Schorndorf

Harry Schaales schrilles Häusle

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Harry Schaale vor seinem Manhattan auf dem kleinen Dachboden des Häuschens Risslerinstraße 14/1. © Ramona Adolf
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Schaales Manhattan bei Nacht. © Ramona Adolf
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Nach Manhattan geht’s über den Broadway. Und da darf Marilyn Monroe nicht fehlen. © Ramona Adolf
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Vor dem Häuschen der (Märchen)Garten, unter anderem mit Hänsel und Gretel. © Ramona Adolf
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King Elvis und Kleopatra, Kostüme by Schaale. © Ramona Adolf
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Manhattan auf dem Schorndorfer Dachboden. © Ramona Adolf
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Mit vielen Details hat sich Harry Schaale sein eigenes Manhattan gestaltet. © Ramona Adolf
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Die typisch amerikanischen Fast-Food-Läden dürfen natürlich auch nicht fehlen. © Ramona Adolf
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Das Hotel Crazy House. © Ramona Adolf
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Die sieben Zwerge zieren Harry Schaales Märchengarten. © Ramona Adolf
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Sinn fürs Detail und Kreativität beweis Schaale am Hexenhaus im Garten. © Ramona Adolf
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Nicht zu übersehen: Das Haus von Harry Schaale ist von weitem ein Blickfang. © Ramona Adolf

Schorndorf. Harry Schaale hätte so gern mal im World Trade Center einen Kaffee getrunken und auf Manhattan hinuntergeschaut. Ein Traum, der sich leider nicht verwirklichen lassen hat. Der 54-Jährige hat schreckliche Angst vor dem Fliegen. Deshalb hat er es nie nach New York geschafft. Was tun mit der Liebe zu Manhattan? Sich selber eines bauen. Auf dem Dachboden.

Schaale liebt nicht nur die Staaten, sondern auch Ägypten. Allerdings gilt hier das Gleiche: unerreichbar für den angsterfüllten Nichtflieger. Das Schiff wäre doch zumindest bei Ägypten eine Alternative, oder nicht? „Dauert zu lange“, sagt Schaale, „die Zeit habe ich nicht.“ Also halt die Lieblingsstätten und -personen in Miniatur bei sich zu Hause aufbauen.

Es passt dann schon zusammen, das alles in Klein. Denn groß ist das Haus Risslerinstraße 14/1, in dem Harry Schaale seit einigen Jahren lebt, beileibe nicht. Der Besucher kommt durch die Tür, steht in der Küche, stellt schnell fest, dass hier vieles handmade ist. Nächste Tür, das Wohnzimmer. Eine Wucht für den, der’s schwülstig-schrill mag. Aber auch der, der nicht so sehr auf vollgestopft steht, ist beeindruckt. Zum Beispiel vom offenen Kamin, der gar keiner ist, aber einem richtigen verblüffend ähnlich sieht. „Alles Styropor“, sagt Schaale, „angemalt“. Von ihm, versteht sich. Die halbhohe Backsteinverkleidung ist optisch von einer echten nicht zu unterscheiden, besteht aber aus Tetrapacks. Angemalt. Apfelsaft. „Die habe ich alle ausgetrunken“, erklärt der 54-Jährige.

Harry Schaale sitzt da, trinkt ein Bier und schaut auf sein Manhattan

Durch eine schmale und steile Treppe hoch auf den Dachboden, ach was, das Dachbödlein. Vorbei an Elvis in seinen klassischen Klamotten – von Schaale genäht. Der Kopfschmuck von Cleopatra (in diesem Fall Liz Taylor) fehlt natürlich auch nicht – von Schaale gefertigt. Marilyn Monroe, die Gute, als Schaufensterpuppe, von oben bis unten gestylt (Perücke, Schminke, Kleid) von Schaale. Und dann das Prunkstück: Manhattan in Klein, aber ganz groß, die vielen, vielen Fenster faszinierend phosphoreszierend. Vor allem bei Nacht. Aber auch bei Tagbeleuchtung eine Wucht. Davor zwei Stühle. Auf einem von ihnen sitzt Harry Schaale oft. Trinkt ein Bier und schaut auf sein Manhattan. „Das ist mein Lieblingsplatz.“

Bühnenbildner wäre der gebürtige Schorndorfer gern geworden. Das merkt man heute noch. Werkzeugmacher musste er lernen, weil’s der Vater wollte und weil das in der Familie halt so war. Schaale hat sich gefügt – und nach der Lehre schnell die Fliege gemacht. Genau zwei Wochen arbeitete er in seinem Beruf bei Bauknecht, bevor er als Quereinsteiger Koch bei der „Becka Kurze“ wurde. Damals hatte Christel Kohnle, spätere Langenbach, dort noch das Sagen. Lang ist’s her.

Schaale blieb Koch, ging zu Bauknecht, dann zu IBM in Eningen und arbeitet nunmehr auch schon elf Jahre im Betriebsrestaurant der Kreissparkasse Waiblingen. Sein Job lässt dem Mann, der immer schon gerne gemalt hat, vor allem Porträts, ausreichend Zeit für sein Hobby, die künstlerische Arbeit. „Das ist mein Ausgleich zum Geschäft.“

Bekannt geworden in Schorndorf und darüber hinaus ist Schaale vor ein paar Jahren als eine von zwei „Damen der Nacht“. Zusammen mit Partner Rüdiger Cranz machte er auf Travestie. Durchaus erfolgreich in den – wie könnte es anders sein– von Schaale genähten Kostümen. Höhepunkt war ein Auftritt im legendären „Pulverfass“ auf der Reeperbahn. „Ich wollte immer dort auftreten und dann aufhören mit der Travestie“, berichtet Schaale. So kam’s auch. Nach dem Gastspiel im „Pulverfass“ war Schluss. Cranz ging nach Berlin, Harald Schaale musste sich nicht mehr für die Auftritte rasieren. Das Ergebnis ist eine Barttracht, wie man sie auch nicht alle Tage sieht.

Harry Schaale ist durchaus selbstbewusst: „Ich bin halt ein kleiner Künstler, es ist eben etwas schiefgelaufen in meinem Leben.“ Unzufrieden wirkt der 54-Jährige aber nicht. Sein nächstes Ziel ist, bei der Schorndorfer Kunstnacht mitzumachen, den Leuten sein „schrilles Häusle“, wie er selber sagt, zu zeigen. Es kann gut sein, dass es bis dahin noch etwas schriller ist. Denn Harry Schaale hat nach wie vor viele Ideen. Außerdem findet er: „Wenn man älter wird, wird man wieder zum Kind – verträumter halt.“

Einfach anmelden

Harry Schaale hat kein Telefon, ans Handy geht er selten, außerdem hat kaum jemand seine Nummer. Kontakt aufnehmen ist also schwer. Der 54-Jährige zeigt aber sein Häusle gern, vor allem sein Manhattan und den Broadway.

Wer Interesse hat, kann einfach einen Zettel mit Adresse und Telefonnummer in den Briefkasten am Haus Risslerinstraße 15/1 werfen. Harry Schaale meldet sich dann. Versprochen!