Schorndorf

Grundschüler müssen umziehen

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Nicht im Klinkerbau, sondern im dahinterliegenden Flachdachgebäude der Rainbrunnenschule gibt es ein Schimmelproblem. © Büttner/ZVW

Schorndorf. Die Eltern der Rainbrunnen-Grundschüler haben für ihre Kinder, die in von Schimmel befallenen Räumen unterrichtet werden, eine Containerlösung gefordert – und was bekommen sie? Eine neue, korrekt gesagt, eine andere Schule. Die Verwaltung hat, wie Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Bürgermeister Thorsten Englert am Donnerstagabend im Rahmen ihrer Reden zum Haushalt 2019 erläuterten, entschieden, dass die Rainbrunnen-Grundschule mit fast allen Klassen ins Burg-Gymnasium umzieht.

Nicht ins neue BG freilich, sondern in den sogenannten Fachklassentrakt, in dem seit der Inbetriebnahme des neuen Burg-Gymnasiums elf und damit in etwa genau so viele Klassenzimmer leerstehen, wie für die Rainbrunnen-Grundschule benötigt werden – wenn, wie geplant, die eine vierte Klasse, die in einer Intensivkooperation in der Fröbelschule unterrichtet wird, im Rainbrunnen verbleibt. Die Interimslösung, die aus heutiger Sicht auf einen Zeitraum von drei bis vier Jahren angelegt ist – parallel dazu soll der Neubau einer Grundschule auf dem Rainbrunnen-Gelände geplant und realisiert werden –, soll zügig umgesetzt werden: Von der kommenden Woche an sollen die Klassenzimmer im BG vorbereitet werden und möglichst noch im November soll der Umzug, der bereits mit den Schulleitungen der Rainbrunnenschule und des Bug-Gymnasiums sowie mit dem Staatlichen Schulamt in Backnang abgestimmt ist, über die Bühne gehen. Um den Ganztagesbetrieb der Rainbrunnenschule wie gewohnt aufrechterhalten zu können, ist außerdem daran gedacht, auf dem gerade erst von Schulcontainern freigeräumten BG-Gelände wieder den einen oder anderen Container aufzustellen.

Klopfer: „Ich hätte mich früher darum kümmern müssen“

Noch in der Nacht nach der Informationsveranstaltung, bei der sich Eltern und Lehrer massiv gegen die gutachterliche Verharmlosung der mit dem Schimmelbefall in zwei Klassenzimmern des Flachdach-Anbaus einhergehenden Gefahren und gegen die Hinhaltetaktik der auf Zeit spielenden Verwaltung gewehrt hatten, habe die intensive Suche nach einer Alternative zu der vorgeschlagenen Folienabdichtung der Schimmelsporen begonnen, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Gemeinderat. Und er entschuldigte sich bei den betroffenen Kindern, Eltern und Lehrern ganz persönlich dafür, „dass wir nicht früher gehandelt haben“. „Ich hätte mich früher darum kümmern müssen“, bekannte Klopfer mit Blick darauf, dass das Schimmelproblem in der Stadtverwaltung bereits seit Mitte September 2017 bekannt ist. Andererseits aber zeige die schnelle, gerade mal einen Tag in Anspruch nehmende Reaktion auch, dass Schorndorf „eine ganz besondere Stadt“ sei. Nachdem die Idee mit dem Burg-Gymnasium im Rathaus geboren worden war, habe er am Donnerstag um 11.50 Uhr Schulleiter Jürgen Hohloch angerufen, und wenige Minuten später habe im Burg-Gymnasium das erste Gespräch stattgefunden – gleich mit dem bekannten Ergebnis. Von „Glück im Unglück“ sprach der Oberbürgermeister, der sich besonders beim Schulleiter des BG, Jürgen Hohloch, für dessen unbürokratisches und gastfreundliches Entgegenkommen bedankte. Gleich nach der Informationsveranstaltung am Mittwochabend, bei der die Stadt durch Bürgermeister Thorsten Englert und Fachbereichsleiter Steffen Schultheiß vertreten war, sei ihm, so Klopfer, klar gewesen, dass die Rückmeldungen, Befürchtungen und Ängste der Eltern und Lehrer ernstgenommen werden müssten und dass die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler sowie aller an der Schule Beschäftigten höchste Priorität haben müsse – und dass das weiterreichende Konsequenzen würde haben müssen als das, was von Seiten der Verwaltung in der Informationsveranstaltung angeboten worden war.

Lösung des Beförderungsproblems ist Teil des Gesamtpakets

Es sei gut, dass die Verwaltung so schnell gehandelt und sich mit dieser Lösung aus der Schusslinie gebracht habe, sagte später unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen“ CDU-Stadtrat Ingo Sombrutzki und lobte den Oberbürgermeister ganz besonders dafür, dass er sich persönlich entschuldigt habe. Das verdiene höchsten Respekt. Zu lösen, so Sombrutzki, gebe es jetzt vor allem das Transportproblem, und zwar am besten durch einen Shuttle-Bus, damit sich nicht jeden Tag eine Karawane von Elterntaxis auf den Weg aus der Nordstadt zum Burg-Gymnasium machen müsse. Die Lösung dieses Problems sei Teil des Gesamtpakets, das in den nächsten Tagen noch im Detail ausgehandelt werden müsse, sagte der Oberbürgermeister und wies schon mal darauf hin, dass – zumal auch im Raum steht, dass die Fuchshofschule ein Kulturdenkmal und als solches nicht abgerissen werden könnte – die Schulentwicklungsplanung Makulatur ist und im kommenden Jahr noch einmal ganz von vorne diskutiert werden muss.

Teure Sanierung des Grundschulanbaus lohnt sich nicht

„Wir sind eine lernende Verwaltung“, sagte an anderer Stelle seiner Ausführungen zur Haushaltseinbringung Bürgermeister Thorsten Englert, der sich insofern als lernfähig erwiesen hat, als auch er, der einen Tag vorher noch ein paar Monate Zeit für die Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes reklamiert hatte, jetzt beteuerte, dass die bei der Informationsveranstaltung laut gewordenen Bedenken und Forderungen sehr ernst genommen worden seien („Gesundheit geht vor“) und die Verwaltung zum umgehenden Handeln veranlasst hätten. „Wir haben fast die Nacht durchgearbeitet“, sagte Englert und machte deutlich, dass die jetzt beschlossene Interimslösung einerseits keine kurzfristige, andererseits aber auch keine für manche Provisorien typische dauerhafte werden soll. Klar sei: Der vor 46(!) Jahren ebenfalls als Provisorium gebaute Grundschulanbau sei „abgängig“, eine teure Sanierung lohne sich nicht mehr. Was bedeute: „Wir reden hier von einer neuen Grundschule.“ Und weil das so sei, halte er es für geboten, noch einmal über das gesamte Rainbrunnen-Areal nachzudenken, weshalb er auch „den roten Knopf in Sachen Kindergarten-Neubau gedrückt“ habe. Zum Hintergrund: Bislang ist auf dem Sportgelände am Rande des Areals (Stöhrerweg) der Bau eines sechsgruppigen Kindergartens geplant.


Herausforderung

„Das ist eine große Herausforderung, aber wir nehmen sie an“, sagt – auch im Namen ihres Kollegiums – Rainbrunnen-Schulleiterin Karola Groß, die natürlich auch mit allem anderen, aber nicht mit der jetzt beschlossenen Umzugslösung gerechnet hat.

Und auch die Reaktionen der Eltern, die sie am Morgen nach der Gemeinderatssitzung auf dem Schulhof wahrgenommen hat, sind tendenziell eher positiv. „Es gibt Eltern, die sagen, das schaffen wir, aber es gibt natürlich auch Eltern, die sich wegen der großen räumlichen Distanz Sorgen machen“, sagt die Schulleiterin, die in engem Kontakt mit der Elternbeiratsvorsitzenden Simona Lindacher steht und die gestern erst einmal einen Elternbrief verfasst und darin für die Umzugslösung geworben hat. Die, nicht zu vergessen, perspektivisch den großen Vorteil hat, dass in den nächsten Jahren und damit viel früher als bislang geplant auf dem Rainbrunnen-Gelände eine neue Grundschule gebaut wird.

Jetzt aber heißt es für Karola Groß und ihr Kollegium erst einmal, alle Vorbereitungen für den Umzug und für einen reibungslosen Schulalltag in der völlig neuen Umgebung zu treffen. Dazu bedarf es noch vieler Gespräche, vor allem auch mit der Schulleitung des Burg-Gymnasiums, und mancher Anpassungen etwa beim Stundenplan und beim Personaleinsatz. Ganz zu schweigen vom Ganztagesunterricht und den Kooperationen. Es gilt also jetzt, um im Schuljargon zu bleiben, viele Hausaufgaben zu erledigen.