnten. Auch die Fachwerkhaus-Hälfte ist - noch – nicht verkauft, wenn sich auch viele Familien dafür interessieren. Dass der Verkauf nicht von heute auf morgen über die Bühne gehen würde, habe ihnen der Makler schon im Vorfeld gesagt, erzählt Jürgen Dobler. „Die Aufgabe ist tricky, macht aber auch Spaß“, sagt er. „Wenn wir eine Wohnung kaufen, müsste halt im besten Fall das Haus schon verkauft sein.“

Plötzlich merkt man: Man braucht gar nicht so viel

Von einem großen Haus in eine kleinere Wohnung zu ziehen, klingt gar nicht so schwer – in der Realität muss es aber passen. „Es ist eine Achterbahnfahrt“, beschreibt Jürgen Dobler die Gefühle der Familie. Ein Nebeneffekt: „Man wird sich bewusst, was einem wirklich wichtig ist“, sagt seine Frau. „Und man ist überrascht, dass es gar nicht so viel ist, wie man immer gedacht hat.“

Gemütlich und doch großzügig; mit dem Charme eines alten Hauses, aber top saniert; zentral gelegen und trotzdem ein schöner Garten: Von Anfang an war das Fachwerkhaus bei der Schlosswallschule der Traum von Jürgen (59) und Bettina Dobler (45). Doch jetzt, sagen sie, ist Zeit für etwas Neues, der richtige Moment, sich neu zu orientieren und sich zu verkleinern. Platz für junge Familien schaffen: Das ist ein Gedanke, fast schon eine Forderung, die von Politikern immer wieder erhoben wird. Vor

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