Schorndorf

Grundschüler in Schorndorf durch Corona stark belastet: So können Eltern helfen

Symbolbild
Fester Bestandteil des einheitlichen Angebots soll die Hausaufgabenbetreuung sein. © ALEXANDRA PALMIZI

Endlich sind die Zeiten von Maskenpflicht im Klassenzimmer, geteilten Pausenhöfen und Corona-Reihentestungen vorbei. Allerdings: Ihre Auswirkungen sind noch immer zu spüren, vielleicht noch stärker denn je, wo nun alles seinen vermeintlich gewohnten Gang geht.

Dr. Karin Fehrenbach, geschäftsführende Schulleiterin an den Schorndorfer Grundschulen, ist sich sicher, dass die meisten Kinder in der Lage sein werden, die derzeit noch teils deutlichen Defizite aufzuholen – für manche allerdings wird sich das wohl länger hinziehen.

Besonders die derzeitigen Drittklässler hätten einen großen Nachholbedarf. Dabei gehe es nicht grundsätzlich darum, Schulstoff überhaupt vermittelt zu bekommen. Was den Lehrplan betrifft, sei man durchaus auf dem erwartbaren Stand der jeweiligen Klassenstufen.

Was aber fehle, das sei die Sattelfestigkeit der Kinder die verschiedenen Regeln betreffend. Rechenregeln, Schreibregeln, sie werden üblicherweise im Unterricht immer wieder geübt. Das aber fiel naturgemäß durch die vielen Home-Schooling-Einheiten aus.

Problem: Wenn Lesen und Schreiben zu Hause gelernt werden

Und selbst wo die Eltern sich stark engagiert hätten, seien hier deutliche Defizite erkennbar. „Wir wiederholen das in der Schule üblicherweise immer gebetsmühlenartig, in immer größeren Abständen, bis es sitzt.“ Und da haben die Lehrer in der Schule eben ganz andere Möglichkeiten als die Eltern zu Hause.

Zum einen haben sie die pädagogischen und fachlichen Kenntnisse und zum anderen müssen sie nicht nebenher kleinere Geschwister betreuen und ihre Aufgaben im Home-Office wuppen. „Zu Hause kann man einfach nicht die Kontinuität wie in der Schule bieten.“

Aber an noch etwas anderem hapert es: Die Konzentrationsfähigkeit vieler Kinder habe sich über die Jahre hinweg nur schleppend ausgebildet. „Vielen fällt es schwer, im Unterricht dranzubleiben“, das sieht Dr. Fehrenbach immer wieder. Häufig hätten Kinder wenig Durchhaltevermögen und gingen schnell über Schwierigkeiten hinweg. Daran müsse man noch arbeiten.

Es hapert an der Lesekompetenz

Und auch die Lesekompetenz sei bei etlichen Schülerinnen und Schülern nicht so ausgebildet wie in vergleichbaren anderen Jahrgängen. Häufig klappe das Lesen nicht so flüssig wie erwünscht, das Auffassen gelesener Inhalte sei oft noch schwierig. „Sonst hatten wir immer noch Leseomas, die parallel mit den Schülerinnen und Schülern üben.“

Welche Baustelle es beim Schreiben gibt? Abgesehen vom großen Nachholbedarf die Rechtschreibung betreffend, hielten viele Kinder die Linien im Schreibheft nicht richtig ein. „Da gibt es mehr auffällige Kinder als sonst.“ Wenn die Kinder vornehmlich in der Schule das Schreiben lernen, korrigieren die Lehrer immer wieder, was nicht optimal klappt.

Mal stimmt die Stifthaltung nicht so recht, mal ist der Druck zu groß, mit dem die Kinder den Stift aufs Papier aufdrücken. Das ist im laufenden Schulbetrieb viel leichter, immer wieder und auch mal nebenher zu korrigieren. „Eine Fachkraft sieht ganz andere Dinge.“

Abgesehen davon sei es für Eltern ungleich schwerer, schulische Inhalte ans Kind zu bringen. Schließlich hätten sie eine ganz andere Rolle. Erfahrungsgemäß wagten sich Kinder daher bei ihren Eltern eher, die Kooperation zu verweigern als bei Lehrern.

Pandemie hat viele zu Einzelkämpfern gemacht

Und dann, abseits von schulischen Inhalten, fehle den Kindern nach bis zu drei von der Pandemie geprägten Schuljahren auch noch etwas anderes – Sozialkompetenz nämlich. Die Pandemie hat viele Schüler zu Einzelkämpfern werden lassen: „Viele können sich gar nicht gut darauf einlassen, in der Gruppe zu arbeiten, dann eventuell auch mal eine Aufgabe abzugeben.“

Und auch das ungezwungene Miteinander auf dem Schulhof habe zu lange gefehlt. „Wir konnten den Schulhof ja erst nach Ostern öffnen“, erklärt Fehrenbach. Deshalb hatte lange Zeit nicht eine Schulversammlung stattgefunden, klassenübergreifendes Interagieren war angesichts der Kohortenbildung gar nicht möglich. Das Gefühl fürs „Groß“- oder „Kleinsein“ und auch für freiwillige Hilfen für die Jüngeren, beispielsweise beim Schuhebinden, fehle.

Wichtiges aktuelles Arbeitsfeld: Soziale Kompetenz

Deshalb stehen an der Otfried-Preußler-Schule in Miedelsbach, an der Dr. Karin Fehrenbach Schulleiterin ist und auch unterrichtet, im neuen Schuljahr nun auch Projekttage mit Pädagogen der Paulinenpflege an. Soziale Projekte sollen das Gemeinschaftsgefühl fördern und den Kindern helfen, in Konfliktsituationen souverän zu reagieren.

Weshalb das wichtig ist? Zum einen sollen in der Schule eben auch soziale Kompetenzen vermittelt werden, zum anderen wirke das Soziale eben auch auf den Lernfortschritt. „Wer Streit mit seinem Nachbarn hat, kann sich schlecht auf die Arbeit konzentrieren, weil ihm die Sache immer im Kopf rumgeht.“

Insofern senkten Spannungen in der Klasse die Konzentration und damit auch den Lernfortschritt. Zudem müsse der Lehrer erst mal aktiv werden und den Konflikt lösen, bevor er überhaupt wieder Fachliches anpacken könne. Das alles bremst das inhaltliche Vorwärtskommen der Kinder.

Das Wichtigste: Dem Kind Mut machen

So lang diese Auflistung auch ist, Dr. Karin Fehrenbach ist optimistisch und sich sicher, dass die aktuellen Probleme der Kinder auf lange Sicht behoben werden können. Sie weiß, dass die nachfolgenden Schulen auf die durch Corona bedingten Schwächen der Kinder eingehen. „Die folgenden Schulen machen da weiter, wo wir aufgehört haben.“

Was Eltern tun können, um ihre Kinder eventuell zu unterstützen? Das Wichtigste ist für Dr. Fehrenbach klar: „Mut machen. Dem Kind sagen, das schaffst du, es dauert halt ein bisschen.“ Sie wünscht sich, dass die Eltern im Austausch mit den Lehrkräften bleiben, damit die Kinder bestmöglich unterstützt werden können.

Und dann brauche es Motivation für die Kinder, auch in ungemütlichen Situationen an gestellten Aufgaben dranzubleiben. Und sie wünscht sich, dass die Eltern auch dann ruhig und optimistisch bleiben, wenn ein schulischer Test mal nicht so gut ausfällt. Wichtig sei’s einfach, dranzubleiben und nicht aufzugeben.

Endlich sind die Zeiten von Maskenpflicht im Klassenzimmer, geteilten Pausenhöfen und Corona-Reihentestungen vorbei. Allerdings: Ihre Auswirkungen sind noch immer zu spüren, vielleicht noch stärker denn je, wo nun alles seinen vermeintlich gewohnten Gang geht.

Dr. Karin Fehrenbach, geschäftsführende Schulleiterin an den Schorndorfer Grundschulen, ist sich sicher, dass die meisten Kinder in der Lage sein werden, die derzeit noch teils deutlichen Defizite aufzuholen – für manche

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