Schorndorf

Harry Schaale und sein schrilles Ostergärtle in Schorndorf

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Harry Schaale im April 2021 in seinem schrillen Ostergärtle, mit dem er sich und anderen in düster-traurigen Lockdown-Zeiten eine kunterbunte Freude gemacht hat. © Gaby Schneider

In diesen traurigen Zeiten, in denen es nur noch um die Ansteckungsgefahr, ums Abstandhalten, um Inzidenzzahlen, Schnelltests und Impfstoffe geht, hat Harry Schaale sich ins Zeug gelegt, um sich und anderen zu Ostern eine Freude zu machen. Als „Schriller Harry“ hat der 59-Jährige schon einige Berühmtheit erlangt, ist jahrelang als Travestiekünstler mit seinem Partner Rüdy als „Damen der Nacht“ in Shows sogar in München und im legendären „Pulverfass“ auf der Reeperbahn aufgetreten; aber auch daheim, im Schorndorfer Löwenkeller. Mit fein säuberlich rasiertem Bart und in Frauenkleidern präsentiert er sich heute nicht mehr in der Öffentlichkeit, doch die Kreativität hat er sich vom Alter nicht austreiben lassen: Im Brotberuf arbeitet er als Koch im Betriebsrestaurant der Kreissparkasse in Waiblingen. Nach Feierabend macht er das, mit was er immer gerne seinen Lebensunterhalt verdient hätte: „Was Künstlerisches.“

Das alte Ägypten in der Küche und Horror hinter der Kellertür

Tatsächlich hat er sich in den 25 Jahren, die er in dem kleinen, gelben Haus mit der Nummer 14/1 in zweiter Reihe der Risslerinstraße wohnt, mit Glitzer und Glimmer, Heißkleber und Farben mächtig ausgetobt. In der Küche das alte Ägypten, hinter der Kellertür das reinste Horrorkabinett mit Totenköpfen und Skeletten, gegenüber der Eingang zur Unterwassertoilette und im ersten Stock: ein Hauch von Hollywood. Mit Liz Taylor als Kleopatra und einer Marilyn-Monroe-Schaufensterpuppe in von Harry Schaale selbst genähtem Kostüm. Wegen Corona kann er sein Haus, das er einmal im Monat von oben bis unten abstauben muss und in das er vor Jahren schon die Zeitung und den SWR gebeten hat, nur auf Handy-Fotos präsentieren. Doch sein Ostergärtle ist auch in Pandemiezeiten vorzeigbar.

Und was er hier geschaffen hat, ist wirklich märchenhaft. Die sieben Zwerge als Empfangskomitee am Zaun, am Gartentörchen Schneewittchen höchstpersönlich. In der Gartenhütte, die er in einem seiner Kreativitätsausbrüche in ein Lebkuchenhaus verwandelt hat, stehen Hänsel und Gretel. Und dahinter: Rotkäppchen und der böse Wolf. Zum zweiten Ostern in Coronazeiten hat Harry Schaale noch einmal kräftig in seine kreative Wunderkiste gegriffen, erst eine kleine Ostergeschichte verfasst (siehe Infobox) und sich dann von den Zeilen selbst inspirieren lassen.

Über allem wacht der große Gummibär mit Maske

Und da sich seine Verse um aufgehängte Spiegeleier drehen, hat der Schrille Harry, wie er sich selbst gerne nennt, genau das gemacht. Mit jeder Menge Heißkleber und Acrylfarbe hat er bestimmt 40 Spiegeleier gebacken und sie mit Wäscheklammern im Pflanzbogen und an der Leine aufgehängt. Weitere seiner weiß-gelben Werke prangen am Lebkuchenhaus und unterm Küchenfenster. Und ein besonders prachtvolles Exemplar – mit aufgeschlagener Schale im XXL-Format – hat Harry mitten auf der Zeitungsbox unter seinem Briefkasten platziert. Und im Garten: unzählige, kunterbunte Ostereier, Papier-Küken und ausgeschnittene Häschen in Plastikfolie. Dazu: reihenweise kleine Küchlein, die Schaale aus umgedrehten Puddingbechern gezaubert hat. Und über der ganzen Pracht wacht ein großer Gummibär – mit Maske.

Wer auf einem Spaziergang bei ihm vorbeischauen möchte, ist eingeladen, unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln einen Blick auf das schrille Ostergärtle zu werfen und sich in diesen anstrengenden Zeiten zum Schmunzeln verführen zu lassen. „Für Kinder“, sagt der 59-Jährige, „ist das toll.“ Für Erwachsene aber auch. Und für die hat er, sobald’s wieder möglich ist, noch mehr zu bieten: Er hofft, sein schrilles Haus bei der nächsten Kunstnacht zeigen zu können. Auf Vermittlung seiner Nachbarin, der Künstlerin Lydia Feulner-Bärtele, konnte er schon einmal bei dem Schorndorfer Kulturevent dabei sein.

In diesen traurigen Zeiten, in denen es nur noch um die Ansteckungsgefahr, ums Abstandhalten, um Inzidenzzahlen, Schnelltests und Impfstoffe geht, hat Harry Schaale sich ins Zeug gelegt, um sich und anderen zu Ostern eine Freude zu machen. Als „Schriller Harry“ hat der 59-Jährige schon einige Berühmtheit erlangt, ist jahrelang als Travestiekünstler mit seinem Partner Rüdy als „Damen der Nacht“ in Shows sogar in München und im legendären „Pulverfass“ auf der Reeperbahn aufgetreten; aber auch

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