Schorndorf

Häusliche Gewalt: Mann in Schorndorf zu sechs Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt

amtsgericht
Da Amtsgericht verurteilte einen jungen Afghanen zu sechs Monaten auf Bewährung. © Gaby Schneider

Ein junger Afghane aus Welzheim wurde zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. So urteilte das Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Petra Freier. Ihm war vorgeworfen worden, im Januar seine Frau körperlich misshandelt zu haben.

Es war ein ernstzunehmender Vorfall von häuslicher Gewalt, der Anfang dieses Jahres in eine Anzeige der Ehefrau des Afghanen mündete. Aufgrund des hohen Infektionsgeschehens in den letzten Monaten musste die Verhandlung um längere Zeit verschoben werden. Wegen einer großen Sprachbarriere musste zudem eine Dolmetscherin hinzugezogen werden. Verteidigen wollte sich der junge Mann, gegen den schon mehrere Verfahren eingestellt wurden, selbst und verzichtete auf einen Anwalt.

Die Anklageschrift zeichnet ein wenig vorteilhaftes Bild des Angeklagten. Dieser soll seine Frau während einer Auseinandersetzung an den Haaren gezogen und sie getreten haben. Außerdem soll er sie danach so stark gewürgt haben, dass sie keine Luft mehr bekam und zeitweise Todesängste ausstand.

Aus der Befragung des Beschuldigten ging hervor, dass er im Jahr 2015 zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn nach Deutschland geflohen ist. Zwei weitere Kinder, ein weiterer Sohn und eine Tochter, sind in Deutschland zur Welt gekommen. Der Angeklagte, der ebenso wie seine Frau arbeitslos ist, lebt von Geldern des Jobcenters, das auch die gemeinsame Wohnung finanziert. Nach eigenen Angaben wolle er dem Staat nicht länger „auf der Tasche liegen“, weshalb er sich vor zwei Monaten bei einer Firma in Ludwigsburg beworben hatte. Schließlich besitzt er einen Aufenthaltstitel mit Arbeitserlaubnis. Außerdem arbeitete er zeitweise in einem Teilzeitjob in der Gebäudereinigung. Er erklärte, dass er aktuell einen Deutschkurs besucht und seiner Arbeit deshalb nicht nachgehen kann.

Flucht durch das Fenster

Wie es im Januar zum Streit mit seiner Ehefrau vor den Augen der Kinder kam, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Er bestätigte jedoch, dass er an jenem Nachmittag handgreiflich wurde. Er habe seine Frau aber lediglich am Arm gepackt und auf den Flur gestoßen. Woher die Würgemale am Hals, auf die die Richterin mehrmals ausdrücklich hinwies, stammten, konnte er sich nicht erklären. Als die Frau daraufhin die Wohnung verlassen wollte, sperrte er die Tür ab und nahm den Schlüssel an sich. Dies begründete er mit Unterschieden zwischen der deutschen und afghanischen Kultur. Er wollte schlicht verhindern, dass bei den Nachbarn Gerüchte über einen Ehestreit entstünden. Außerdem habe er in seiner Zeit in Deutschland gelernt, „dass die Frauen immer Recht bekommen“.

In ihrer Verzweiflung sei die junge Mutter durch das Schlafzimmerfenster im Erdgeschoss geklettert und habe den Polizeiposten in Welzheim aufgesucht. Ein Polizeibeamter, der als Zeuge vorgeladen war, schilderte die Situation: Die Frau sei weinend und verängstigt zur Dienstelle gekommen und habe versucht, mit Händen und Füßen zu erklären, was passiert war. Dabei bemerkte er die Verletzungen am Hals der Frau. Gemeinsam mit einem weiteren Polizisten fuhren sie zurück zum Ort des Geschehens und erteilten dem Mann einen Wohnungsverweis. Dieser blieb ruhig, gab zu, gegenüber seiner Frau handgreiflich geworden zu sein, und verließ die Wohnung. Bei der Vernehmung machte die Frau nach Angaben des Polizisten keine widersprüchlichen Aussagen.

Die Mutter der drei Kinder, die bereits vor einigen Monaten vor Richterin Freier aussagte, bestätigte die Aussagen des Polizeibeamten bei ihrer Befragung unter Tränen. Weil es ihr an jenem Tag im Januar nicht gut gegangen sei, habe sie ihren Mann darum gebeten, sich um das jüngste Kind zu kümmern. Ihr Mann habe das abgelehnt und sei nach der zweiten Bitte seiner Frau laut geworden. Nach ihren Angaben verdrehte er ihr den Arm, zog ihr an den Haaren und trat sie. Als er sie am Hals anpackte, drückte er für einen Moment fest zu, sagt sie. Nachdem es der Frau gelungen sei, sich zu befreien, habe er sie ins gegenüberliegende Zimmer verfolgt. Dort habe er sie mit dem Gesicht so stark auf den Teppichboden gedrückt, dass sie erneut keine Luft mehr bekam und in Panik verfiel.

Als der Mann neun Tage nach dem Wohnungsverweis wieder zu seiner Familie zurückkehrte, entschuldigte er sich nach Aussage der jungen Afghanin. Das Verhältnis sei seitdem wieder gut. „Es reicht mir, wenn er das nicht noch mal tut“, sagte sie abschließend. Richterin Petra Freier betonte, wie wichtig die Aussage der Frau war.

Der Staatsanwalt wies nach den Zeugenaussagen darauf hin, dass es keinen Anlass gebe, an den Aussagen der Frau zu zweifeln. Durch die bildlich dokumentierten Würgemale und die Aussage des Polizisten ergebe sich ein stimmiges Bild. Dass sich die Tat über zwei Phasen, weil in zwei verschiedenen Räumen, abgespielt habe, sei ebenso entscheidend.

Sechs Monate Haft auf Bewährung

Der Angeklagte beteuerte zum Abschluss einmal mehr, dass er seiner Frau gegenüber nicht derart handgreiflich geworden war. Vor allem, so lässt er die Übersetzerin verkünden, habe er sie nicht mit dem Gesicht auf den Boden gedrückt.

Für Richterin Petra Freier reichten diese Aussagen des afghanischen Mannes jedoch nicht aus. Das Urteil lautete sechs Monate Haftstrafe auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Bewährungszeitraum beträgt zwei Jahre. Der Mann darf sich während dieser Zeit nicht erneut strafbar machen, sonst wandert er in eine Justizvollzugsanstalt. Zusätzlich muss der Verurteilte 80 Stunden gemeinnützige Arbeit bis Ende des Jahres verrichten.

Die Richterin wandte sich nach der Verkündung nochmals an den Mann. Sie machte deutlich, wie viel Respekt sie vor der Frau des Verurteilten habe, da sie trotz ihres Zeugenverweigerungsrechts erneut gegen ihren Ehemann ausgesagt hatte. „Ich möchte, dass Sie aus dieser Verhandlung lernen“, sagte die Richterin Der Verurteilte akzeptierte das Urteil.

Ein junger Afghane aus Welzheim wurde zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. So urteilte das Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Petra Freier. Ihm war vorgeworfen worden, im Januar seine Frau körperlich misshandelt zu haben.

Es war ein ernstzunehmender Vorfall von häuslicher Gewalt, der Anfang dieses Jahres in eine Anzeige der Ehefrau des Afghanen mündete. Aufgrund des hohen Infektionsgeschehens in den letzten Monaten musste die Verhandlung um längere Zeit

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